Wohnpark am Bahnhof in Planung

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Ein Luftbild von Ellwangen (vor dem Bau des Tegut-Gebäudes): Das BAG-Areal (rechter Bildrand) zwischen Bahnhofstraße und Sebastian-Merkle-Straße wird zum Wohngebiet. Acht Mehrfamilienhäuser mit rund 150 Wohnungen sollen hier entstehen.
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Die BAG Hohenlohe will ihr Firmengelände in Ellwangen selbst entwickeln und bildet mit dem Nachbarn eine Planungsgemeinschaft. Acht Mehrfamilienhäuser sind geplant. 

Ellwangen

Es kommt Bewegung in die Entwicklung des BAG-Areals am Bahnhof. Nachdem das alte Lagerhaus bereits seit Jahren leer steht, teilt Geschäftsführer Sven Schneider mit, dass die gesamte Fläche, rund 7000 Quadratmeter zu einem Wohnpark entwickelt werden sollen.

Die Werkstatt Stebag, eine BAG-Tochter, wird zuvor in das Industriegebiet Neunheim umsiedeln, wo man ein 15 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben habe. „Ziel ist es, die neue Werkstatt noch vor der Landesgartenschau zu bauen“, sagt Schneider. Der Stadt sei es ein Anliegen, dass sich am Bahnhof bis 2026 etwas bewegt.

Der Wohnpark am Bahnhof soll einmal acht Mehrfamilienhäuser umfassen, die ringförmig um eine Freifläche gestellt sind. Fünf davon mit je 18 Wohnungen will die BAG Hohenlohe errichten, ob allein oder mit einem Bauträger oder Investor sei noch nicht entschieden.

„Wir hätten die Fläche verkaufen können. Doch wir wollen Werte für unsere rund 2000 Mitglieder schaffen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Ullrich Kühnle. Die Liegenschaften sollen ein neues Standbein der BAG bilden und das Unternehmen in Krisenzeiten absichern.

Der Wohnungsmarkt in Ellwangen kann die geplanten Einheiten gut aufnehmen. In der Stadt herrscht Wohnungsmangel, zumal die Neubaugebiete praktisch komplett verkauft sind und momentan nicht absehbar ist, wann die Bebauung des Kasernenareals startet.

Ähnliche Entwicklung in Hall

Eine ganz ähnliche Entwicklung ist in Schwäbisch Hall am Bahnhof vorgesehen, wo ebenfalls ein Wohnpark entstehen soll. Auch dort hat die BAG Hohenlohe Fläche und auch dort will sie nicht verkaufen sondern selbst entwickeln.

Rund 40 Millionen Euro will das Unternehmen über alle Standorte hinweg in den nächsten zehn Jahren investieren. Ein gewaltiges Programm, das aber durchaus machbar sei, zumal auch die Tochterfirmen eingebunden sind.

Die BAG hat ein gutes Geschäftsjahr 2021 im Rücken: 1,8 Millionen Euro Überschuss trotz Pandemie und Umsatzeinbrüchen in der Landwirtschaft, bei einem Umsatz von 78 Millionen Euro (ein Plus von 7 Prozent). Das war möglich, weil die BAG-Töchter teils kräftig an den Krisen verdienen. „Corona war für uns ein Umsatzbringer“, erklärt Sven Schneider.

Gutes Geschäftsjahr 2021

Die Raiffeisenmärkte hatten als systemrelevante Geschäfte auch im Lockdown geöffnet und machten sehr gute Umsätze. Die EDi (Energie direkt Hohenlohe GmbH) profitiert von den explodierenden Energiepreisen, das Autohaus Koch-BAG mischt am derzeit lebhaften Handel mit Gebrauchtfahrzeugen kräftig mit, die Stebag (Land- und Nutzfahrzeugtechnik GmbH) ist im Nutzfahrzeugbereich sehr erfolgreich. Schließlich schreibt auch die Versicherungs- und Finanzmaklersparte der BAG gute Gewinne.

Das laufende Geschäftsjahr sieht genauso gut aus, wobei vor allem in der Agrarsparte ausgesprochen turbulente Zeiten herrschen. Die Preise für Brotweizenpreis, quasi die Leitwährung am europäischen Agrarmarkt, stieg binnen 12 Monate von 190 auf 340 Euro pro Tonne. Zeitweise lag der Preis sogar bei 430 Euro.

Aufgrund der Unsicherheiten bei der Gasversorgung entwickelten sich auch die Preise für Mineraldünger extrem sprunghaft. „Zeitweise konnte man gar nichts kaufen“ berichtete Hannes Zipfel, Prokurist und zuständig für den Düngemittelhandel. Sah es im Winter noch so aus, als könnten sich die Bauern den Kunstdünger nicht mehr leisten, habe sich die Situation aufgrund der hohen Getreidepreise stabilisiert. „Wir empfehlen den Landwirten, den Dünger für die nächste Saison wenigstens teilweise bereits abzusichern. Die Getreidepreise bleiben hoch und dann rentiert es sich, auch teuren Dünger einzusetzen“, sagt der BAG-Geschäftsführer.

Man spüre derzeit die Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Gasnotfallplan. Käme es wirklich zur Alarmstufe, würden wohl viele Düngemittelfabriken in Europa wohl stillstehen. „Es gibt aber auch Hersteller in Ägypten und anderen Ländern, die nicht vom russischen Gas abhängig sind“, sagt Sven Schneider.

Eine Unterversorgung mit Düngemitteln würde vor allem die Erträge und die Getreidequalitäten beeinträchtigen, gibt Ullrich Kühnle zu bedenken. Mittelfristig werde sich die Situation auf die Fruchtfolge auswirken. Schon jetzt sei zu beobachten, dass verstärkt Kulturen angebaut werden, die weniger Stickstoff brauchen und trotzdem gute Preise bringen wie Braugerste, Leguminosen oder Ölsaaten.

Besonder schwierig sei die Situation bei den betrieben, die hohen bedarf an Futtergetreide haben, also Schweinehalter, Puten- und Hähnchenmäster. Da mit dem Brotweizen auch Futtergetreide im Preis angezogen hat, während die Fleischpreise nach wie vor zu niedrig sind, sei die Tiermast derzeit nicht auskömmlich möglich.

Aktuell kämpfen die Landwirte mit der hohen Inflation, weil der Verbraucher wieder billige statt hochwertige Lebensmittel kauft. Biolandwirte leiden darunter besonders. „Wer Schweine mit Tierwohlprogrammen mästet, hat aktuell Riesenprobleme, weil die kaum noch abgenommen werden“, bedauert Kühnle. Biomilch sei manchmal im Geschäft billiger zu haben als konventionelle.

Trotz den spezifischen Problemen, mit denen manche landwirtschaftlichen Betriebe zu kämpfen haben, bleibe Hohenlohe und die Ostalb ein hervorragender Agrarstandort. Und die BAG Hohenlohe festige ihre Bedeutung als Dienstleister für die Landwirtschaft. „Agrarlogistik ist unsere Hauptkompetenz und Lagerhäuser sind heute wichtiger als je zuvor“, sagt Sven Schneider. Das Unternehmen habe in neue Sattelzüge investiert und werde auch die Standorte weiter ausbauen. So sei in Neuenstein ein neues Getreidelager geplant, in Hohebuch und Ilshofen wolle man die Werkstatt erweitern, in Öhringen das Gartencenter neu gestalten.

Das älteste Lagerhaus der Welt und sein Erbauer

Die BAG Hohenlohe ging aus der Getreideverkaufsgenossenschaft hervor, die der Schultheiß von Kupferzell, Wilhelm Dutt, 1897, also vor 125 Jahren gegründet hat. Das Lagerhaus für Getreide, das die neue Genossenschaft errichtet hat, um die Ernten seiner Mitglieder besser vermarkten zu können, gibt es noch heute. Es steht im Freilandmuseum Wackershofen und dürfte eines der ältesten derartigen Gebäude auf der ganzen Welt sein. Wilhelm Dutt gründete übrigens 1901 auch die Molkereigenossenschaft Kupferzell und war Triebfeder für das gesamte Genossenschaftswesen im Südwesten Deutschlands.

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