Wie geht nachhaltiger Katastrophenschutz?

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THW-Mitglieder am Fahrzeug

Warum das THW nicht alle Geräte auf Elektro- und Akkubetrieb umstellen kann. Nachhaltigkeit bestimmt trotzdem alle Investitionen und Aktivitäten.

Ellwangen

Sturm "Lothar", Hochwasser an der Elbe, Unterbringung von Flüchtlingen 2015, COVID-19, Flut im Ahrtal, bei all diesen Ereignissen hatte das technische Hilfswerk Einsätze. Das THW ist Nothelfer und Katastrophenschützer des Bundes. Gegliedert in Ortsverbände setzt die Hilfsorganisation neben hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch auf viele Ehrenamtliche.

In Ellwangen gibt es gegenwärtig 75 aktive Helferinnen und Helfer, die vor Ort, überregional und auch im Ausland eingesetzt werden. Dann unterstützen die THW-Aktiven örtliche Teams beim Katastrophenschutz und dem Wiederaufbau, beispielsweise in Polen, Bosnien oder den USA.

Trotz aller Mühen und Verdienste weht dem Technischen Hilfswerkes aus manchen Richtungen Kritik entgegen. Querdenker wollen die Organisation diskreditieren und Klimaaktivisten werfen dem THW vor, man verursache mit den dieselbetriebenen LKWs und Maschinen in der einen Katastrophe schon die nächste.

Im Ahrtal sind Querdenker gemeinsam mit Rechtsextremisten und Neonazis darauf aus sich selbst als die großen Helfer zu inszenieren. Sie pöbeln Helfer an, sodass Mitarbeiter des THWs sogar Ihre Namensschilder abnehmen durften, um nicht persönlichen Beleidigungen ausgesetzt zu sein. Außerdem versuchen sie durch das Behindern der eigentlichen Helfer zu erreichen, dass verzweifelte Menschen sich ihnen zuwenden und das Vertrauen in die staatliche Einrichtungen verlieren. Die Verunsicherung, die dadurch in der Bevölkerung entsteht schlägt häufig auch in Ablehnung gegenüber dem THW um und hat inzwischen dazu geführt, dass E-Mails, die Fragen zur Arbeitsweise des technischen Hilfswerks enthalten, erst nach einer Verifikation beantwortet werden.

Den Vorwurf der Umweltschützer kennt auch der stellvertretende Ortsbeauftragter des THW Ellwangen, Reiner Mangold. Tatsächlich werden die allermeisten Geräte und Fahrzeuge des THW mit fossilen Brennstoffen betrieben. Allerdings habe dies auch einen wichtigen Grund: elektrische Fahrzeuge könnten in einem Krisengebiet mit zerstörter Infrastruktur und unterbrochener Stromversorgung nicht aufgeladen werden. Wichtige Maschinen und Fahrzeuge wären lahmgelegt, wenn die Akkus entladen sind. Benzin und Diesel dagegen könnten leicht transportiert und die entsprechenden Tanks schnell nachgefüllt werden. Um den Ausstoß von Abgasen wenigsten etwas zu verringern werden große Fahrzeuge mit AdBlue betrieben und bei der Anschaffung neuer kleiner Fahrzeuge schon heute meist Akkubetriebene gekauft. „Für die Zukunft sollen große Fahrzeuge mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden“, erklärt Albrecht Broemme, der Ehrenpräsident des THWs. Weiterhin sei sich das THW als Institution des Bundes seiner repräsentativen Verantwortung bewusst und plane deshalb zukünftige Geräte nach Kriterien der Nachhaltigkeit zu beschaffen. Die noch funktionierenden Geräte werden allerdings noch benutzt, um nicht mehr Abfall als nötig zu produzieren.

Auch die Gebäude des technischen Hilfswerkes sollen energiesparender werden. Mangold erklärt, dass manche Verbände bereits mit Solaranlagen ausgestattet wären, das THW in Ellwangen allerdings noch keine auf dem Dach habe. Bei Neu- und Umbauten werde dann natürlich die Energieeffizienz und die Dämmung berücksichtigt. Ellwangen ist auch hier nicht Vorreiter sondern heizt noch mit Gas und hat auch kein besonders gedämmtes Gebäude.

Klimaschutz und CO2-Einsparung sind beim THW trotzdem ein wichtiges Thema. "Wir nutzen bereits viele akkubetriebene Geräte, jedoch nur solche, bei denen das auch sinnvoll ist", sagt Mangold. Das THW Ellwangen hat beispielsweise akkubetriebene Drohnen, Säbelsägen und einiges mehr im Einsatz. Für die Zukunft ist auch hier geplant bestehende Geräte solange sie funktionieren zu verwenden und dann auf akkubetriebene Pendants umzusteigen, um nicht mehr Abfall als nötig zu erzeugen. Diese Akkus sollen dann in Zukunft nur mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden, um den CO2-Ausstoß weiter zu vermindern.

Das THW macht aber noch einiges mehr, um die Welt nachhaltiger zu machen. Die Poloshirts des THW beispielsweise sind aus Eukalyptusfasern hergestellt, verursachen bei der Herstellung weniger Wasser- und Chemikalien und sind gleichzeitig strapazierfähiger. Die THW-Jugend organisiert je nach Ortsverband Plastik-, oder wie in Ellwangen Papiersammelaktionen für mehr Nachhaltigkeit. Andere Verbände bauen auch Parkbänke mit Solarpanels, um Strom zu generieren, oder pflanzen Bäume. Auch Erwachsenenverbände engagieren für mehr Nachhaltigkeit, speziell bei Entwicklungshilfe mit Fokus auf den Aufbau eines örtlichen Katastrophenschutzes. In Tunesien zum Beispiel bildet es die Ortskräfte aus und baut mit ihnen Wasseraufbereitungsanlagen. Interessanterweise hat der tunesische Katastrophenschutz einen höheren Frauenanteil als der Deutsche.

Abschließend lässt sich feststellen, dass man beim technischen Hilfswerk ständig prüft, ob Maschinen und Geräte mit den Anforderungen des Klimaschutzes noch vereinbar sind. Man ist sich hier seiner Verantwortung durchaus bewusst, will aber nicht in blinden Aktionismus verfallen und dabei Gefahr laufen, dem eigentlichen Zweck nicht mehr nachkommen zu können: nämlich im Katastrophenfall zu helfen.

"Wir nutzen bereits viele akkubetriebene Geräte, jedoch nur solche, bei denen das auch sinnvoll ist."

Reiner Mangold, THW-Ortsbeauftragter
  • Info
  • Dieser Artikel entstand als Beitrag zum Journalismuswettbwerb der young leaders GmbH und basiert auf einem Impulsvortrag des Ehrenpräsidenten des THW Albrecht Broemme.
THW-Mitglieder erklären beim "Blaulichttag" am Marktplatz ihre Aufgaben und Ausrüstung.

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