Musik schafft Zugang zu unfühlbaren Gefühlen

+
Die Kirchengemeinde St. Lukas hatte am Sonntag zu einer Orgelandacht eingeladen: ein Benefizkonzert zugunsten des Ambulanten ökumenischen Hospitzdienstes Ellwangen, der sein 25-jähriges Bestehen feiert.
  • schließen

Orgelandacht behandelt behutsam in Wort und Musik das Tabuthema Tod.

Tannhausen.

Schon jetzt ist er möglich. Der Himmel. Dann, wenn du mit mir hinabsteigst in die innerste Mitte. Ins Enge. Ins Ich-Verließ. Wenn Du mich mitnimmst zu mir. Zum Ausweglosen...“ Ein eindrucksvolles Gedicht von Matthias Buth, das Martina Wettemann zitiert. Damit und mit ihren einfühlsamen Worten nahm die Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Tannhausen mit hinein ins Thema Tod und Sterben, das „noch weitgehend tabuisiert wird“, wie sie sagt. Dagegen wollte die Gemeinde mit ihrer Orgelandacht ein Zeichen setzen am Sonntagabend in St. Lukas. Und mit einem Benefizkonzert zum Spenden aufrufen. Für den Ambulanten ökumenischen Hospitzdienst Ellwangen. An der Orgel: Pfarrer Jens Kimmerle selbst.

Unter den Titel „Silentium – Raum und Zeit“ hat er die Orgelandacht gestellt. Musikalisch reist er mit den Zuhörern vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, mit dem spanischen Komponisten Antonio de Cabezón über Italien („Elevazione“ von Domenico Zipoli), Deutschland nach England („Vesper Voluntary“).Mit diesen sorgsam ausgewählten Stücken schaffte Kimmerle einen Zugang zu Gefühlen, die viele oft am liebsten ungefühlt lassenwollen. Auseinandersetzung mit Tod, mit Abschied.

Unaushaltbarer Schmerz, der aus der Bahn wirft, Schwere, die durch die Stille tönt, Tiefe, Lähmung,Traurigkeit, die sich bis ins Unendliche dehnt. Dazwischen Leichtigkeit, Lebendigkeit, die trotz allem da ist. Vielleicht in glücklichen Erinnerungen, vielleicht in dem Wissen,was sein durfte, was als Schatz bewahrt und mitgenommen werden kann.Von beiden Seiten. Von dem der geht. Und dem der bleibt. Verbunden in Liebe. Versöhnliches. Zur Ruhe kommen. Frieden finden. Der meditative Konzertvortrag lässt fühlen, wofür Worte zu klein sind.Und umschreibt behutsam die Themen, die das Leben der Betroffenen aufkatastrophalste Form verändern.

Wie unterstützt werden kann, das erzählt Karin Böhme, selbst seit 22 Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten ökumenischen Hospitzdienstes Ellwangen. Begleiten, Dasein, Zuhören, Mitschweigen, beten oder auch nicht, die Ängste mit aushalten, eine Verbindung schaffen gegen das Alleinsein des Sterbenden. „Mich erfüllt diese Aufgabe mit tiefer Dankbarkeit“, schloss Böhme. „Ich kam in der ganzen Zeit kein einziges Mal auf den Gedanken, diese wichtige Tätigkeit nicht mehr zu tun.“

Mich erfüllt diese Aufgabe mit tiefer Dankbarkeit“

Karin Böhme, Mitarbeiterin Hospizdienst
Pfarrer Jens Kimmerle selbst saß an der Orgel und bot einen einfühlsamen meditativen Konzertvortrag.
Die Kirchengemeinde St. Lukas hatte am Sonntag zu einer Orgelandacht eingeladen: ein Benefizkonzert zugunsten des Ambulanten ökumenischen Hospitzdienstes Ellwangen, der sein 25-jähriges Bestehen feiert.
Karin Böhme gab einen berührenden Einblick in die Arbeit des Ambulanten ökumenischen Hospitzdienstes.

Zurück zur Übersicht: Tannhausen

Mehr zum Thema