Weiter wachsam sein und Sinne schärfen

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Oberbürgermeister Michael Dambacher hielt am jüdischen Friedhof die Gedenkansprache.
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Gedenkfeier am jüdischen Friedhof mit mahnenden Appellen.

Ellwangen. Am jüdischen Friedhof an der Dalkinger Straße wurde am Volkstrauertag der Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus gedacht. Das Friedensforum erinnerte an den Hessentaler Todesmarsch und die Qualen und brutalen Misshandlungen, die die Häftlinge dort erleiden mussten. Oberbürgermeister Michael Dambacher hielt die Gedenkansprache.

Josef Baumann vom Friedensforum hieß die zahlreichen Gäste am jüdischen Friedhof willkommen. Er erklärte: „Die vielen KZ-Häftlinge des Hessentaler Todesmarsches, die zu Tode kamen, wurden verscharrt und vergessen. Dem stemmt sich die antifaschistische Erinnerungskultur entgegen.“

Oberbürgermeister Michael Dambacher sagte: „Erinnerung kann nicht verordnet werden. Aber die damaligen Geschehnisse dürfen nicht aus unserem Gedächtnis verschwinden. Das kann sich unser Land nicht erlauben.“ Man müsse weiterhin wachsam sein und die Sinne schärfen für sich anbahnende Konflikte.

„Der Volkstrauertag soll auch an die Entrechteten, die Gequälten und Verfolgten, die Zwangsarbeiter, die Homosexuellen und Behinderten erinnern. Wir müssen die Gefahren des Antisemitismus sehr ernst nehmen und gemeinsam Verantwortung übernehmen in der Gegenwart.“

Volker Lauster-Schulz und Peter Maile vom Friedensforum sowie Josef Baumann skizzierten drei Zeitzeugenberichte. Alois Mangold aus Rotenbach wurde im April 1945 zum Errichten von Verteidigungssperren nach Neunheim abkommandiert. Er sah ein Ochsengespann mit Leiterwagen kommen, auf dem die Häftlinge zusammengepfercht waren und qualvoll jammerten. Es fielen vereinzelt Schüsse auf die Gefangenen.

Beim Landwirt Alois Reeb aus Neunheim legte zu dieser Zeit ein Häftlingstransport mit hunderten von Menschen einen Stopp ein, die sich kaum noch aufrecht halten konnten. Auf seinem Hof erhielten sie Essen. In dessen Verlauf kam es zu Schlägereien und manche der Häftlinge wurden von SS-Männern einfach tot gestoßen.

Im Anschluss an die Redebeiträge wurde eine Blumenschale am Gedenkstein niedergelegt. Mit Gitarre, Gesang und jiddischen Liedern wurde die Gedenkveranstaltung von Andrea Batz musikalisch umrahmt.

Achim Klemm

Oberbürgermeister Michael Dambacher hielt am jüdischen Friedhof die Gedenkansprache.

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