Weißstorchinvasion auf der Deponie

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78 gefiederte Tiere haben Rast auf der Deponie Reutehau gemacht – auch Ellwangens Störche sind dabei. Woher die restlichen Tiere kommen, ist nur zum Teil klar.

Ellwangen

Seit Anfang April hält sich eine Gruppe von zehn bis fünfzehn noch nicht brutfähigen Weißstörchen im Alter von ein bis zwei Jahren in der näheren und weiteren Umgebung der Kreismülldeponie Reutehau auf und nutzt den Biomüllbereich nach Betriebsschluss zur Nahrungsaufnahme", teilt Storchexperte Helmut Vaas mit und fügt hinzu: "Anschließend wurde auf den Lichtmasten der Deponie, aber auch vereinzelt in Killingen, übernachtet."

Die Gruppe habe Frühjahr und Sommer dort verbracht und sei oft durch die in Ellwangen, Stimpfach und Tannhausen ansässigen Brutstörche ergänzt worden, bei denen sich diese weniger mühsame Nahrungssuche offensichtlich herumgesprochen und trotz der längeren Flugwege gerne angenommen wurde.

"Eine große Überraschung gab es, als sich die Anzahl der Weißstörche schlagartig auf mindestens 78 erhöht hatte. Nach der Suche nach Nahrung im Biomüll wurde ausschließlich auf den Lichtmasten und auf Betriebsgebäuden der Deponie übernachtet. Damit unterscheiden sie sich von vorjährigen Besuchern aus dem Großraum um Braunschweig, welche auch auf den Killinger Hausdächern und den Hochspannungsmasten am Ortsrand mehrere Nächte verbracht haben", sagt Vaas weiter.

Auch die drei Ellwanger und mindestens zwei der Stimpfacher Jungstörche hätten sich dieser Gruppe angeschlossen. Da die Ringe zum Teil stark verkotet seien, sei eine Ringablesung nicht immer möglich.

Ursache dafür, dass sich die Weißstörche derzeit "weiße Strümpfe" anziehen, seien die hohen Temperaturen. Störche lassen laut Vaas ihren Kot an den Beinen herunterrieseln, um durch die dabei entstehende Verdunstungskälte ihre Körpertemperatur zu regulieren.

"Bei den neu hinzugekommenen Weißstörchen handelt es sich durchweg um Jungstörche von diesem Jahr, die sich bereits vom Familienverband getrennt haben, jetzt selbstständig werden und sich vor ihrem gemeinsamen Wegzug ab etwa Mitte August in größeren Trupps zusammenschließen", erklärt der Fachmann. Diese seien leicht erkennbar an den noch schwarzen Schnabelspitzen.

Woher die Störche kommen, bleibt das Geheimnis der Tiere.

Helmut Vaas Storchexperte

Woher ein Großteil dieser neu eingetroffenen Jungstörche kommt, bleibe das Geheimnis der Störche, denn mindestens zwei Drittel der Tiere seien nicht beringt und wahrscheinlich aus größerer Entfernung angereist. "Nicht überall und nicht alle Jungstörche werden noch beringt. Ein Teil der beringten, anwesenden Jungstörche stammt, wie die abgelesenen Ringe zeigen, offensichtlich aus dem Großraum um Nördlingen und Oettingen, denn dort wurden diese Ringnummern in diesem Jahr verwendet", erklärt Vaas.

"Am Freitagmorgen sah man die große Gruppe verteilt auf zwei Wiesen zwischen der Deponie und Killingen, großteils nach Nahrung suchend und teilweise auch ruhend, bis sie gegen 10.30 Uhr, wie auf Kommando, schlagartig alle aufflogen und sich bei guter Thermik hoch in den Himmel schraubten, bis sie nicht mehr zu sehen waren."

Am Freitagabend seien wieder mindestens 77 Weißstörche auf der Deponie unterwegs gewesen.

Am Samstagabend hatte sich die Gruppe laut Vaas in etwa halbiert. Eine Hälfte sei wohl schon weitergezogen. Das kann sich jedoch täglich wieder ändern, denn die Jungstörche sammeln sich jetzt in teilweise sehr großen Gruppen, wie Vaas weiter sagt. "Die Schwabsberger Jungstörche werden in wenigen Tagen folgen. Der Familienverband hat sich noch nicht aufgelöst und sie sind noch jeden Abend im Nest zu finden", erklärt der Storchenbeauftragte.

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