Wunsch: Ortsmitten stärken

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Ein erfolgreiches Leader-Projekt: Die Uferterassen am Bucher Stausee.

Mit einem neuen regionalen Entwicklungskonzept und zahlreichen Workshops will man die Fördergeber seitens der EU überzeugen. Wo die Teilnehmer Handlungsbedarf sehen.

Ellwangen

Das Leader-Förderprogramm hat sich in den vergangenen acht Jahren zu einer Erfolgsgeschichte für die Region Ostalb und umliegenden Landkreis entwickelt. Der ländliche Raum findet in diesem Programm eine besondere Unterstützung.

Leader ist ein Förderprogramm der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Das Programm ist Teil des Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER). Unterstützt werden verschiedene Handlungsfelder, wie Freizeit und Kultur, Gemeinschaft und Leben. Bildung und Arbeit sowie eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums.

In der ersten großen Förderperiode von 2014 bis 2020 waren auch die Kommunen der Ostalb sehr aktiv in der Planung und Konzeptionierung neuer Projekte zur Stärkung der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Infrastruktur. Das Leader-Aktionsgebiet Jagstregion umfasst 18 Gemeinden des Ostalbkreises und neun Gemeinden aus dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Die Jagstregion bündelt ihre Projekte und versucht Synergien zu schaffen. Dadurch erhöht sich ihre Chance bei der Vergabe von Fördergeldern berücksichtigt zu werden. In der ersten Förderperiode hat dieses Strategie vorzüglich funktioniert. Rund 2,8 Millionen Euro konnte die Jagstregion an EU-Fördermittel für Projekte in der Region abrufen. Diese wurden zusätzlich noch durch Landesmittel ergänzt, so dass ein vielfaches an finanziellen Mitteln zur Stärkung der Infrastruktur in den Ostalbkreis geflossen ist.Ende 2022 läuft die aktuelle Förderphase nun aus.

Angespornt von dem tollen und nachhaltigen Erfolg des Leader-Förderprogramms will die Aktionsgruppe sich nun auch für die Aufnahme in die neue Leader-Förderperiode 2023 bis 2027 bewerben. Grundlage der Bewerbung ist die Ausarbeitung eines regionalen Entwicklungskonzepts (REK), auf dessen Basis das Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz die Fördergebiete und Projekte auswählt.

Ideenfindung per Workshop

Wie schon in den Jahren davor, ist von Seiten des Landes ausdrücklich erwünscht, dass sich möglichst viele interessierte Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung des REK aktiv mitwirken. Eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung stärkt die Chancen zur Aufnahme in das neue Förderprogramm. Die Bürgerinnen und Bürger können sich in Form von öffentlichen Workshops mit ihren Ideen und Vorschlägen an der Findung von Projekten beteiligen.

Auftakt zur Entwicklung des REK war ein Online-Workshop zum Thema „Wir gestalten Lebensqualität! Wie machen wir unsere Dörfer fit für die Zukunft?“. Mehrere Dutzend Teilnehmer haben sich an dem Online-Workshop beteiligt. Moderiert wurde der Workshop von einem Team des Regionalberatungsbüros Neuland plus, welches Kommunen und Aktionsgruppen in der Regionalentwicklung unterstützt.

Ortsmitten stärken als Wunsch

In einer direkten Umfrage unter den Teilnehmern des Workshops wurden die Schwerpunkte einer neuen Konzeptionierung herausgehoben. Auf die Frage wo die Bürgerinnen und Bürger in ihren Kommunen den meisten Handlungsbedarf bei der baulichen Ortsentwicklung sehen, antworteten 78 Prozent der Beteiligten mit einer Stärkung der Ortsmitte, beispielsweise in der Beseitigung der Leerstände beim Wohnen und Einzelhandel.

22 Prozent wünschen sich eine Generationsgerechte Infrastruktur, z.B. Barrierefreiheit. Bei der Frage nach Handlungsbedarf im Bereich Versorgung stand der Wunsch nach einer gesicherten medizinischen Versorgung durch Hausärzte, Apotheken und mobilen sozialen Diensten ganz vorne an. Einzelhandel und Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und Mobilität waren ebenfalls erwünscht.

Besonders deutlich wurde auch der Wandel der Projekte hin zu mehr Klimaschutz. Während die Nachhaltigkeit schon früher eine große Rolle gespielt hat, kommt rückt nun auch der Aspekt des Klimaschutzes mehr in den Vordergrund. Für mehr Energieeffizienz in Strom- und Wärmegewinnung plädieren mehr als 50 Prozent aller Teilnehmer gefolgt von Maßnahmen und Konzepten zur Anpassung und Schutz vor Klimawandelfolgen. Bei sozialen Aspekten wollen die Teilnehmer mehr Förderung der Teilhabe aller und neue Möglichkeiten der Begegnung und Geselligkeit. Auch konkrete Ideen wurden eingebracht.

Werner Gottstein aus Bopfingen schlug zum Beispiel vor, ein Art Wohnraumbörse in den Kommunen einzurichten um dem Problem der Leerstände entgegenzuwirken. Freiherr Michael von Thannhausen mahnte an bei allen Projektideen immer darauf zu schauen, was Leader tatsächlich leisten kann. „Wir sollten uns auf Themen fokussieren, die wir zum Laufen bringen können und nicht zu sehr auf politische Vorgaben eingehen“, so von Thannhausen. Projekte sollten vor allem sozial-bürgerlicher Natur bleiben.

Die Leader Jagstregion plant noch weitere Workshops ähnlicher Natur und lädt jetzt schon alle Interessierten zur Teilnahme ein.

Wir sollten uns auf Themen fokussieren, die wir zum Laufen bringen können.“

Michael von Thannhausen, Teilnehmer

Die nächsten Workshops:

  • Wir erarbeiten Zukunft! Wie nutzen und erhalten wir unsere Ressourcen?Mittwoch, 9. März, 19 - 20:30 Uhr
  • Der Abend dreht sich um die Frage, wie die Wirtschaft im ländlichen Raum als Ganzes gestärkt und stabilisiert werden, aber auch auf eine nachhaltige, sozial tragbare und zukunftsfähige Wirtschaftsweise ausgerichtet werden kann. Die Themenbandbreite umfasst beispielsweise Möglichkeiten der Digitalisierung, Innovation und neuer Arbeitsformen auf dem Land. Zudem geht es um die Förderung bestimmter Wirtschaftszweige wie zum Beispiel Tourismus, Handwerk oder Land- und Forstwirtschaft.
  • Teilnahme ist über den Link https://neulandplusgmbhcokg.my.webex.com/meet/tools möglich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
  • Wir packen gemeinsam an! Wie fördern wir starke Gemeinschaften? Dienstag, 22. März, 19 - 20:30 Uhr
  • Weitere Informationen zur Teilnahme an den Workshops der Leader-Region online unter https://jagstregion.de/16-neue-foerderperiode-2023-2027

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