Wie man für das Leben lernt

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Pilotprojekt Alltagswissen an der Mittelhofschule: einer von vielen Workshops, hier zum Thema Ernährung, wo die Schülerinnen und Schüler erfuhren, was der Stempel auf dem Ei bedeutet.
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In einem Pilotprojekt des Bildungsbüro Ostalb wird an der Mittelhofschule Alltagswissen an Acht- und Neuntklässler vermittelt.

Ellwangen

Wie kann man die letzte Schulwoche vor den Sommerferien sinnvoll nutzen, wichtiges Alltagswissen vermitteln ohne Leistungsdruck aber mit einem großen Nutzwert für die Schülerinnen und Schüler? Dieser Frage ging man im Bildungsbüro Ostalb nach. Auslöser war der Spruch einer Abschlussschülerin, der vor einigen Jahren in sozialen Medien Wellen schlug: „Ich bin fast 18, habe keine Ahnung von Steuer, Miete und Versicherung. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben.“

Entstanden ist ein Pilotprojekt, das zusammen mit der Mittelhofschule erarbeitet und dort in der letzten Ferienwoche umgesetzt wurde.

Diese Tage, in denen alle Arbeiten geschrieben sind, die Motivation gering ist und vielfach nur Filme angeschaut werden, wenn man nicht mit dem Lehrer Eis essen geht, gerade die wurden in diesem Jahr ganz anders genutzt.

Das Projekt „Alltagsbildung an Schulen“ skizziert Hermine Nowottnick, Sachgebietsleiterin Bildungsbüro im Landratsamt Aalen, so: 12 Workshops für zwei Klassenstufen, 80 bis 90 Schülerinnen und Schüler, verteilt auf vier Schultage, acht Ausbildungsbotschafter und externe Referenten, ein hoher Praxisanteil und Besuche externer Einrichtungen.

Aus dem Kollegium der Mittelhofschule waren Konstantine Kloker und Ariane Grimm für die Umsetzung des Projekts zuständig. Sie erstellten den Zeitplan und sprachen mit den Referenten die Inhalte ab. Beim Ernährungsworkshop des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft und Ernährung am Landratsamt waren in einem Klassenzimmer Lernstationen zu Lebensmitteln aufgebaut. Spielerisch wurden Antworten vermittelt auf Fragen wie „Wie sieht welches Getreide aus? Was bedeutet der Stempel auf dem Ei? Woher kommen die Milchprodukte? Was ist regional, was kommt aus dem Ausland?“

Nicht jeder Workshop war für jeden und jede gleich interessant. Maximilian Hochstatter (15) gefielen besonders die Einblicke in Berufsfelder, etwa beim Workshop „Umwelt und Energie“, zu dem ein Mitarbeiter der EnBW-ODR an die Schule kam. Danach besuchte man die Metallfachklassen im Berufsschulzentrum. Ein Mitarbeiter der VR-Bank sprach über Finanzen und Versicherungen, ein Polizeibeamter über Social Media.

Görkan Yildiz (17) gefiel der Knigge-Kurs, auch wie man Kleidung für verschiedene Waschgänge sortiert, fand er interessant. Besonders begeistert war er von dem Erzieher, der seinen Beruf vorstellte. Neu war für ihn der Umgang mit Nadel und Faden, als er lernen sollte, wie man einen Knopf annäht.

„Natürlich ist nicht jeder Workshop für jeden und jede gleich interessant“, meinte Konstantine Kloker. „Uns war Abwechslung wichtig, die Möglichkeit zur Gruppenarbeit und der Wissensgewinn für die Schülerinnen und Schüler.“ Das Aufbrechen der Klassenstruktur, das Aufsuchen schulferner Lernorte, Praxisübungen, das alles waren wichtige Elemente, vor allem für die sozialen Bedürfnisse. Ariane Grimm: „Dieses Projekt passte gerade jetzt sehr gut, nachdem die Jugendlichen sich im Homeschooling monatelang nicht treffen konnten.“

Die Bilanz von Harald Rathgeb, Rektor der Mittelhofschule, fällt rundum positiv aus: „Der Aufwand war schon groß, gerade in den letzten Schultagen ist ja auch viel Organisatorisches zu leisten. Doch die Schülerinnen und Schüler haben nur gewonnen, sie hatten täglich viele Begegnungen mit der Wirklichkeit, mit dem, was den Lebensalltag nach der Schule ausmacht.“

Info: Das Bildungsbüro wird allen Schulen im Landkreis das Konzept anbieten und die Kontakte vermitteln. Die Umsetzung soll jede Schule nach eigenen Bedürfnissen frei gestalten können.

Die Schülerinnen und Schüler hatten täglich viele Begegnungen mit der Wirklichkeit, mit dem, was den Lebensalltag nach der Schule ausmacht.“

Harald Rathgeb, Rektor der Mittelhofschule

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