Mit Biogas aus der Krise

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Sie sehen sich mittlerweile als Energiebauern das Ehepaar Abele aus Tannhausen.
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Energiekrise richtigen Rahmenbedingungen schaffen, sagt der Tannhausener Landwirt Anton Abele. Von Alexandra Rimkus

Tannhausen. Anton Abele und seine Ehefrau Katja sehen sich mittlerweile als echte „Energiebauern“. „Wir hätten es uns selbst nicht vorstellen können, dass das Biogas mal unser Kerngeschäft werden würde“, sagt Katja Abele.  Aber mittlerweile liege auf der Energieerzeugung der Schwerpunkt ihres landwirtschaftlichen Familienbetriebs.

2010 waren die Eheleute in die Energieerzeugung eingestiegen und hatten anfangs noch mit Vorbehalten im Ort zu kämpfen. „Damals war der Ölpreis noch niedrig und es herrschte der Glaube vor, dass sich regenative Energie sowieso nicht durchsetzen“, erzählt Anton Abele. Das habe sich mittlerweile gewandelt. 

Bei den Abeles, die mit ihrer Anlage nicht nur Strom, sondern auch Wärme produzieren, stehen die Leute Schlange. Ein Anschluss ans Abelsche Wärmenetz ist mittlerweile in Tannhausen heiß begehrt. 90 der rund 400 Haushalte im Ort profitieren schon und dürften rund ein Drittel weniger an Energiekosten zahlen, als die Bezieher von fossilen Energieträgern.  

Weitere 60 Haushalte sollen in den kommenden zwei Jahren dazukommen. „Das ist fest geplant“, erzählen die Abeles und betonen, dass in Sachen Biogasproduktion eigentlich noch viel mehr möglich wäre – in Tannhausen und in Deutschland. Die Politik müsse das nur wollen. 

„Theoretisch könnte man über die bestehenden rund 9000 Biogasanlagen in Deutschland rund 40 Prozent der russischen Gaslieferungen ersetzen“, ist Anton Abele überzeugt.  Dafür müssten aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Seine eigene, 12 Jahre alte Anlage, die neben Wärme auch noch Strom für rund 1500 Haushalte liefert,  wäre durchaus  in der Lage rund 20 Prozent mehr Energie zu erzeugen. Sie darf es aber nicht. „Dafür bräuchten wir eine komplett neue Genehmigung samt neuem Bebauungsplan. Allein das Verfahren würde in Deutschland zwischen drei und fünf Jahren dauern und uns vermutlich um die 80 000 Euro kosten.“ 

Besonders hart für Landwirte

Noch etwas härter sei es für Landwirte, deren Anlage 20 Jahre alt sind.  Hier laufe die Festvergütung pro Kilowattstunde erzeugten Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jetzt aus; die Folgevergütung falle rund 20 Prozent niedriger aus und sei damit nicht mehr so lukrativ. Darüber hinaus bräuchte man für den Weiterbetrieb dieser Anlagen ebenfalls neue Genehmigungen. Bürokratische Hürden, die dazu führten, dass viele Anlage, die eigentlich noch einwandfrei laufen, jetzt vermutlich stillgelegt werden, befürchten die Abeles.

Sie wünschen sich deshalb mehr Flexibilität in der Politik und kluge Entscheidungen in der Krise. Anton Abele spricht sich in diesem Zuge für befristete Ausnahmegenehmigungen aus, die einen Weiterbetrieb oder einen größer dimensionierten Betrieb für einen gewissen Zeitraum zulassen. „Das wäre in dieser Situation die richtige Reaktion. Leider zieht es die Regierung aktuell vor, fossilen Energieträgern eine Renaissance zu geben statt bestehende Biogas-Potential zu nutzen“, bedauert Abele. Er weist in diesem Zuge noch auf die Vorteile von Biogas. Gegenüber Wind und Sonne sei Biogas die einzige steuerbare erneuerbare Energie, die sehr schnell in der Lage ist, mehr Energie zu liefern -  und das zu jeder Tageszeit, planbar und verlässlich“.

Die Kritik an Biogasanlagen, sie stünden in direktem Wettbewerb mit der Lebensmittelerzeugung, teilt Anton Abele nicht. Diese „Tank-kontra-Teller-Debatte“ sei müßig, findet der Landwirt. Denn: „Auch ohne den zusätzlichen Anbau von Energiepflanzen kann man die Biogasproduktion deutlich hochfahren.“ Dafür stünden ausreichend Substrate zur Verfügung.  Außerdem seien die Preise für Getreide derzeit ohnehin so hoch, dass kein Landwirt auf die Idee käme, Ganzpflanzen in einer Biogasanlage zu vergären. 

Der Betrieb Abele, der jetzt vom Fachverband „Biogas“  für sein Konzept ausgezeichnet worden ist, lädt am Freitag, 22. Juli, 16 Uhr,  zu einer Podiumsdiskussion ein  mit den energie- und agrarpolitischen Sprechern der Landes-FDP sowie Vertretern des Landratsamtes zum Thema „Versorgungssicherheit durch Regionale Landwirtschaft, potentiale Nutzen“ durchführen. Die Veranstaltung findet auf dem Hof der Abeles in der Schlossstraße 10 in Tannhausen statt.

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