Wird der Kalte Markt geadelt?

+
Der Kalte Markt ist ein "immaterielles Kulturerbe". Jede andere Entscheidung wäre doch einfach zum Wiehern ... Archivfoto: Franz Rathgeb

Stadt Ellwangen und der Pferdezuchtverein Aalen-Ellwangen möchten, dass dem Kalten Markt der Titel "immaterielles Kulturerbe" verliehen wird.

Ellwangen

Vielleicht wird der Kalte Markt in Ellwangen demnächst ja sozusagen geadelt – auch wenn er das ja gar nicht nötig hat mit seiner weit über 1000-jährigen Tradition und seiner ungebrochenen Attraktivität. Doch dieses größte und nach Meinung vieler auch schönste Ellwanger Fest könnte bald durch eine Art kulturelles Krönchen zusätzlich geschmückt werden: mit dem Titel des "immateriellen Kulturerbes". Zunächst auf deutscher Ebene, dann womöglich auf der weltweiten Liste der Unesco.

Das städtische Kulturamt von Dr. Anselm Grupp hatte die Idee dazu, angespitzt durch eine entsprechende Ausschreibung und auch Anregungen der Bürger, und fand im Pferdezuchtverein Aalen-Ellwangen einen begeisterten Mitstreiter. Und weil diese Idee zum einen gut ist und zum andern praktisch nichts kostet, hatte der Gemeinderat auch keine Mühe, diesem Anliegen im Oktober einhellig zuzustimmen.

Die Stadtverwaltung, respektive das Kulturamt, und der Pferdezuchtverein haben inzwischen gemeinsam den Antrag dem baden-württembergischen Kultusministerium übergeben, das aus allen Vorschlägen des Jahres vier Bewerbungen auswählt und diese Favoriten an die deutsche Kultusministerkonferenz weiterleitet. Dort wird dann endgültig darüber befunden, welche der vorgeschlagenen Bräuche, Kunstfertigkeiten, Feste und Ähnliches auf die Bundesliste kommen sollen. Da heißt es nun also Daumen drücken.

Sollte es der Kalte Markt – woran ein Ellwanger keinen Zweifel hat – auf diese Bundesliste der immateriellen Kulturgüter schaffen, wird er schließlich auch der Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) vorgelegt. Und wenn die zustimmt, steigt der Kalte Markt sozusagen in den Olymp der immateriellen Kulturgüter der Welt auf.

So weit hergeholt, wie sich das womöglich anhört, ist das Vorhaben nicht. Die Dinkelsbühler Kinderzeche hat es auf die bundesdeutsche Liste geschafft, und neben Ellwangen bemüht sich derzeit auch Markgröningen um Aufnahme, natürlich mit dem Schäferlauf. Oberbürgermeister Karl Hilsenbek sieht da natürlich die Ellwanger Pferdenase vorn: Schließlich biete der Schäferlauf nur eine Disziplin, während der Kalte Markt eine ganze Reihe von Veranstaltungen umfasse, vom Grünen Ball der Landjugend und der Verbrauchermesse auf dem Schießwasen bis hin zur Pferdeprämierung und dem Reiterumzug.

Wo er Recht hat, hat er Recht.

Was die Unesco sucht, sind, so die offizielle Angabe, "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten sowie die dazu gehörigen Instrumente Objekte, Artefakte und kulturellen Räume (...), die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen".

Dass dies auf den Kalten Markt zutrifft, bezeugen übrigens mit eigenen Empfehlungsschreiben die Landesoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck, Leiterin des Haupt- und Landgestüts Marbach, sowie Quintus Scheble, früherer Pressesprecher des baden-württembergischen Landtags und Autor eines umfassenden Sachbuches über den Kalten Markt.

Unesco, da kannst Du doch gar nicht anders ...

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare