Zwei Kliniken im Ostalbkreis, aber wo?

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Die St. Anna-Virngrundklinik mit der Krankenpflegeschule (oberer Bildrand) und der DRK Rettungswache: für den Ellwanger Gemeinderat ist der Standort auch in Zukunft unverzichtbar.
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Prof. Dr. Ulrich Solzbach spricht über die Zukunft der Kliniken Ostalb und beantwortet Fragen aus dem Ellwanger Gemeinderat.

Ellwangen

Die Debatte um die Zukunft der Kliniken Ostalb war Hauptthema der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Chef der Kliniken Ostalb, Prof. Dr. Ulrich Solzbach zeichnete den Handlungsbedarf drastisch: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“ Problematisch sei gar nicht allein die finanzielle Seite des Klinikbetriebs, der Investitionsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe und ein jährlicher Abmangel von über 20 Millionen Euro.

Noch viel dramatischer sei der Notstand beim Pflegepersonal, aufgrund dessen beispielsweise von den 950 aufgestellten Betten jeden Tag 140 gesperrt werden müssen. Und: der Mangel an Pflegekräften wird sich aller Voraussicht nach sogar noch verschärfen, zeigte Solzbach mit Blick auf die Alterstruktur des Personals. Ein Drittel der Pflegekräfte ist 51 Jahre oder älter, es kommen viel zu wenige junge Kräfte nach.

Mit einer zweihäusigen Struktur glaubt der Vorstand der Kliniken, könne man die Situation entschärfen, weil man dann die Strukturen nicht dreimal sondern nur noch zweimal vorhalten muss.

Zur Frage, welche der aktuell drei Standorte bleiben sollen, äußerte Solzbach keine Empfehlung. Die Entscheidung müsse der Kreisrat treffen, „und hoffentlich bald.“

In ihren Stellungnahmen und Fragen äußerten die Gemeinderäte zwar Verständnis für die notwendigen Veränderungen, doch die lokale Präferenz für die Ellwanger Virngrundklinik kam überall durch.

Bettina Vierkorn-Mack (CDU) meinte, der Standort Ellwangen müsse bleiben, weil die Virngrundklinik baulich „tiptop in Schuss“ sei und bis zur Fusion 2017 hier auch die wenigsten Verluste aller drei Häuser eingefahren wurden. Ellwangen sei für die Versorgung des nördlichen und östlichen Ostalbkreises unverzichtbar. Eine Schließung hätte auch negative Folgen für die ambulante Versorgung der Landgemeinden, die ohnehin schon geschwächt ist. „Wir müssen im Krankenhausbetrieb gewisse Verluste hinnehmen“, wandte sich die Stadträtin gegen die Idee eines kostendeckenden Klinikbetriebs.

„Die SPD trägt eine Gleitsichtbrille“, versicherte Fraktionssprecher und Kreisrat Herbert Hieber. Man sei lokalpatriotisch für die Virngrundklinik, habe aber auch den ganzen Kreis im Blick. Die Personalnot sei auch entstanden, weil man in der Vergangenheit zu wenig getan habe, um junge Frauen an die Klinik zu binden. Erst jetzt seien in Mutlangen und Aalen Kitas an den Kliniken eingerichtet worden. „Wir müssen mehr in Menschen investieren“, sagte er.

„Die Virngrundklinik muss auf jeden Fall bleiben“, sagte Rudolf Wiedmann (CDU). Auch in zehn Jahren müssten noch dringliche, zeitkritische, notwendige Behandlungen in Ellwangen möglich sein.

Rudi Kitzberger (Grüne) sagte: „Der Personalmangel kommt nicht aus dem Nichts.“ Es sei in der Vergangenheit zu lange auf dem Rücken der Mitarbeitenden gespart worden.

Hans-Peter Krämer (Freie Wähler/Freie Bürger Ellwangen) forderte, die Regelversorgung in Ellwangen müsse erhalten bleiben. Gegen die Personalnot helfe nur, die Arbeitsbedingungen attraktiver zu gestalten.

Auf das Argument, der nördliche und östliche Kreis brauche die Virngrundklinik, weil sonst die Distanzen zum nächsten Krankenhaus zu weit werden, meinte Solzbach, es gebe auch noch Kliniken in Nördlingen, Dinkelsbühl, Crailsheim. Die seien allerdings alles andere als sicher, entgegnete Oberbürgermeister Michael Dambacher und berichtete aus der jüngsten Sitzung des „Magischen Dreiecks“. „Im Nachbarlandkreis läuft dieselbe Diskussion wie hier“, sagte der OB. Er sehe die Gefahr, dass aus dem magischen ein Bermudadreieck der Gesundheitsversorgung werden könnte, in dem weit und breit kein Krankenhaus mehr betrieben wird.

Dambacher betonte, dass die Investitionen in die Krankenpflegeschule und eine Gesundheitsakademie in Ellwangen keinen Sinn machen ohne die Virngrundklinik, was Solzbach bestätigte: „Das hängt natürlich zusammen, die Nähe zum Krankenhaus ist wichtig.“

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