Wie man schnell an ausländische Fachkräfte kommt

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Ichraf Timoumi (29) hat in Tunesien den Beruf der Hebamme gelernt. Jetzt arbeitet sie an der St.-Anna-Virngrundklinik.
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Durch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz kann das städtische Ausländeramt für Firmen die Bürokratie abwickeln.

Ellwangen

Innerhalb von zwei Monaten hat die Tunesierin Ichraf Timoumi alle bürokratischen Hürden überwunden, um in Deutschland ihrem Beruf nachgehen zu können. Sie ist Hebamme und arbeitet nun in der Geburtsstation der St.-Anna-Virngrundklinik. Die Vermittlung von Arbeitserlaubnis, Aufenthaltstitel und Anerkennung der tunesischen Zeugnisse hatte sie bereits in Afrika in die Wege geleitet, der Rest lief über das städtische Ausländeramt. Voraussetzung war das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das seit März 2020 gilt.

Dank dieses Gesetzes können Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten deutlich schneller in Deutschland eine Arbeit aufnehmen. Bürgermeister Volker Grab, Amtsleiter Jürgen Schäfer und der Interims-Pflegedienstleiter der Ellwanger Klinik, Bernd Ziegler, erklärten die Hintergründe.

Die St.-Anna-Virngrundklinik sucht händeringend nach Hebammen, pro Jahr werden auf der Station 400 bis 500 Kinder entbunden. Doch in ganz Deutschland fehlen diese Fachkräfte. „Ich würde sogar sagen, der ganze europäische Arbeitsmarkt ist in Sachen Gesundheits- und Pflegeberufe abgegrast“, sagt Bernd Ziegler, der entsprechend glücklich war, als sich die 29-Jährige aus Tunesien um eine Stelle in Ellwangen bewarb.

Was Ziegler auch wusste: Um die junge Frau tatsächlich einstellen zu können, ist ein bürokratischer Marathon nötig. Ein bis eineinhalb Jahre dauert es, bis etwa Fachkräfte aus dem Kosovo hier arbeiten dürfen, wissen viele Unternehmer aus eigener Erfahrung.

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz haben sich jedoch entscheidende Voraussetzungen geändert. „Für die einmalige Bearbeitungsgebühr von 411 Euro erledigt unser Ausländeramt die Formalitäten“, stellt Bürgermeister Volker Grab fest. Die Unternehmen mit Mangelberufen haben damit einen Ansprechpartner vor Ort und müssen sich nicht zu Konsulaten und Bundesbehörden durchtelefonieren.

Ichraf Timoumi hatte bereits wertvolle Vorarbeit geleistet und die tunesischen Zeugnisse und Diplome ins Deutsche übersetzen lassen und dem Regierungspräsidium zur Anerkennung vorgelegt. Dort hat man zwei Monate Zeit, um die Zulassung als Fachkraft zu bescheinigen oder mit einer Defizitliste eine Anerkennungszeit vorzugeben, binnen der die Bewerberin die Zulassung zur Fachkraft erwerben kann. Weitere Bedingung ist das Sprachniveau B2. Der Arbeitsvertrag ist Voraussetzung für die Arbeitsgenehmigung durch die Arbeitsagentur. Wenn die vorliegt, gibt es auch das Visum, das den Fachkräften durch die jeweilige deutsche Botschaft ausgehändigt wird. „Das ist vergleichbar mit der us-amerikanischen Greencard“, sagt Grab.

Ichraf Timoumi ist glücklich über ihre neue Stelle, sie wohnt im Wohnheim der Klinik, lernt im Anerkennungsverfahren das deutsche Gesundheitssystem kennen und wird von den Kolleginnen eingearbeitet.

Jürgen Schäfer und sein Team haben außer ihr einen marokkanischen Azubi zum Stahlbetonbauer vermittelt und Anlagenmechaniker Sanitär aus dem Kosovo.

„Wir brauchen dringend diese Instrumente, die den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern“, sagt Volker Grab.

Für 411 Euro erledigen wir die Formalitäten.“

Volker Grab, Bürgermeister von Ellwangen

Wie das beschleunigte Fachkräfteverfahren abläuft

1. Fachkraft sendet deutschem Arbeitgeber Dokumente und Vollmacht für Verfahren.

2. Arbeitgeber trifft Vereinbarung mit der Ausländerbehörde.

3. Regierungspräsidium prüft die ausländischen Abschlüsse.

4. Arbeitsgenehmigung der Agentur für Arbeit.

5. Fachkraft bekommt Visum in der Botschaft und kann einreisen.

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