Wie kann die Stadt das alles packen?

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Archivfoto: new

Der neue Ellwanger Stadtkämmerer gibt sich optimistisch, dass die Stadt auf ihr Schuldenpaket auch noch eine Landesgartenschau satteln kann. Es gibt jedoch viele Wenn und Aber.

Ellwangen

Mit Optimismus blickt der neue Ellwanger Stadtkämmerer Joachim Koch auf die finanzielle Zukunft der Stadt Ellwangen – sieht dabei allerdings auch die möglichen Gefahren. Was, wenn zu den bisher schon geplanten Investitionen auch noch die Kosten für eine Landesgartenschau kommen und zugleich die konjunkturelle Lage kippt?

Anlass für die Betrachtungen war ein Pressegespräch, zu dem Koch anlässlich seines 100. Arbeitstages als Ellwanger Kämmerer eingeladen hatte. In dieser Zeit hat er sich "einen Überblick verschafft" und auch "die örtlichen Gegebenheiten" erkundet: "Ich bin in Ellwangen angekommen", freut sich der 46-Jährige, der eine solide Beamtenlaufbahn seit 1988 vorweisen kann.

"Ich bin ein politischer Kämmerer": Diesen Satz wiederholt Koch mehrmals, und das sucht er durch eine kritische Betrachtung der finanziellen Zukunft Ellwangens zu untermauern – auch wenn er davon ausgeht, dass auf die enormen Investitionen, die Ellwangen in den nächsten Jahren stemmen muss, eine Landesgartenschau mit – vorläufig grob geschätzt – 30 Millionen Euro Kosten auch noch draufgepackt werden kann.

Den Optimismus bezieht Koch daraus, dass die derzeitige Finanzsituation Ellwangens "solide und robust" sei. Die für Ende 2018 befürchtete Schuldenlast von rund 48 Millionen Euro wird wohl um die zehn Millionen geringer ausfallen. Koch gesteht dabei ein, dass das positive Ergebnis auch daher rührt, dass wichtige Investitionen aufs nächste Jahr verschoben wurden und die Steuereinnahmen nochmals gestiegen sind.

Koch formuliert: "Die Stadt Ellwangen ist sehr ambitioniert unterwegs. Das Investitionsprogramm würde ich mal als sehr ehrgeizig und zukunftsweisend bezeichnen". "Ellwangen fährt Vollgas", fasst er zusammen.

Ellwangen fährt Vollgas.

Joachim Koch Stadtkämmerer

Zugleich erwartet Koch Verantwortungsbewusstsein der Verantwortlichen, also des Gemeinderats. Denn: Nur ein Teil der höheren Gewerbesteuer- und Grundsteuereinnahmen verbleiben Ellwangen, ein großer Teil muss an Land und Landkreis abgeführt werden. Sicher ist auch, dass die Konjunktur nicht ewig weiter wachsen kann, sondern irgendwann einknicken wird, dazu kommen dann steigende Zinsen. Sprich: Die guten Zeiten sind irgendwann auch wieder vorbei. Und auch dann muss die Stadt noch in der Lage sein, die Zinsen und möglichst auch Tilgungsraten der Investitionen aufzubringen.

Joachim Koch verspricht, rechtzeitig den Finger warnend zu heben, vertraut aber auch auf die Kompetenz des Gemeinderats und das Argusauge des Regierungspräsidiums, das der Stadt in den Arm fallen wird, falls die über die Stränge zu schlagen droht.

Noch sei die Verschuldung Ellwangens "nicht besorgniserregend", meint Koch: Die Pro-Kopf-Verschuldung in Ellwangen liege – nur den Kämmereihaushalt betrachtet – bei etwa 900 Euro (der Landesdurchschnitt liegt bei 550 Euro, der im Landkreis bei 645 Euro). Nimmt man zum Kämmereihaushalt auch noch die Schulden der Eigenbetriebe hinzu (Bauhof und Stadtwerke), sind es 1935 Euro pro Ellwanger Nase (landesweit 1175 Euro, im Kreis 1095 Euro).

Laut mittelfristiger Finanzplanung der Stadt könnte der Schuldenstand zum Jahresende 2021 – das ist nicht mehr lange hin – bei etwa 56 Millionen Euro liegen. Wie (un)realistisch das sein kann, zeigen die aktuellen Steigerungen bei der Gewerbesteuer, die heuer 6,5 Millionen Euro höher als erwartet ausfällt. Der Trend kann sich aber natürlich auch umkehren.

Und da obenauf noch die vorsichtig geschätzt 30 Millionen Euro für eine Landesgartenschau? Koch räumt ein, dass für weitere große Investitionen dann auf gar keinen Fall mehr Raum ist. Neue Stadthalle ade. Und wenn die Konjunktur schlappmacht, wird man bei den Investitionen "Prioritäten setzen" müssen, sagt Koch. Sprich: Dann wird doch gestrichen.

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