Der Baum brennt: Streit im Tannhausener Gemeinderat

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Zwei neue Mitarbeiter der Verwaltung werden begrüßt. Dennoch gibt es hitzige Diskussionen über Personalaufstockungen.

Tannhausen

Eigentlich sollte es, personell gesehen, ein erfreulicher Abend für Tannhausen sein. Mit David Scheiner und Monika Mayer wurden offiziell der neue Kämmerer und die neue Kassenverwalterin begrüßt. Sie sollen zukünftig das Team in der Verwaltung stärken.

Überschattet wird der Abend dennoch von der hitzigen Diskussion über die Schaffung der Stelle für einen Hauptamtsleiter – ein Thema, das das Gremium schon lange beschäftigt. Bürgermeister Manfred Haase wünscht sich einen Hauptamtsleiter – viele Gemeinderäte halten dagegen.

Um die Frage über die Auslastung der Mitarbeiter zu klären, wurde ein unabhängiges Büro beauftragt. "Wir mussten uns bei der Untersuchung auf persönliche Gespräche und Kennzahlen stützen", erläutert die Mitarbeiterin des Büros Schneider und Zanjotz aus Heilbronn. Der Grund dafür seien zwei langfristige Krankheitsfälle unter den Mitarbeitern. "Deshalb handelt es sich nur um eine Ist-Analyse."

Nichtsdestotrotz habe sie in Erfahrung bringen können, dass die Mitarbeiter zwar hoch motiviert seien, "aber sie arbeiten am Rande der Belastbarkeit". Zudem kommen auf die Gemeinde Aufgaben zu, die man nicht verschieben könne – wie etwa die Lockerungen nach der Corona-Pandemie.

Die Gemeinderäte zeigen sich zwar erstaunt über die Fülle an Aufgaben der Verwaltung. Dennoch bekommt die Beraterin Gegenwind – einige der Mitglieder kritisieren die fehlende Präsentation und fehlende Unterlagen. Und sehen darin sogar die Gefahr, vor den anwesenden Bürgern, "den Eindruck zu erwecken, dass sich der Gemeinderat der Verwaltung prinzipiell entgegensetzt", so Gemeinderat Gerhard Goldammer. "Ich verstehe nicht, weshalb Sie gekommen sind, wenn die Untersuchung nicht fertig ist", merkt Jürgen Geiß zudem an. "Das waren 20 Minuten Gerede und ich habe 90 Prozent schon vergessen", sagt er im weiteren Verlauf der Sitzung.

In erster Line geht es darum, zu sehen, wie viel geleistet wird.

Gerhard Körner Gemeinderat

Gemeinderat Goldammer plädiert zudem dafür, die Sache aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu betrachten: "Man muss das ja auch bezahlen können", betont er. Die Beraterin aus Heilbronn hat eine andere Meinung: "Man kann die freie Wirtschaft nicht mit einer Verwaltung vergleichen." Während ein Unternehmen ein unwirtschaftliches Produkt aus dem Portfolio streichen könne, habe die Verwaltung nicht die Möglichkeit, auf die Ausstellung von Personalausweisen zu verzichten.

Gemeinderat ist gespalten

Nach vielen Beiträgen über die fehlende Präsentation der Beraterin meldet sich Gemeinderat Gerhard Körner zu Wort: "In erster Linie geht es darum, zu sehen, wie viel geleistet wird", sagt er. "Für mich ist das kein Zwischenbericht, sondern ein vorläufiges Ergebnis." Und auch Bürgermeister Haase betont mehrmals die Folgen der Engpässe: "Der Baum brennt."

So habe man derzeit noch nicht einmal die Jahresrechnung für das Jahr 2019 abschließen können. Insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie habe man nicht ohne Überstunden und Sperrurlaub arbeiten können. "Wir waren kurz davor, die weiße Fahne zu hissen."

Eine abschließende Entscheidung für einen neuen Hauptamtsleiter gibt es nicht. Zwar wurde der Antrag von Gemeinderat Goldammer, die Entscheidung zu verschieben, knapp mehrheitlich angekommen. "Aber ich mache hiermit von meinem Widerspruchsrecht gebrauch", so Bürgermeister Haase. Dieses greife, wenn das Wohl der Gemeinde in Gefahr ist. Damit muss laut Gemeindeordnung binnen drei Wochen erneut über das Thema entschieden werden.

Der Tannhäuser Bürgermeister, Manfred Haase, beklagt seit Jahren Personalmangel. Jetzt soll ein externes Fachbüro prüfen, wie viel Personal die Verwaltung wirklich braucht.

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