Wie geht Jugendarbeit derzeit?

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Eine neu eingerichtete Holzwerkstatt wartet im Juze auf kleine Bastler und Handwerker.
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Im Kulturausschuss wird deutlich, was den Jugendlichen in der Pandemie am meisten fehlt, was teilweise „die Rettung“ ist und Eltern glücklich macht

Ellwangen

Welche Möglichkeiten sind dem Jugend- und Kulturzentrum geblieben, um die Kinder in der Pandemie aufzufangen? Was hat sich das Team einfallen lassen? Davon hat die stellvertretende Juze-Leiterin Margret Schreg dem Ausschuss für Kultur, Touristik, Sport und Soziales berichtet.

„Am stärksten gelitten hat bei uns der offene Bereich“, sagt Schreg. „Den mussten wir am frühesten schließen.“ Von März bis September 2020. In den Monaten danach: mal offen, mal nicht. Ein Auf und Ab. Banges Warten beim Team: Kommen sie wieder, unsere Jugendlichen? Ist das Band abgerissen oder finden sie zurück in ihr „zweites Wohnzimmer“, dem Juze?

Inzwischen werde der Besuch besser, „aber es ist noch nicht wieder so, wie es war.“ Eine sehr aktive Mädchengruppe sei komplett weggebrochen. Das Juze-Team hat die Öffnungszeiten auf Montag bis Freitag (15 bis 19 Uhr) erweitert. Alle zwei Wochen gibt’s eine Freitagslounge für alle ab 16. Als Alternative zu Party und Disco. Im Juze warten dann Grillabend oder Karaoke.

Derzeit muss die Lounge bis mindestens Weihnachten wegen der aktuell gültigen Coronaverordnung ausfallen. „Hier haben wir ein großes Einzugsgebiet.“

Das Projekt „Klimahelden“ habe sich mit vielen Online-Meetings über die bisherige Pandemie gerettet, eine Menschenkette geplant. Die Aktionen in beiden Sommerferien – egal ob Wasserski in Pfahlheim oder Bumerangbauen in Röhlingen - seien gut angenommen worden.

Ein neues Online-Anmeldeprogramm habe den Eltern die Formalitäten erleichtert. Auch andere Anbieter wie der Nabu hätten die Buchungsmöglichkeit über das Juze gerne genutzt, so Schreg. Das Programm in den Pfingstferien musste entfallen, das in den Herbstferien teilweise. Für Kinder, die zuhause nicht gefördert werden konnten, habe das Juze eine Lernoase angeboten, in der sie betreut ihre Schularbeiten erledigten.

„Darüber waren die Eltern total glücklich.“ Stark gelitten habe der Kulturbereich. Konzerte wurden abgesagt, ein Sommercafé und eine Newbies Night habe stattgefunden. „Da hat man gemerkt, dass den Jugendlichen so was absolut fehlt. Sie haben das total aufgesogen.“ Für die Kinder, die „man sonst schwer erreicht“, gebe es verschiedene Juze-Projekte an Schulen.

„Als fast nichts möglich war wegen den Kontaktbeschränkungen, haben wir Draußen-Aktionen mit den Eltern und Geschwistern unserer Kinder gemacht.“ Durch das Veranstalten im Freien sei dennoch vieles möglich gewesen. Ansonsten sei das Kontakthalten über Videokonferenzen oft „die Rettung“ gewesen.

Insgesamt habe sich das Team entschieden, den Schwerpunkt etwas mehr auf Jugendliche zu verlagern. Groß sei die Nachfrage beim Projekt „Naturentdecker unterwegs“ für Kinder ab 7. „Das ist ein guter Einstieg ins Juze. Die Kinder bleiben dann gern längerfristig, auch wenn sie aus dem Naturentdecker-Alter raus sind.“ Für die, die auch ab Klasse 5 Spaß am Draußen- und Aktivsein haben, gibt es neu das Projekt „Expedition Juze“. „Das ist Erlebnispädagogik mit mehr Action“, erläuterte Schreg.

Ebenfalls neu: eine Holzwerkstatt für Kinder und Jugendliche ab Klasse 5. Zur Zeit werden dort nachhaltige Weihnachtsgeschenke gebastelt. Wie es mit dem Team - zwei Kündigungen, eine längere Krankheit, eine Neueinstellung - weitergehe, sei noch unklar. Froh sei sie, dass geklärt sei, in welche Interimslösung das Juze 2022 ziehe: in die Kaserne. Viel Anerkennung gab's nach Schregs Bericht von OB und Ausschuss.

Herbert Hieber (SPD) betonte, wie wichtig es sei, dass das Juze in die Ortschaften gehe. Wenn die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut sei, müsse das Juze zu den Jugendlichen kommen statt umgekehrt. Fritz Widmann (CDU) war es wichtig, handwerkliche Fähigkeiten zu fördern.

Man hat gemerkt, dass den Jugendlichen sowas absolut fehlt. Sie haben das total aufgesogen.

Margret Schreg, Stellvertretende Leiterin, Juze, Ellwangen
Eine neu eingerichtete Holzwerkstatt wartet im Juze auf kleine Bastler und Handwerker.
Immer wieder musste das Juze während der Pandemie monatelang für die offenen Treffen schließen. Ein herber Verlust für die Jugendlichen.
Die kleinen Naturentdecker des Juze sind voll bei der Sache. Schnitzen, sägen, Feuermachen ohne die üblichen Hilfsmittel. Das Angebot ist sehr beliebt.
Die kleinen Naturentdecker des Juze sind voll bei der Sache. Schnitzen, sägen, Feuermachen ohne die üblichen Hilfsmittel. Das Angebot ist sehr beliebt.

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