Zivilcourage und Kampf ohne Gewalt

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Rainer Schmid referiert bei der Friedensdekade über die Möglichkeiten eines gewaltfreien Kampfes.

Pfarrer Rainer Schmid gab Beispiele, wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.

Ellwangen. Er ist zwar Pfarrer, aber als Privatmann da. Auf Einladung der Friedensdekade ist der Aalener Rainer Schmid im Combonihaus zu Gast. Und zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie gewaltfreier Kampf, ja, Kampf, funktionieren kann.Aufräumen will er mit dem Vorurteil, dass naiv und unreif ist, wer an den Erfolg nichtmilitärischer Lösungen glaubt.

Erstes Beispiel aus der jüngeren Geschichte: 2003, Liberia. 14 Jahre Bürgerkrieg. Eine „einfache“ Sozialarbeiterin beschließt, etwas zu ändern. Leymah Gbowee sucht sich Verbündete. Und sie skandieren täglich stundenlang auf dem Marktplatz: „We want peace. No more war.“ Rainer Schmid: „Da sieht man: Frieden ist nicht passiv. Das ist aktive Gewaltfreiheit.“ Am Ende muss der Diktator ins Exil, Gbowee erhält den Friedensnobelpreis.

Beispiel Zwei und Drei: Abdul Ghaffar Khan (1890-1988), patschunischer Fürstensohn als Indien noch englische Kolonie war. Er wurde ein guter Freund Gandhis, stellte eine gewaltfreie Armee zusammen. Unbewaffnet stellten sie sich den englischen Truppen in den Weg. Am Ende zogen die Engländer 1947 ab.

Schmid: „Dann die friedliche Revolution im Herbst 1989 mitten in Deutschland. Kerzen, Gebete, viele Gespräche, Flugblätter, Demonstrationen und Blumen für die VoPos, die Volkspolizisten – Erich Honecker und die SED wurden abgesetzt.“ Am Anfang dieses Prozesses sei ein Einzelner gestanden. Sein Freund und Pfarrerskollege Christoph Wonneberger, der die Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche ins Leben gerufen hatte. Wieder einer, der allein die Initiative ergriffen, den Anfang gemacht hat - und dann Mitstreiter, Verbündete gefunden.

„Spontane Zivilcourage ist gut. Aber wenn sie geübt, trainiert ist, ist es noch besser“, sagt Rainer Schmid. Er zitiert die Terrorismus-Forscherin Eroca Chenoweth, die 326 Konflikte, die zwischen 1900 und 2006 stattfanden untersuchte. Und feststellte: Es gab deutlich mehr Erfolg zu verbuchen, wenn gewaltfreie Methoden zum Einsatz gekommen waren.

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