Wer Ellwangen den ersten Stadtpark bescherte

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Die Karte vom Stadtpark im Rotenbacher Wäldle, die Alois Paradeis 1908 gezeichnet hat.
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Der Verschönerungsverein setzte von 1866 bis 1919 zahlreiche gestalterische Akzente. Manches erinnert an die Landesgartenschau.

Ellwangen

Stadtarchivar Christoph Remmele sprach kürzlich über den Verschönerungsverein, der in Ellwangen von 1866 bis 1919 gestalterisch wirkte, heute jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Dabei sind viele Anlagen von damals bis heute erhalten, wie beispielsweise der kleine Platz mit der "König Karl Jubiläumseiche" an der alten Steige. Der Baum wurde 1890 als Ersatz für den eingegangenen Vorgängerbaum gepflanzt.

Die Verschönerungsvereine schossen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie Pilze aus dem Boden. es gab sie in Stuttgart, in Crailsheim, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd und vielen weiteren Städten und Remmele erklärt die Bewegung mit den sozialen Umbrüchen der Industrialisierung in Europa.

Auch in Ellwangen rauchten die Schlote, obwohl keine Stahlwerke betrieben wurden. Es waren die der Lokomotiven, denn 1866 wurde die obere Jagstbahn von Goldshöfe nach Crailsheim in Betrieb genommen. Dem Bau der Schienenstrecke musste die historische Stadtmauer weichen und der Blick wurde frei auf Häuser, die teilweise ein eher ärmliches Bild abgaben. "Verschönerung wo und wie auch immer möglich" war das Ziel des neuen Vereins, dem sich im ersten Jahr fast 100 Bürger anschlossen, die meisten waren Beamte und Akademiker, einige wenige Handwerker. Arbeiter und Landwirte waren nicht darunter. Mitglieder waren auch Männer aus der jüdischen Gemeinde wie der Buchhändler Moritz Hess und die Gebrüder Neuburger.

Mit den 450 Mark, die dem Verein durchschnittlich pro Jahr aus Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen der Stadt und der Oberamtspflege zur Verfügung standen, wurde erstaunlich viel geschaffen: Parkbänke wurden am Schönen Graben aufgestellt, die alte Eiche an der Eichkapelle wurde gepflegt, 1870 pflanzte man auf der Rinderburg 2200 Bäume. Man legte Spazierwege an und als 1875 die Neunheimer Steige mit der "Haarnadelkurve" angelegt wurde, weil die alte Steige für Fuhrwerke sehr steil und mühsam zu befahren war, schuf der Verein in der Spitzkehre einen kleinen Park, der sogar 100 Jahre später auf alten Luftbildern noch erkennbar war.

1878 kaufte der Verein das 2400 Quadratmeter große Grundstück um die "Herrgottsruhe" und pflanzte dort auch Kirschbäume. Die Kapelle musste 1935 dem Bau des Z-Baus der Kaserne weichen. 1888, zum Tod Kaisers Wilhelm I. wurde dort die "Kaisereiche" gepflanzt.

1883 stellte der Verschönerungsverein ganz oben am Galgenberg einen 10 Meter hohen Aussichtsturm auf. Das Bauwerk aus Holz war jedoch bald marode und wurde 1907 abgerissen.

1891 kaufte der Verein den Hopfengarten von Xaver Veit am Kugelberg und legte dort eine Art Park an. Maßgeblich beteiligt an der Gestaltung war der Zeichenlehrer am Pennal, Professor August Benz. Als die Kosten am Jahresende mit 500 Mark fast dreimal so hoch waren, wie geplant, weil Benz das auf mehrere Jahre ausgelegte Projekt in zwölf Monaten umsetzte, kam es fast zum Eklat. Julius Zimmerle gewährte dem Verein ein Darlehen, das noch lange abgestottert wurde. Erst als Benz 1907 gestorben war, bekam die Anlage die Bezeichnung "Benzenruhe" unter der sie noch heute bekannt ist.

Das Hauptwerk des Vereins war jedoch der Stadtpark, der ab 1886 im Rotenbacher Wäldchen entstand, stellt Remmele fest. Er sieht August Benz als treibende Kraft hinter dieser städtischen Anlage, die ab 1904/05 auch offiziell als "Stadtpark" bezeichnet wird. Unter anderem gibt es dort einen Tennisplatz, Spielort des neugegründeten 2. Ellwanger Tennisclubs. Der erste, der TSV, nahm damals keine Mitglieder mehr auf. Im RotenbacherWäldle wurden Wege angelegt, exotische Bäume gepflanzt und Sitzbänke geschaffen. Ein Plan des Vorsitzenden Alois Paradeis von 1908 ist noch erhalten.

Die Weiheranlagen am Schützenhaus, die Pappelallee an der Jagstbrücke, der Eselsbrunnen und ein Aussichtsplatz am Schlosshang über dem Lumpenbuck sind weitere Projekte des Verschönerungsvereins. Als 1914 der Krieg ausbrach, war es vorbei mit den Aktivitäten. Erst 1926 erlebte der Verschönerungsverein als "Verkehrsverein" eine Art Wiedergeburt, nun mit dem Ziel, den Tourismus anzukurbeln, weshalb der Verein bald "Fremdenverkehrsverein" hieß.

Die König-Karl-Jubiläumseiche an der alten Steige: Der Baum wurde 1900 vom Stadtverschönerungsverein gepflanzt und dazu ein kleiner Platz mit Sitzbank angelegt.

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