Wie Combonis nach Ellwangen kamen

  • Weitere
    schließen
+
Isidor Stang
  • schließen

Vor 100 Jahren zogen die ersten Comboni-Missionare in die ehemalige Mühle in Schleifhäusle ein und errichteten das Seminar St. Josef.

Ellwangen-Schleifhäusle

Es war Lichtmess 1921, der 2. Februar, als die Bewohner ihr neues Haus bezogen: Pater Isidor Stang als Oberer, Pater Ettl als Präfekt, Bruder Friedel als Gebieter über den Stall und Bruder Kronsteiner für sonstige Aufgaben. Die Comboni-Missionare nennen sich damals noch "Söhne des Heiligsten Herzens Jesu" und sie werden misstrauisch beäugt von den Bewohnern Schleifhäusles, das zu Schrezheim gehört.

Stang war mehrere Jahre in Schilluk (Sudan) Missionar. Im ersten Weltkrieg geriet er mit anderen Patres in britische Gefangenschaft, wurde in Sidi Bischr (Ägypten) gefangen gehalten und durfte nicht mehr nach Zentralafrika zurück.

Als 1919 das "Jesuitengesetz" aufgehoben wird, das jahrzehntelang im Königreich Württemberg die Gründung von Ordenshäusern verboten hatte, fasst Stang den Plan, für den Comboni-Orden ein erstes Missionshaus in Deutschland aufzubauen.

Seine Anfrage richtet er an verschiedene Diözesen in Süddeutschland und erntete Absagen in Augsburg, München, Regensburg, Eichstätt und Bamberg. Sie fürchteten Konkurrenz vor allem beim Werben um Priesterberufe. Nur aus Rottenburg bekam er eine Zusage. Nach längerem Suchen wurde Stang auf die stillgelegte Schleifmühle aufmerksam, die zur Schrezheimer Porzellanfabrik gehört hatte.

Es ist ein mühsamer Beginn: zwei Kühe, ein Schwein und eine Menge heilloses Gerümpel sind die ganze Ausstattung. Vieles ist marode, am Holzwagen bricht in den ersten Tagen das Rad entzwei. Die Missionare müssen betteln, denn Geld fehlte ihnen. Dafür ist Stang mit zwei wertvollen Eigenschaften gesegnet: Humor und unbegrenztem Gottvertrauen. Und damit gelingt es ihm, die Land- und Hauswirtschaft wieder in Gang zu bringen. Zunächst einmal muss das Alte gehen: Wegen Hochwasser schwillt im April der See an, das Hauptrad der Mühle zerbricht. Daraufhin lassen die Missionare den Mühlweiher ab und legen dort einen Garten an.

Schon im ersten Jahr kommen Zöglinge und Studenten in das Missionshaus "St. Josef", das Stang nach dem heiligen der Dorfkapelle benannt hat. Von weiter her kommen einige, aber auch ein Zeller aus Schrezheim, ein Schlafsaal wird eingerichtet, ein Speisesaal. Die Gottesdienste werden in der Dorfkapelle gefeiert. Im September sind es bereits 15 Zöglinge, die Missionar werden wollen. Die ersten bestehen die Aufnahmeprüfung am Gymnasium. Sie gehen täglich zu Fuß nach Ellwangen und nach der Schule arbeiten sie im Stall, im Garten und auf dem Feld.

Abends Überschwemmung im Speisesaal.

Aus der Chronik Im Sommer 1923

Pater Stang und seine Mitpatres gehen in die Ortschaften der Umgebung, sie helfen aus, wenn Pfarrer fehlen, predigen, sammeln Spenden. Sofern sie nicht verjagt werden.

Predigtverbot in Herlikofen

Am 22. Mai 1924 ist in der Chronik vermerkt: "P. Stang darf in Herlikofen nicht predigen, aber in Waldstetten." Zwei Tage später heißt es: "P. Stang kommt von Mergentheim, wo er mit zwei Bruderzöglingen in Steigerbach Kartoffeln bettelte."

Stang und die anderen halten ständig Ausschau nach Immobilien, sie wollen weitere Standorte aufbauen, der Orden hat großen Zulauf. 1923 sind bereits 40 Jungen in St. Josef.

Am 11. März 1925 steht in der Chronik: "Heute wieder zwei Angebote. Posthalter Wohlfrom. Fr. Metzger besichtigt die Objekte und P. Ettl mit einigen Patres auch." Die Posthalterei, die angesichts zunehmender Motorisierung mit Postbussen ohnehin ein Auslaufmodell ist, befindet sich in der Rotenbacher Straße in Ellwangen. Der Orden kauft das Anwesen und richtet hier das "Seminar St. Josef" ein. Das "Josefinum" wird Heimat für viele Buben aus den Dörfern der Umgebung, die so das Ellwanger Gymnasium besuchen können.

Im Jubiläumsjahr wird die SchwäPo die Entwicklung der Comboni-Missionare in Ellwangen nachzeichnen. Im nächsten Text geht es um die Schikanen während der NS-Diktatur.

Die ehemalige Schleifmühle gehörte einst zur Schrezheimer Porzellanfabrik. Pater Isidor Stang und seine Mitbrüder kauften das Anwesen und machten daraus das "Missionshaus Josefinum".
1923 waren wohnten bereits 40 Jungen als Studenten und Zöglinge bei den Patres.
Das Missionshaus Josefstal wurde mehrfach umgebaut und erweitert, bevor 1975 der moderne Neubau kam.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

WEITERE ARTIKEL