Wie globale Fonds die Welt retten sollen

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Wolfgang Kessler sprach im Speratushaus über Zusammenhänge von Reichtum, globaler Armut und Umweltzerstörung und zeigte Wege auf für eine Wende zu sozialerer und gerechterer Wirtschaft.
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Im Rahmen der Friedensdekade sprach der Wirtschaftsjournalist Dr. Wolfgang Kessler im Speratushaus in Ellwangen über Wege aus dem Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum.

Ellwangen Coronabedingt war das Speratushaus am Montag extrem locker bestuhlt. Wolfgang Kuhn von der katholischen Erwachsenenbildung freute sich trotzdem, dass rund 50 Besucherinnen und Besucher den Vortrag des Wirtschaftsjournalisten Dr. Wolfgang Kessler hören konnten. Der ehemalige Chefredakteur von Publik Forum, Ökonom und Buchautor sprach im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade über die tiefen Risse, die das Coronavirus in die neoliberale Denkweise gerissen hat. "Das Virus entlarvte Halbwahrheiten", sagte er, zum Beispiel die, dass der Wohlstand aller wachse, wenn nur jeder seinem Egoismus folgt. Oder dass der freie Markt effektiver sei als eine staatliche kontrollierte Wirtschaft. In der Pandemie sei der Sozialstaat plötzlich zum Retter der freien Wirtschaft geworden, während die negativen Folgen der Privatisierung, etwa im Gesundheitssektor offen zutage traten.

"Diese Wirtschaft tötet", ein Zitat von Papst Franziskus, hatte Kessler seinen Vortrag überschrieben. Die immer größer werdende Anhäufung von Kapital in den Händen weniger, die wachsende soziale Ungleichheit, sieht Kessler als klare Folge des Kapitalismus mit dem Diktat des ewigen Wachstums. Er zeigte Möglichkeiten auf, wie man Weichen zu einer gerechteren Verteilung des Kapitals und mehr sozialer Gerechtigkeit stellen könnte. "Wir brauchen eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft", lautete ein Kernsatz. Die Stärkung der Regionen und fairer Handel seien Voraussetzung für eine ökologische Verkehrswende. Lagerhaltung statt Just in time-Lieferung, ein Schuldenerlass für Länder, die in Bildung und Gesundheitssysteme investieren, Zollfreiheit für Produkte, die fair und ökologisch verantwortungsvoll produziert werden und Schranken für die, die soziale und ökologische Standards nicht einhalten.

Kessler beschwor den Geist der jungen Dichterin Amanda Gorman, der auf einen Wertewandel setzt und die Zeit sei dafür günstig, weil Krisen das Denken der Menschen verändern. Es sei jedoch die Politik, die wichtige wirtschaftliche Stellschrauben verändern müsse. "Es ist zu viel Kapital in der Welt, das nicht investiert wird", sagte Kessler. Sein Vorschlag: globale Fonds, die von Staaten abgesichert werden, sollten dieses Kapital aufnehmen und so investieren, dass es ökologisch und sozial verantwortlich wirkt, beispielsweise in erneuerbaren Energien. Außerdem sei eine Finanztransaktionssteuer erforderlich, um den Börsenhandel in Hochfrequenz zu bremsen. Gerhard Königer

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