Einmaliges Pilotprojekt im Land

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Ralf Leinberger ist Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbandes Tannhausen. Der geplante Biodiversitätspfad ist ein Herzensprojekt für ihn.
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Wie aus zäher Antragsbürokratie endlich umgesetzte Praxis wird und der Gemeindeverwaltungsverband Tannhausen landesweit Vorreiter wird

Stödtlen

Welche Pflanzen und Materialien nehmen wir? Was können die Bauhöfe übernehmen? Wer erarbeitet die Texte für die Infotafeln? Erstellen wir eine Karte?“ Zig Dinge gibt es für Ralf Leinberger und seine Mitstreiter nun zu bedenken.

Er (Stödtlens Bürgermeister), Gärtnereichef Gerhard Goldammer aus Tannhausen und Landtagsmitglied Winfried Mack: diese Drei haben sich seit dem Winter 2018/19 ordentlich ins Zeug gelegt.

Ihr Projekt: ein Lehr- und Erholungspfad mit dem Thema Biodiversität auf der Ostalb.

„Unser Biodiversitätspfad ist einmalig im Land, ein Pilotprojekt und etwas Besonderes für unsere Region“, ist Mack überzeugt. Er hatte sich um die Grundvoraussetzung gekümmert. Beim Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz angeregt, ein entsprechendes Förderprogramm einzurichten. Das ist gelungen. Das Programm läuft seit März.

Lang erhoffte Zusage

Leinberger hat als Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbands Tannhausen postwendend das Gemeinschaftsprojekt eingereicht. Vor wenigen Wochen kam die Zusage: Aus dem Wunsch wird Wirklichkeit, aus zäher Antragsbürokratie endlich konkrete Umsetzung, aus Theorie Praxis.

Und das Ganze im Eiltempo: So schleppend die Zeit der Planungen und des wiederholten, immer wieder korrigierten Antragstellens durch neues Anpassen an das eher starre Vorgabenkorsett des Programms war, so schnell soll - ja muss - es nun gehen.

55 000 Euro sind bewilligt. In einem Jahr muss alles gebaut, hergestellt, gepflanzt sein. So die Bedingung des Landes.

Werbung für die Natur

Erstes Ziel, das die Verantwortlichen erreichen wollen: „Wir möchten für die Natur werben. Die Menschen animieren, sich mit ihr, ihrer Vielfalt und unseren Möglichkeiten, sie zu schützen und zu fördern, zu befassen, und das zuhause im eigenen Garten umzusetzen“, erklärt Leinberger.

Das zweite Ziel: Naturräume schaffen. In einer Art Lebensader, wie Goldammer formuliert, soll sich der gut acht Kilometer lange Pfad über bestehende Feldwege von Oberzell bei Stödtlen über den Lias-Trauf mit wunderbarer Ausblick über das Sechtatal westlich Tannhausens nach Unterschneidheim bis zum Badeweiher ziehen.

Ein blühendes Band soll die Besucher durch die Landschaft geleiten, von Tafel zu Tafel, von Station zu Station. Umgesetzt werden erst einmal vier Stationen zu Heide, Hecke, Bienen und Weiden. Dort wird richtig gebaut und angelegt. Infotafeln kommen zu den Themen Wald, Streuobst, Blumenwiese und Gewässer.

„Das ist aus der Not geboren“, sagt Leinberger. „Ursprünglich sind wir mit zwölf Stationen gestartet.“ Doch die Berechnungen ergaben ein Vielfaches dessen, was sich Unterschneidheim, Stödtlen und Tannhausen leisten können.

Hoffen auf Unterstützer

„Es ist eine große Herausforderung, mit dem begrenzten Kapital etwas Anspruchsvolles zu schaffen“, sagt Ralf Leinberger. Die 55 000 Euro Fördermittel sind gut. Doch große Sprünge lassen sich damit nicht machen. Das bedeutet: Abspecken, klein anfangen und viel Eigenleistung von hoffentlich begeisterten Ehrenamtlichen, die Lust haben, den Pfad mit anzulegen. Teil des Projekts zu sein. Und: Vielleicht Firmen finden, die als Paten fungieren und damit zeigen, dass sie sich für die Umwelt einsetzen. „Auf diese Weise hätten wir die Chance, den Pfad in eine Qualität zu heben, damit er ein echtes Ausflugsziel wird.“

Der Pfad soll nicht nur wertvoller Lebensraum sein, sondern auch stark dem Wissenstransfer dienen. Mack spricht von sanftem Tagestourismus, denkt an Schulen, die den Pfad für sich nutzen können. Ein „bürokratisches Monster“ sei das Thema Grundbesitz gewesen, die Unterstützung von Ralf Worm und Julia Zwick vom Landschaftserhaltungsverband sehr wertvoll, sagt Leinberger.

Eine Station soll es zum Thema „Weiden“ geben. Von diesen Bäumen könnten über 1000 Insektenarten profitieren, zehn Wildbienenarten brauchten die Weiden für ihre Existenz, erklärt Goldammer. Tolle Effekte verspricht er sich von den Auerochsen, die in Zukunft das Sechtaufer beweiden sollen, oder Alpakawanderungen, die auf dem Pfad angeboten werden könnten.

Unser Biodiversitätspfad ist einmalig im Land, ein Pilotprojekt und etwas Besonderes für unsere Region.“

Winfried Mack, Landtagsabgeordneter
Biodiversitätspfad

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