Stiftsbund bringt Kultur auf den Schießwasen

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Auf dem Ellwanger Schießwasen präsentierte Stefan Waghubinger vergangenen Freitag sein Soloprogramm „Jetzt hätten die guten Tage kommen können“.
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Stefan Waghubinger regt im Ellwanger Autokino seine Gäste zum Lachen und zum Nachdenken an.

Ellwangen. Es ist schon etwas seltsam, ein Kabarett zu besuchen, wenn man die Reaktionen des Publikums nicht mitbekommt. Kein Lachen zu hören, kein zustimmendes Nicken zu sehen – so war es am vergangenen Wochenende in Ellwangen. Das lag aber nicht an der mangelnden Performance von Stefan Waghubinger, der an diesem Abend auftrat, sondern daran, dass seine Zuschauer allesamt im Auto saßen. Und die schafften es letztlich doch, mit dem Künstler auf der Bühne zu kommunizieren.

Eigentlich hatte der Ellwanger Stiftsbund, der den Kabarettabend im Ellwanger Autokino veranstalte, den Abend mit Martin Hermann geplant. Dieser musste aber krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Zwei Tage vor dem Veranstaltungsabend konnte jedoch Stefan Waghubinger als ebenbürtiger Ersatz gewonnen werden.

Der 54-Jährige, der mehrfach ausgezeichnet wurde und auch aus dem Rundfunk bekannt ist, stellte den Zuschauern an diesem Abend sein Soloprogramm „Jetzt hätten die guten Tage kommen können“ vor.

Die Kulisse für Waghubingers Kunstfigur bildete dabei der alte Dachboden seiner Eltern, auf dem viele Erinnerungen zu finden sind. Und zu denen fielen ihm einige Anekdoten ein. Auf dem Dachboden landete er, weil sich seine Frau von ihm getrennt hat. Sein Leben ließ er nun Revue passieren, und schweifte dabei immer wieder ab.

So spannt er etwa den Bogen von einer verflossenen Liebe zu Sollbruchstellen in Zahnbürsten. Oder von chinesischer Massenproduktion zu Malereien der Steinzeit. Das Programm wird getragen von der lethargischen, naiven Art, die Waghubinger auf der Bühne präsentiert. So zitiert er etwa einen Satz des vermeintlichen „Sokrates, der aus dem Alten Testament“.

Zwischendurch ging es jedoch auch subtil in die Tiefe. „Politiker wählen ist so, wie in einem Sushi-Restaurant zu sein, wenn man kein Sushi mag“, hieß es etwa. Oder: „Die Bibel oder der Koran sind so dick, dass man sich danach keine Gegenmeinung mehr holen will.“

Beim Publikum kam sein Programm gut an. Statt Lachen oder einem zustimmenden Nicken bekam Stefan Waghubinger von seinen Zuschauern die Autohupen zu hören.

Im Anschluss folgte eine kurze Zugabe des Kabarettisten, der nebenher auch Cartoonist ist. Etwas kürzer als sonst dauerte das Programm aber wohl, so dass alle Besucher rechtzeitig zur Ausgangssperre wieder zu Hause sein konnten. rr

Das Programm des Autokinos gibt es unter www.autokino-ellwangen.de.

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