Wie man Medienkompetenz von Jugendlichen stärken kann

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Thomas Rathgeb, Leiter der Abteilung Medienkompetenz, Jugendschutz und Forschung an der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) stellte die JIM-Studie vor, in der die Mediennutzung von Jugendlichen untersucht wird.
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Der Serviceclub SI Ellwangen stellt das Projekt BeOn vor, um Erwachsene für die Gefahren zu sensibilisieren, die Kindern und Jugendlichen aus dem Internet drohen.

Ellwangen

Die 90 Stühle im Vortragssaal des Palais Adelmann reichten nicht aus, es mussten weitere herbeigeschleppt werden und dennoch hatten nicht alle Zuhörerinnen und Zuhörer Sitzplätze. Klarer Beweis dafür, dass die Soroptimistinnen mit dem Thema des Abends einen Nerv trafen: Was macht das Internet mit unseren Kindern? Wie viel Bildschirmzeit ist noch vertretbar? Welche Apps sind harmlos, welche nicht? Wie kann ich verhindern, dass mein Kind beim Surfen mit Pornografie, Gewaltverherrlichung oder politischem Extremismus konfrontiert wird? Solche und andere Fragen waren es, die viele Eltern an diesem Abend bewegten.

Den Auslöser für das Projekt "BeOn" gab 2019 die JIM-Studie der Landesanstalt für Kommunikation, in der die Mediennutzung von Jugendlichen untersucht wird, teilte SI-Präsidentin Christina Faber mit. Darin gaben schon 12-Jährige an, im Internet regelmäßig mit Hassbotschaften und sexualisierter Gewalt konfrontiert zu werden. Es reifte die Erkenntnis, dass im Bildungsplan der Schulen zu wenig enthalten ist, um die Kinder und Jugendlichen vor den negativen Einflüssen der Internetnutzung zu schützen. Das Projekt soll zumindest an den Ellwanger Schulen eine Lücke füllen und den Schülerinnen und Schülern eine bessere Medienkompetenz vermitteln.

Die aktuelle JIM-Studie von 2021 stellte Thomas Rathgeb vor, Leiter der Abteilung Medienkompetenz, Jugendschutz und Forschung an der Landesanstalt für Kommunikation (LFK). 12- bis 19-Jährige werden darin per Telefon und Internet zu ihrem Umgang mit Medien und Internet und ihren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mediennutzung insbesondere im Internet zunimmt. Die tägliche Bildschirmzeit wächst und liegt mittlerweile bei 241 Minuten. Am meisten genutzt werden Portale wie WhatsApp, YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat, die nur Transporteure für Inhalte sind. "Was die Jugendlichen tatsächlich zu sehen bekommen, bestimmen sie nicht selbst, sondern ein Algorithmus", machte Rathgeb auf die Manipulationsgefahr aufmerksam, die vom Internet ausgeht.

Sein Rat: die Eltern sollten den Kindern nicht freien Zugang gewähren, sondern "Leitplanken setzen", was die Bildschirmdauer und die Inhalte angeht. Eltern sollten die Einstellungen zum Jugendschutz aktivieren, die fast alle Apps mittlerweile bieten, und mit den Kindern über die Inhalte und über die Gefahren sprechen.

Der Medienpädagoge Clemens Beisel berichtete aus den ersten Erfahrungen mit dem Projekt BeOn und machte deutlich, wie wenig selbst Erwachsene über die Wirkweise der digitalen Medien wissen. Der "Casino-Effekt", der die Sucht nach dem Smartphone befeuert, oder der "Sägeblatteffekt", der die zurückgehende Konzentrationsfähigkeit durch ständige Smartphone-Unterbrechungen beschreibt öffneten viele die Augen, auch für die eigene Mediennutzung.

Andreas Friedrich von der Schulsozialarbeit Ellwangen berichtete vom Workshop für die Medienmentoren: Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen werden als Ansprechpartner für Mediennutzung ausgebildet, die gleichaltrigen auf Augenhöhe helfen können, wen sie mit Hate-Speech oder Mobbing auf WhatsApp konfrontiert werden.

Die Stadt Ellwangen unterstützt das Projekt BeOn, OB Michael Dambacher freute sich über das große Interesse und die Jugendbeauftragte Nicole Bühler dankte den SI-Schwestern für ihre Initiative.

Info: Das Projekt BeOn kostet 15 000 Euro pro Jahr und wird über Spenden finanziert. Die Informationen für Eltern, die Clemens Beisel in Kurzvideos im Netz präsentiert, sind unter www.clemenshilft.de abrufbar.

Thomas Rathgeb, Leiter der Abteilung Medienkompetenz, Jugendschutz und Forschung an der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) stellte die JIM-Studie vor, in der die Mediennutzung von Jugendlichen untersucht wird.

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