Bürgermeisterwahl: Jetzt hat Tannhausen eine echte Wahl

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Großes Interesse bei der Kandidatenvorstellung der Bewerber um das Bürgermeisteramt in Tannhausen. Knapp 600 Besucher waren am Freitagabend in die Turn- und Festhalle gekommen .Fotos: pe
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Bei der öffentlichen Kandidatenvorstellung präsentieren fünf von sechs Bewerber sich und ihre Schwerpunkte knapp 600 Interessierten.

Tannhausen

Viele zog es am Freitagabend in die Turn- und Festhalle zur öffentlichen Kandidatenvorstellung. Ein Platz auf der Bühne blieb leer, Frank Sailer, war nicht erschienen. Im Publikum verfolgten knapp 600 Interessierte über zweieinhalb Stunden lang, was die möglichen Nachfolger von Manfred Haase im Bürgermeisteramt zu sagen hatten. Diese präsentierten sich einzeln und ohne Anwesenheit der Mitkandidaten. Jeder hatte 15 Minuten Redezeit. Vorstellen durften sie sich in der Reihenfolge ihrer Bewerbung.

Daniel Ott: Der Leiter der Gemeindekasse in Ellenberg und dreifacher Papa, in Aalen geboren und Zöbingen aufgewachsen, sagte, er sei zwar keiner von „dohanda“, aber „oinr“, mit dem man schwätzen kann. Der Dialog sei ihm wichtig. Damit wolle er das Maximale für die Bürgerschaft erreichen. Er stehe für drei Punkte: Verlässlichkeit („Was ausgemacht ist, gilt!“), Verständlichkeit („Alle müssen alles verstanden haben“) und Vernunft (Es jedem recht zu machen, sei nicht möglich. Das Gemeinwohl zähle.) Die Hauptaufgabe sieht der 41-Jährige in der Erschließung von Wohnraum und darin, dass Tannhausen ein echtes Zu-Hause sei. Er bringe Lebens- und Berufserfahrung mit, Tannhausen, seine Menschen und Belange seien ihm wichtig.


Stephan Slavik : „Ich will mit Ihnen die Zukunft anpacken“, sagte der Diplompolitologe Slavik. Der 46-jährige gebürtige Kirchheimer und Familienvater will seinen Beruf in der freien Wirtschaft für das Amt aufgeben, um „Verantwortung zu übernehmen für die Gesellschaft“. Er zeigte seine Handlungsprinzipien auf: „offene, respektvolle Kommunikation“, Verlässlichkeit („bei mir zählt noch ein Wort“) und „Gemeinde gemeinsam gestalten“. Für ihn sei die Förderung von Kindergarten und Grundschule, die ärztliche Versorgung vor Ort, die Schaffung von Wohnraum und die Digitalisierung der Verwaltung sowie eine Bürger-App wichtig. Dabei setze er auf die Kooperation mit Nachbargemeinden, Land und Bund. Er wolle mit Mut neue Wege gehen.


Siegfried Czerwinski: Der Diplomverwaltungswirt aus Wesel berichtete von vielfältigen beruflichen Erfahrungen. Vorausschauendes Handeln und „kreativ zum Ziel gelangen“ seien sein Credo, so der 42-Jährige. Der Kindergarten müsse ein begehrter Arbeitsplatz werden. „Wir könnten interessierte Ärzte beim riskanten Schritt in die Selbstständigkeit unterstützen, damit sie sich bei uns niederlassen.“ Weitere Ideen des zweifachen Vaters: Azubiunterkünfte, Unternehmerstammtisch, Tagespflege, Mehrgenerationenwohnen, Jobmessen, Märkte. Eine WhatsApp am Samstagnachmittag wegen eines Anliegens? Kein Problem. „Die Lösungsprozesse werden von Ihrem und meinem Engagement leben.“ Dienst nach Vorschrift reiche nicht aus. Transparenz sei wichtig.


Manfred Meyer: Der Trochtelfinger Polizeioberkommissars sagte, er wolle die Kontakte, die er zu Ämtern und Behörden geknüpft habe, für die Gemeinde einbringen. Beworben habe er sich wegen „der liebenswerten Menschen hier“ und weil es „mit den Themen Fernwärme, Breitband oder Sanierungsprogramm ideale Voraussetzungen gibt in Tannhausen“. Er wolle einen Jugend-Gemeinderat einberufen, sich um ein Beach-Volleyballfeld kümmern, mit einem Gemeindefahrzeug Mobilität für Senioren schaffen, das Kindergartenthema angehen und in Bürgerversammlungen in den Austausch gehen. Eine Bürger-App biete gute Möglichkeiten, beim Festplatz „muss was passieren“, so der 55-jährige zweifache Vater und „stolze Opa“.

Daniel Göggerle: 27 Jahre jung ist der Fachberater für Tierhaltung und im Stödtlener Ortsteil Stillau aufgewachsen. Er sagte, sein Studium habe viele inhaltliche Bezüge zur Arbeit eines Bürgermeisters gehabt. Er kandidiere wegen seines speziellen Interesses an Tannhausen. „Für mich ist das nicht irgendein Dorf.“ Er ist Mitglied im Musikverein Tannhausen, im Vereinsrat des VfB und Kassierer auf dem Sportplatz. Seine Stichpunkte: das Bauplatzproblem („Familien machen uns als Dorfgemeinschaft aus“), Kindergarten („Nicht zu bauen, wäre keine Alternative.“), Interkommunale Zusammenarbeit spiele eine große Rolle. („Nur so funktioniert's. Alleine geht’s nicht.“) Er wolle keine „One-Man-Show“, als Bürgermeister, sondern ein gemeinsames Wirken für Tannhausen.

Drei Themen aus der Fragerunde

Die Bürger konnten Fragen stellen, hier eine Auswahl.


Bauplatzpreise: Ott sagte hier, auch wenn die Kosten davonliefen, sei es ihm wichtig, dass jeder junge Tannhäuser, in seiner Gemeinde bauen könne. Slavik antwortete, der Bauausschuss müsse regelmäßig tagen und Punkte wie Mietkauf, Erbpacht oder Umbauen bestehender Gebäude überlegt werden. Czerwinski will von Verwaltungsseite Unterstützung im Förderdschungel bieten und überlegte, ob Bauherren als Ausgleich über Energiekonzepte längerfristig sparen könnten. Meyer sprach sich dafür aus, neue Bauplätze auszuweisen, Göggerle ebenso: „Und dann einfach damit klar kommen, dass sie vielleicht erst in fünf Jahren alle verkauft sind.“


Flüchtlinge: Für Meyer steht fest, dass weder Flüchtlinge noch Ehrenamtliche allein gelassen werden sollten, Czerwinski will von Seiten der Verwaltung „beim Papierkram unterstützen“, Slavik sieht die Gemeinde bei der Koordination und Spendenaktionen in der Pflicht. Auch „sollten wir Wohnungen und Häuser für die Unterbringung kaufen.“ Wichtig sei die Integration. Ott meint, der vorhandene Wohnraum ist endlich. Doch die Verwaltung müsse bei der Bürokratie alles abnehmen, was möglich sei. Göggerle sagte, man müsse auf Bürger zugehen, von denen man wisse, dass dort Wohnraum zur Verfügung stehe. Gezwungen werden dürfe niemand. Ansonsten müsse individuell je nach Bedarf reagiert werden.


Pfarrgarten: Slavik meinte, im Bereich Pfarrgarten, altes Pfarrhaus und alter Bauhof sei Platz für ein Gemeindezentrum, für Sozialstation, Arztpraxis, Bürgersaal, betreutes Wohnen mit Tagespflege und einen Raum für Jugendliche. Das gehe aber nur im Schulterschluss mit der katholischen Kirche. Ott sieht hierein soziales Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit einem Raum für Veranstaltungen. Czerwinski sagte: „Nicht ich sage Ihnen, was passiert. Sie haben doch 1000 Ideen, was gebraucht wird. Gemeinsam kümmern wir uns dann darum.“ Meyer will in einer Bürgerversammlung Bedarfe klären, insgesamt einen Schwerpunkt bei der Jugend setzen. „Der Bereich Pfarrgarten ist das Filetstück von Tannhausen. Das wäre für eine reine Wohnbebauung zu schade“, fand Göggerle. Er sieht ein Bürgerhaus als Inselprojekt mit Grünanlage drumrum. Alle Bürger müssten profitieren.

Tannhausen wählt am Sonntag, 8. Mai, den neuen Bürgermeister.

Stephan Slavik
Daniel Ott.
Siegfried Czerwinski.
Daniel Göggerle
Manfred Meyer.

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