Wenn das Werk im Entstehen untereinander getauscht wird

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"Tummelplatz" heißt diese Installation des Hamburger Künstlerquartetts "Moondogs II", die beim Kunstverein im Schloss Ellwangen zu sehen ist.

Der Kunstverein Ellwangen zeigt auf dem Schloss eine Ausstellung des Hamburger Künstlerquartetts "Moondog II".

Ellwangen

Durch das Getümmel" – ein solcher Titel scheint doch perfekt zu verwirren, zu durch Corona geprägten Zeiten zu passen! Was zunächst auf Chaos deutet, gerät in der Ausstellung des Hamburger Künstlerquartetts "Moondogs II", die der Ellwanger Kunstverein jetzt im Schloss eröffnet hat, in eine größere Ordnung. Dabei wird mehr als deutlich, dass zunächst verwirrend erscheinende vierfache künstlerische Individualität durchaus Verschmelzung im Gesamten erlaubt.

Die Vernissage am Sonntag musste, coronabedingt, in quasi abgespeckter Variante erfolgen. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Roland Hasenmüller, und Kurator Ulrich Brauchle waren dem Termin ebenso ferngeblieben wie die "Moondogs" selbst: Eine Corona-Infektion im familiären Umfeld einer beteiligten Künstlerin mahnte zur Vorsicht.

So oblag es Kuratorin Silke Schwab-Krüger, den Gästen einen ersten Einblick in die Ausstellung zu geben. "Zeichnen ist ihr verbindendes Element", erklärte sie zu den Werken der vier, die sich beim Studium in Hamburg kennenlernten und dort auch gemeinsam arbeiten. Der Weg aufs hiesige Schloss fand sich aufgrund der Tatsache, dass Gosia Machon in Adelmannsfelden und Ellwangen aufgewachsen ist.

Wie sehr diese Künstlerin mit den anderen dreien kreativ verbunden ist, wird in der Installation "Tummelplatz" im Marschallsaal wohl am deutlichsten: Unzählige Zeichnungen hängen in dem höhlenartigen Pavillon, den Dragan Prgomelja konstruiert hat. Das Interessante dabei: Was jetzt hier zu sehen ist, entstand in zwei Sitzungen eines Schaffensprozesses, bei dem die "Moondogs" ihre Werke im Entstehen untereinander tauschten.

Gemeinsam arrangiert haben die vier auch ihre Arbeiten im ersten Raum, um sich dann getrennt auf weitere Räumlichkeiten zu verteilen. Die Farben Schwarz, Blau und Ocker dominieren viele Arbeiten der gebürtigen Kanadierin Sylvie Ringer. Besondere Wirkung entsteht durch den Dialog der Bilder an den Wänden mit der Bodeninstallation, die vorwiegend aus angekohltem schwarzen Holz besteht. Darin eingearbeitet finden sich kleine Zeichnungen und Malereien. Wer genau darauf achtet, kann sogar noch schwachen Brandgeruch wahrnehmen, wurde doch das Holz erst vor Kurzem in Ellwangen gesammelt und abgefackelt. "Das hat was Uraltes, Menschliches", meint Ulrich Brauchle dazu. Überhaupt sei die archtetypische Formensprache ein verbindendes Element im Schaffen des Hamburger Quartetts.

Sie haben eine archetypische Formensprache.

Ulrich Brauchle Kurator

Viele feine, teils filigrane Zeichnungen in Bleistift und Tusche beherrschen die Arbeit von Anton Engel, der sich mit Situationen der Erschöpfung befasst. Dragan Prgomelja stellt mit "Templet" 80 Dia-Positiv-Collagen vor – feine Ritzen darin zaubern ein besonderes Erscheinungsbild und lassen viel Raum für Interpretation. Die farbenfrohen Bilder von Gosia Machon mit ihren eigenwilligen Figuren in Öl oder Tusche runden die Gesamtpräsentation ab.

Das Vorbereiten der Ausstellung habe den Kunstverein gefordert, sagt Ulrich Brauchle: "Das ist eine Wahnsinnsarbeit, die da drinsteckt!". Laufen soll sie noch bis mindestens Anfang Dezember. Eine Führung und ein Künstlergespräch dazu sind am Sonntag, 8. November, um 11 Uhr vorgesehen.

Charlotte Braig

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