Zwei Kilo Heroin und 500 Gramm Kokain im Wohnmobil

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Symbolbild Justizia
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Bopfinger Ehepaar hat Betäubungsmittel mit seinem Wohnmobil in den Kreis gebracht.

Ellwangen. Ein Ehepaar aus Bopfingen steht in Ellwangen wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblichen Mengen vor der Strafkammer des Landgerichts unter Richter Jochen Fleischer.

Hauptanklagepunkt, den Staatsanwalt Armin Burger vortrug, ist dabei eine vermutliche Beschaffungsfahrt am 25. April nach Bottrop. Auf der Rückfahrt am nächsten Tag wurde das Fahrzeug an der Ausfahrt Westhausen der A7 gestoppt, durchsucht und das Ehepaar festgenommen.

Burger warf dem 49- und 47-jährigen Ehepaar H. vor, dass sie knapp zwei Kilogramm Heroin, 500 Gramm Kokain und ebenso viel Streckmittel von einem unbekannten Händler in Bottrop im Auftrag gekauft und in ihrem Wohnmobil in ihre Heimatstadt transportieren wollten, um es größtenteils an Zwischenhändler weiter zu veräußern.

Einen Teil hätte der Ehemann für den Eigenbedarf behalten und zur Finanzierung dessen selbst weiterverkaufen wollen.

Die Pakete waren hinter Schubladen der Küchenzeile versteckt und erst bei einer zweiten Durchsuchung beim LKA in Stuttgart gefunden worden, behaftet mit Fingerabdrücken und DNA.

Burger geht zwar von einer längeren „Beschaffungstätigkeit“ der beiden aus, in der Anklage geht es aber nur um diese eine Fahrt.

Aufgrund eines Tipps aus dem Umfeld des Paares waren im September 2020 erste Ermittlungen aufgenommen und Überwachungsmaßnahmen wie Observationen und Abhörungen ergriffen worden. Zuletzt war auch das Fahrzeug GPS-überwacht sowie die Finanzen des Paares und auch ihrer Kinder beobachtet worden.

Der Angeklagte H. war 1989 mit seinem Vater und dem Bruder aus Kasachstan, wo er Schlosser gelernt hatte, nach Nordrhein-Westfalen gekommen. Seit dem 15. Lebensjahr trinkt er Alkohol, mit 16 nahm er erstmals Marihuana, mit 17 Haschisch und kurz darauf Kokain und seit 1992 Heroin, wie sein Anwalt Pauls beschrieb.

Zu der Zeit hatte er auch seine spätere Frau kennengelernt, die er 1996 heiratete. Diese ist in NRW aufgewachsen, hatte die Schule nach der Pflichtzeit abgebrochen. Drogen und Alkohol konsumiert er seinen Angaben seit dem mehr oder weniger stark und fast fortwährend. 1996 zog man nach Wertheim, wo er arbeitete, und die beiden Kinder geboren wurden. 2005 kam die Familie in die Kreisstadt. Seitdem hatte er nur kurzzeitig eine Stelle. Seit 2011 leben beide fast durchgehend von ALG II, mit Ausnahme von Mitte 2018 bis 2020.

Fleischer verlas aus den Finanzermittlungen. So hatte H. das Wohnmobil 2016 für 136.000 Euro gekauft, und bei Inzahlunggabe eines alten Fahrzeugs 98.000 Euro in bar bezahlt. Es wurde auf ihren Vater angemeldet, der heute 80 Jahre alt ist. 2019 wurden zwei E-Bikes für rund 6800 Euro bar bezahlt, ebenso im Laufe der Zeit Reparaturen am Wohnmobil. Auch taucht eine Bareinzahlung von 24.000 Euro 2018 auf einem Konto der Frau auf. Was aufgrund der Sozialunterstützung verwunderte.

Beide Anwälte sagten, das Wohnmobil sei ausschließlich für touristische Zwecke genutzt worden, für Reisen an Nord- und Ostsee, nach Kroatien oder Spanien. Er sei leidenschaftlicher Angler. Am 25. April habe man ihren Vater und seinen Bruder in Duisburg besuchen wollen.

Anwalt Hans Bense erklärte für seine Mandantin, sie habe von der Alkohol- und Drogensucht ihres Mannes nichts mitbekommen und nicht gewusst, dass er auf dieser Fahrt Drogen beschaffen wolle. H. habe das Fahrzeug kurz verlassen und sei mit Paketen zurückgekehrt. Sie habe diese verstecken müssen, als sie merkte, um was für Stoffe es sich handelt, sei es zum Streit gekommen. So sei man entgegen dem Plan zurückgefahren.

Burger entgegnete: „Sie müssen uns hier nicht für blöd verkaufen wollen!“ Auch Fleischer zweifelte diese Sätze an.

Burger stellte der Frau einige Fragen, womit es in die Mittagspause ging. Und prompt kam danach die neue Erklärung, nach „der sie die Drogen- und Alkoholsucht vermutet habe“. Aber von der Beschaffungsabsicht habe sie nicht gewusst.

Anwalt Bense ergänzte, dass seine Mandantin sehr krank sei und in der JVA Schwäbisch Gmünd aber trotz Beschwerden keine Untersuchung stattgefunden habe.

Der psychiatrische Gutachter, Dr. Thomas Heinrich, erkannte beim Angeklagten auf volle Schuldfähigkeit. Er habe mit ihm über eine Drogentherapie gesprochen, die zwei Jahre dauere. H. sei einverstanden.

Der mit der Durchsuchung beauftragte LKA-Beamte meinte, das Wohnmobil „sei wohl noch nie touristisch genutzt worden“, da Dusche und Wassertanks „fast jungfräulich“ aussehen.

Fleischer gab den rechtlichen Hinweis, dass für Frau H. auch eine Verurteilung wegen Beihilfe möglich sei.

Am Freitag, 22. Oktober, wird die Verhandlung mit den Plädoyers und dem Urteil fortgesetzt. Jürgen Eschenhorn

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