Ostalbcheck in Tannhausen: Hier ist noch eine Menge Musik drin

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Thomas Raaf ist Vorsitzender des Musikverein Schwabenlandkapelle Tannhausen und die Jugendkapelle ist die Zukunft des Vereins.
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Der Vorsitzende des Musikverein Schwabenlandkapelle, Thomas Raaf, lebt gern in Tannhausen. Die Randlage im Kreis und im Land hat Vor- und Nachteile.

Die Musik verbindet Jung und Alt, auch in Tannhausen.“

Thomas Raaf, Vorsitzender des Musikvereins

Tannhausen

Wie ist denn Tannhausen so? „Erfrischend anders“, sagt die Gemeindehomepage. Und wenn man nach den Besonderheiten fragt, hat wohl jeder, der hier Lebenden eine andere Antwort, je nach Interessenslage.

„Wo würden Sie mich denn hinführen, wenn Sie mir ihren Lieblingsplatz zeigen wollten?“, frage ich Thomas Raaf, den Vorsitzenden des Musikverein Schwabenlandkapelle. Für die Antwort muss er nicht lange überlegen: „Ins Musikerheim.“ Der 33-Jährige ist heimatverbunden durch und durch. Voriges Jahr hat er den letzten verfügbaren Bauplatz in Tannhausen ergattert. Jetzt müssen alle, die sich niederlassen wollen, erst einmal warten bis das neue Baugebiet erschlossen ist.

Der Musikverein ist so etwas wie die Seele der Gemeinde. Wann immer es etwas zu feiern gibt, und das ist oft der Fall, kommt die Schwabenlandkapelle und bringt musikalischen Schwung in die Gesellschaft. Dirigent ist Michael Seckler und im vergangenen Sommer hat er die pandemiebedingt seit 2020 abgesagten Proben wieder anlaufen lassen. Es gab einen Auftritt, als Michael von Thannhausen das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde und kürzlich wurde das Jahreskonzert nachgeholt.

„In der Stammkapelle haben wir keine Personalprobleme, bei der Jugendkapelle haben ein paar aufgehört, aber wir sind zuversichtlich, dass wir bald Ersatz finden“, sagt Thomas Raaf. Am Freitagabend proben Jugend- und Stammkapelle im Musikerheim, doch Musik erklingt hier die ganze Woche. Musikalische Früherziehung, Registerproben, Einzelunterricht, das Musikerheim ist immer belegt.

Dass eine Gemeinde lebt, dafür braucht es freilich auch noch andere Aktivitäten, zum Beispiel sportlicher Art. Der VfB Tannhausen bietet eine Heimat für Fußballbegeisterte, für Badmintonfans und für alle, die Breitensport machen wollen. Die Turnhalle ist noch recht neu und bietet beste Voraussetzungen. Der Schützenverein ist Heimat für Sport- und Hobbyschützen, die Tannhäuser Narren verbinden Spaß und Tradition in der fünften Jahreszeit, die Landfrauen, der Kirchenchor, der Obst- und Gartenbauverein sind nur eine Auswahl der Möglichkeiten, die Tannhäuser Vereine bieten.

In Wirtschaft und Gewerbe ist man nicht ganz so breit aufgestellt wie die Nachbargemeinde Unterschneidheim, doch immerhin hat man mit der Firma Lipp einen Marktführer am Ort, der die Infrastruktur positiv beeinflusst. Zwei Landwirte betreiben Biogasanlagen und versorgen Tannhausen mit Fernwärme. Darum darf man den Ort beneiden in Anbetracht der unsicheren Erdgasversorgung. Die Gärtnerei Goldammer hat auch eine Besonderheit: Das Zugcafé, das viele Gäste nach Tannhausen lockt, die das schöne Ambiente der ausgemusterten Eisenbahnwaggons inmitten der Frühlingsblumen genießen wollen.

Tannhausen ist um 1100 erstmals urkundlich erwähnt, in Verbindung mit dem Ortsadel, den Freiherren von und zu Thannhausen. Der Minnesänger „Tannhäuser“, dem Richard Wagner eine Oper gewidmet hat, kommt höchstwahrscheinlich aus diesem Geschlecht. Und das Schloss ist bis heute das Wahrzeichen.

Bis 1871 war Tannhausen ein Grenzort zwischen den Königreichen Bayern und Württemberg. Eigentlich ist diese Randlage längst überwunden, die einstige Ländergrenze ist nur noch eine gedachte Linie im Süden Deutschlands. Doch in mancherlei Hinsicht spürt man die Grenzen von einst auch heute noch. „Der öffentliche Personennahverkehr ist eine Katastrophe“, sagt Raaf. Im Grunde gebe es nur den Schulbus und in den Ferien fährt eben nichts. Auch in Bezug auf Internet und Mobilfunk müsse man Abstriche machen.

Doch das alles sind Kleinigkeiten, denn die Menschen sind das, was wirklich zählt.

Bekannter Kopf

Namensgeber der Gemeinde Tannhausen ist die Adelsfamilie von Thannhausen. Baron Michael von und zu Thannhausen ist überaus verbunden mit dem Ort und der ganzen Region. Er war lange Zeit Kreisrat, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. Im Oktober wurde sein ehrenamtliches soziales, kulturelles und kommunalpolitisches Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Er lebt mit seiner Gattin im Schloss der Vorfahren in der Ortsmitte.

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Seit 2012 steht im Garten der Gärtnerei Goldammer das Zugcafé. Hier bewirten die Inhaber mit hausgemachten Kuchen und Torten und bieten auch Frühstück an. Das Zugcafé bietet Platz für 40 Personen und der dazugehörige Café-Garten hat weitere 30 Sitzplätze. Das nostalgische Ambiente der alten Eisenbahnwaggons und die schöne Aufmachung der ganzen Gärtnerei machen das Zugcafé zu einem Ausflugsziel mit Besuchern aus der ganzen Region.

Schon gewusst?

Der mittelalterliche Minnesänger „Tannhäuser“ stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Tannhausen. Die Legende: beim Papst habe er Absolution von Ausschweifungen ersucht und eine Abfuhr erhalten: so wenig wie der Stab des Papstes ergrüne, könne Tannhäuser auf die Gnade Gottes hoffen. Als der Sänger bereits wieder auf dem Heimweg ist, um als Kreuzritter Buße zu tun, schlagen aus dem Stab des Papstes plötzlich die Blätter hervor.

Alle Daten zum Ostalbcheck

Alle Ergebnisse finden Sie auf www.schaebische-post.de/ostalbcheck

"Tanhuser", ein Minnesänger, aus dem Codex Manesse.
Baron Michael von und zu Thannhausen.
Keine Schienen, aber einen Zug: das Zugcafé.

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