Wie Varta in die Höhe wachsen soll

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Das Varta-Gelände von Westen: zwei Gebäude ragen bereits aus dem Betriebsgelände hervor: das neue Hochregallager (r.) und ein Produktionsgebäude.
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Ein Bebauungsplan soll die Bauentwicklung auf dem Betriebsgelände der Varta regeln. Die Wahrzeichen der Stadt sollen noch sichtbar bleiben.

Ellwangen

Am Mittwoch tagt der Bauausschuss des Gemeinderats per Onlinesitzung. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Entwurf des Bebauungsplans „Daimlerstraße West“, der die Bauentwicklung auf dem Betriebsgelände der Varta AG regelt.

Das Unternehmen will die Produktion am Standort Ellwangen ausdehnen und plant dazu beiderseits der Bahnlinie in die Höhe zu bauen. Wie hoch, das soll in dem Bebauungsplan geregelt werden, der nach Paragraf 30,3 Baugesetzbuch nach einem vereinfachten Verfahren aufgestellt wird.

Sicht auf Wahrzeichen bleibt

Die Höhenbegrenzung orientiert sich an den Sichtachsen auf die Ellwanger Wahrzeichen Schloss und Schönenbergkirche, die aus Westen und Norden weiterhin zu sehen sein sollen. Die bereits errichteten Hochbauten, das Hochregallager (31 Meter) und das dreistöckige Betriebsgebäude (25,5 Meter) sind bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange. So viel wird aus der Sitzungsvorlage deutlich. 

Konkrete Bauabsichten gibt es momentan laut der Sitzungsvorlage für drei Gebäude. Das Unternehmen hat schon vor zwei Wochen seine Erweiterungspläne öffentlich gemacht, allerdings wurden keine konkreten Aussagen zu den geplanten Gebäudehöhen gemacht.

Aus der Sitzungsvorlage wird nun deutlich: Am südlichen Rand des Geländes soll das neue Verwaltungsgebäude mit sieben Stockwerken (plus zwei Untergeschosse) entstehen, 37 Meter hoch. 468 Meter über 0 ist hier die Baugrenze. Zum Vergleich: Das Hochregallager reicht bis auf 460 Meter Höhe. Das neue Verwaltungsgebäude darf also noch einmal acht Meter höher werden.

Westlich der Bahnlinie, wo bislang keine Bebauung ist, sondern nur der ebenerdige Varta-Parkplatz, soll ein mehrstöckiges Parkhaus entstehen, bis zu 25 Meter hoch. Und im Norden lässt der Bebauungsplan die höchsten Gebäude zu: bis zu 41 Meter hoch darf hier ein sechsgeschossiges Betriebsgebäude in den Himmel wachsen.

Die höchsten Gebäude der Stadt

Auf dem Varta-Gelände werden damit die wohl auf absehbare Zeit höchsten Gebäude der Stadt entstehen. Weil das Gelände in der Talaue liegt, hält man die Bauhöhen bei der Stadtverwaltung für vertretbar.

Die Sichtachsen auf Schönenbergkirche und Schloss werden durch die Neubauten nicht verstellt. Darauf wird in der Sitzungsvorlage Wert gelegt. Begründet wird der neue Bebauungsplan mit den Erweiterungsabsichten des Unternehmens und dem allgemeinen Zwang zu verdichteter Bauweise, um die Versiegelung von Natur- beziehungsweise Agrarfläche zu vermeiden.

Der Geltungsbereich liegt

Aus dem Bebauungsplanentwurf, Daimlerstraße West

Was auch aus den Sitzungsunterlagen hervorgeht: Das Varta-Gelände ist Überflutungsgebiet: „Der Geltungsbereich liegt im Überflutungsbereich eines extremen Hochwassers der Jagst. (...) Der Bauherr hat sich gegen Überschwemmungsschäden zu schützen“, heißt es im Bebauungsplanentwurf. Zudem können bei den Bauarbeiten Altlasten zutage treten.

Ökoausgleich auf dem Gelände

Der Umweltbericht der Stadtlandingenieure hat ergeben, dass der ökologische Ausgleich für die geplanten Gebäude auf dem Gelände stattfinden kann. Die Fläche ist bereits weitgehend versiegelt und das Betriebsgelände bietet verschiedene Möglichkeiten der ökologischen Aufwertung im Bestand. Unter anderem ist eine Dachbegrünung der Neubauten möglich.

Ellwanger Industrielandschaft

Auch wenn Schönenbergkirche und Schloss weiterhin die Höhen zieren, das Stadtbild an der Jagst wird sich durch die Erweiterungspläne der VARTA AG verändern. Ellwangen wird, insbesondere von der Bahnlinie aus, als eine Stadt mit Industriebauten beachtlicher Größe erlebt werden. Markanter als heute werden die Gebäude auch für die Menschen in den Wohngebieten Klosterfeld und Wannenfeld zu sehen sein. Selbst von der Innenstadt aus wird man das neue Verwaltungsgebäude sehen.

Durchaus bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Das angrenzende Mödingerareal ist nicht Teil des Bebauungsplans Daimlerstraße West. Dort muss offenbar erst eine Bodensanierung durchgeführt werden, bevor eine Bebauung möglich ist.

  • Was sonst noch Thema im Bauausschuss ist
  • Die Sitzung des Ausschusses für Bau-, Umwelt- und Verkehrsangelegenheiten (ABUV) beginnt am Mittwoch, 19. Januar, um 17 Uhr und ist öffentlich. Die einzelnen Mitglieder des Ausschusses und der Stadtverwaltung sind per Video zugeschaltet, Zuschauer können die Sitzung im kleinen Sitzungssaal auf der Videoleinwand verfolgen.
  • Außer dem Bebauungsplan „Daimlerstraße West“ geht es um die Beschaffung eines Mannschaftstransportwagens (MTW) für die Feuerwehr, Abteilung Ellwangen, um Neuerungen der Landesbauordnung und die Auswirkungen für das Stadtbauamt, um die Beschaffung einer semistationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, um Gebührensätze für Entwässerungsgenehmigungen, um die Genehmigung einer überplanmäßigen Ausgabe im Zusammenhang mit der Erschließung des neuen GOA-Standorts sowie um den Neubau der Fußgängerbrücke über die Bahnlinie auf Höhe Bachgasse. Hier wird der aktuelle Planungsstand vorgestellt. ⋌gek
Bebauungsgebiet Daimlerstraße-West Ellwangen Grafik: ca

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