Zweiter Verhandlungstag: Von Ärger und Leid der Einbruchsopfer

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Landgericht Ellwangen
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Warum trotz umfassender Geständnisse im Einbrecherprozess die Zeugenbefragung weiterläuft.

Ellwangen

Tag zwei der Hauptverhandlung gegen zwei rumänische Staatsbürger, denen eine größere Einbruchsserie im süddeutschen Raum zur Last gelegt wird. Obwohl beide umfassend geständig sind und einräumen an allen angeklagten Taten beteiligt gewesen zu sein, geht die Beweisaufnahme weiter. Der Vorsitzende Richter Jochen Fleischer ruft die Menschen in den Zeugenstand, bei denen eingebrochen wurde. Den Grund hat er bereits am Vortag genannt: Für das Strafmaß bei schweren Einbrüchen in Privatwohnungen ist nicht so sehr die Höhe der Beute oder der Sachschaden entscheidend, sondern wie sehr die Opfer unter der Straftat leiden.

Zum Beispiel erzählt ein Geschäftsmann aus Metzingen, Ende 50, in dessen Villa am 24. November eingebrochen wurde, wie er Abends nach Hause kam und seine Wohnung verwüstet vorfand. Bei ihm wurden Bargeld, Schmuck und Sammlermünzen in fünfstelliger Höhe gestohlen, dazu ein beträchtlicher Sachschaden angerichtet. „Ich habe es den Kindern noch nicht erzählt“, bekennt er und bedauert vor allem den Verlust der Dinge mit hohem Erinnerungswert: die goldene Uhr des Großvaters, der Ehering. Warum er den erwachsenen Kindern nichts erzählt? Sie könnten durch den Einbruch mehr verunsichert sein, als er selbst.

Dass bei den Tätern ein Teil der Beute gefunden wurde, ist vielen nur ein kleiner Trost. Viele haben nur mit Mühe eine Liste der gestohlenen Sachen zusammenstellen können. Wer kennt schon jedes einzelne Schmuckstück, das er oder sie besitzt und kann es beschreiben. Der Verlust des Sicherheitsgefühls in den eigenen vier Wänden ist für die meisten das größere Problem.

„Ich selbst habe kein Problem mit dem Einbruch, aber meine Frau ist verunsichert“, sagt ein Geschäftsführer aus Weilheim, den es am 6. Dezember 2021 traf. Die Putzfrau hatte den Einbruch entdeckt, er kam sofort aus dem Büro zurück und stellte fest, dass Schmuck, Uhren, Bargeld, ein Ölbild und mehrere teure Parfums fehlten, die als Weihnachtsgeschenk verpackt waren. Der Gesamtwert rund 26 000 Euro.

Für einen Geschäftsführer aus Ilsfeld ist es bereits der dritte Einbruch, als am 4. Januar 2022 die Kinder anrufen, es sei jemand in der Wohnung. Er sagt, sie sollten sich einschließen, fährt sofort nach Hause, es sind nur vier Minuten und sieht den Einbrecher noch, wie er aus dem Schlafzimmerfenster springt. Es fehlen Bargeld, Uhren, Schmuck im Wert von über 2000 Euro. „Wir haben die Alarmanlage aufgerüstet, Glasbruchmelder, Kameras, abschließbare Fenstergriffe“, erzählt er. Dabei war das Haus auch vorher schon alarmgesichert, ein privater Wachdienst beauftragt. Weil die Kinder zuhause waren, war die Alarmanlage aus. Jetzt hat er mit Spezialisten noch einmal das ganze Haus gecheckt und die Überwachung des Hauses noch einmal verbessert.

Die Rentnerin aus Giengen, die am 11. Januar gegen 10.40 Uhr mit ihrem Mann nach Hause kommt und die Wohnung verwüstet vorfindet, leidet bis heute daran. „Ich fühle mich nicht mehr wohl in dem Haus. Ich denke jeden Tag daran und würde am liebsten sofort ausziehen“, sagt sie. Dabei wurde bei ihr gar nichts gestohlen, nur Sachschaden angerichtet. Hinzu kam der Ärger mit der Versicherung, die wollte zunächst nur den Glasbruch zahlen.

Die 85-Jährige, die am 11. Januar in Steinheim beraubt wurde, kann nicht vor Gericht aussagen. Sie hat die Tat so mitgenommen, dass sie mittlerweile in Pflegestufe 3 eingestuft werden musste, berichtet ihre Tochter. Die Mutter war in der Küche, hörte ein Geräusch im Wohnzimmer und wollte nachsehen. Da steht ein fremder Mann im Raum, die Terrassentür ist offen. Der Einbrecher befielht ihr: „Setz dich hin“ und zieht ihr die beiden goldenen Ringe von der Hand ab, Geschenke des verstorbenen Mannes, 6000 Euro wert. Der Täter geht dann durchs Haus, packt noch eine Goldmünze, eine goldene Uhr und zwei Perlenketten ein, macht Beute von 10 000 Euro. Die Mutter ist völlig verstört, leidet, ein Arzt wird gerufen, schließlich kommt sie sogar ins Krankenhaus. „Seid dem Einbruch geht es ihr schlecht, es ist ganz schwierig“, berichtet die Tochter.

Dass ein Teil der Beute bei den Tätern gefunden wurde und den Eigentümern zurückgegeben werden kann, ist nur ein kleiner Trost. Denn die Entschädigung für das verlorene Bargeld und die Sachen, die bereits weiterverkauft oder eingeschmolzen wurden, ist bei vielen von der Versicherung abhängig.

Die beiden Täter sind vorbestraft. Sie müssen mit mehrjährigen Freiheitsstrafen rechnen. Der Prozess wird voraussichtlich am 1. August um 9 Uhr fortgesetzt.

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