Wo die Ellwanger in der Jagst badeten

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Das Jagstbad bei Rotenbach nach der Jagstbegradigung 1956. Damals gab es bereits immer wieder Probleme mit der Wasserqualität. Aufgrund eingeleiteter Abwasser war die Jagst mit Kolibakterien verunreinigt.
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Kulturamtsleiter Dr. Anselm Grupp spricht im Palais Adelmann über die städtische Badekultur im 19. und 20. Jahrhundert.

Ellwangen Mit der Landesgartenschau 2026 wird die Jagst bei Ellwangen ganz neu gestaltet werden. Wo das Wasser bislang gestaut war, soll es dann durchgehend fließen. Das Schwimmen im Fluss, wie es die Ellwanger über 100 Jahre lang gewohnt waren, wird damit in Zukunft wohl nicht mehr möglich sein. Für Dr. Anselm Grupp ein Grund, der Badekultur in Ellwangen einmal nachzuspüren. Viele Ellwanger erinnern sich noch an das Jagstbad beim Campingplatz, das bis Anfang der 1970-er Jahre noch vereinzelt genutzt wurde.

Die ersten Spuren eines Jagstbades findet man im Stadtarchiv um 1820, als ein königlicher Erlass die Stadt dazu verpflichtet am Jagstufer Badebereiche zu markieren. "Das Baden und Schwimmen kam mit der Aufklärung in Mode" sagt Grupp. Vorher ließen die Menschen lieber Puder, Duftwasser und Perücken an ihre Haut. Allenfalls nutzte man vielleicht das städtische Wannenbad, das beim heutigen Jugendzentrum war.

Die ersten ausgewiesenen Badebereiche lagen vor dem Bau der Bahnlinie an der Postwiese (hinter der Adlerapotheke), beim Haus des Totengräbers und bei Rotenbach. Um 1860 forderte der Ellwanger Verschönerungsverein die Einfriedung eines Badeplatzes. Um 1875 wird bereits ein Schwimmlehrer erwähnt. Am 3. Juni 1893 wird eine neue Badeanstalt "mit Kabinetten für Damen und Herren" sowie Badehosen und Handtüchern zum Ausleihen, eröffnet. Grupp lokalisiert sie auf Höhe des früheren Bauhofgeländes. Schüler und Lehrlige hatten keinen Zutritt, das "Bubenbad" befand sich weiter flussaufwärts, auf Höhe des heutigen Eisweihers.

Eine Beschreibung dieser Badeanstalt findet man in den Erinnerungen von Julius Zimmerle. Er spricht von einem äußerst primitiven Jagstbad und durchlöcherten Wänden zwischen Damen und Herrenumkleiden. Die hölzernen "Kabinette" hatten bis 1930 Bestand, dann wurde das Bad an das andere Ufer der "mittleren Jagstwiesen" verlegt. Als Umkleiden gab es eine einfache hölzerne Überdachung und Grupp konnte sogar ein Foto präsentieren, das den einfachen Holzbau im Hintergrund zeigt. Nötig war nun ein Fußgängersteg, der an der Stelle gebaut wurde, an der heute die metallene Brücke beim Eisweiher ist.

In dieser Zeit gab es bei Rotenbach, auf Höhe der Kaserne bereits ein weiteres Bad, das die Polizeischule, das evangelische Landeswaisenhaus und später die SS-Soldaten nutzten. Das städtische Jagstbad beim Eisweiher, bei dem es auch ein hölzernes Nichtschwimmerbecken für Kinder, das "Katzenbad" gab, wurde 1947 aufgegeben. Der Grund: Am Bauhofgelände wurde Schutt gelagert, was zu üblen Gerüchen führte. Die Stadt baute nun am Badeplatz bei Rotenbach ein neues Badehaus, auf dem Grund der Gemeinde Schrezheim. Einweihung war am 21. August 1947. Als Bademeister fungierte fortan Paul Giersberg, der ganzen Generationen von Ellwangerinnen und Ellwangern das Schwimmen beibrachte.

Die markante Ausbuchtung im Jagstbett an dieser Stelle entstand erst 1956 im Zuge der Jagstbegradigung. In der Zeit kamen auch immer öfter Probleme mit schlechter Wasserqualität auf. Viele Ortschaften leiteten die Abwasser ungeklärt in die Jagst. Bis 1958/59 musste im Sommer immer wieder das Baden in der Jagst verboten werden, was jedoch viele Menschen nicht weiter kümmerte. Bis in die 1970-er Jahre konnte man bei Rotenbach noch Kinder und Erwachsene in der Jagst baden sehen.

1958 schließlich wurde das Umkleidegebäude an der Jagst ab- und am Muckenweiher, Gemarkung Ellenberg, aufgebaut. Hier sollte das neue Ellwanger Stadtbad mit besserer Wasserqualität entstehen. Den Bademeister stellte die Stadt, die Gemeinde Ellenberg bezahlte das Umkleidehaus in Raten. Bis 1963 fuhren sogar Postbusse dorthin. Doch so richtig befriedigend war diese Lösung für die Stadt nicht. Bürgermeister Rothmaier und der Stadtrat von Stieglitz sprachen sich dafür aus, den Kressbach anzustauen und dort ein näher gelegenes Stadtbad einzurichten. Zunächst plante man ein großes Schwimmbecken mit acht Bahnen und drei Sprungtürmen. Als die erhofften Zuschüsse ausblieben, kaufte man in Vaihingen/Enz das Badefloss, das noch heute am Kressbachsee im Wasser liegt. Das Badehaus vom Muckenweiher kaufte die Stadt wieder zurück. 1966 wurde das städtische Freibad am Kressbachsee eröffnet.

Gerhard Königer

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