„Wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät ist“

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Gerhard Goldammer sprüht vor Ideen für den Biodiversitätspfad, für den er sich seit Jahren stark macht. Der Lehr- und Erholungspfad war seine Idee. Jetzt soll sie Wirklichkeit werden.
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Wie ein Biodiversitätspfad in Tannhausen den Blick für die Vielfalt wecken und schärfen soll.

Tannhausen. Wie kommt man auf die Idee, einen Biodiversitätspfad ins Leben zu rufen? Gerhard Goldammer will genau das und erklärt er die Hintergründe.

„Die Natur liegt mir schon immer am Herzen“, sagt der Gärtnermeister. Sie ist sein Beruf. Und seine Leidenschaft. Und es sei schwer gewesen, mit anzusehen, wie sich in den letzten 30 Jahren die Artenvielfalt zum Negativen entwickelt habe.

Jetzt sei es wichtig, sich Gedanken zu machen, bevor es zu spät ist. Durch seinen Beruf könne er die Entwicklung der Natur gut beobachten. Vor 35 Jahren sei die Fläche, die jetzt Gärtnereigelände ist, Ackerland und rein landwirtschaftlich genutzt gewesen. Inzwischen seien dort 14 bis 15 Vogelarten zu finden, Molche, eine Laubfroschkolonie, Grün- und Buntspecht hätten sich angesiedelt. „Das zeigt, wie regenerationsfähig die Natur in unserer Region zum Glück noch ist.“Dieses Potenzial will Goldammer nutzen. Und zwar mit dem Biodiversitätspfad.

„Erstens wollen wir mit dem Pfad Lebensraum schaffen.“ Das sei ein ganz wichtiger Punkt. Ein weiterer: „Ich kann nur schützen, was ich auch kenne.“ Frei nach diesem Leitsatz gehe es darum, alle Generationen abzuholen. „Viele haben einfach gar keinen Blick für die Natur. Das ist jetzt gar kein Vorwurf.“ Sondern schlicht Tatsache.

Der Biodiversitätspfad soll den Blick für die Natur wecken und schärfen. Wer sich nicht bewusst ist, was er zerstört, der denke auch nicht darüber nach. „Wir müssen dringend unser Verhalten ändern“, sagt Goldammer. Schließlich gebe es so viel altes Wissen über die Natur, das verloren gehe, weil es einfach keine Anwendung mehr findet. „Davon möchten wir im Idealfall bei einzelnen Stationen etwas vermitteln“, sagt der 60-Jährige.

Hier spanne sich der Bogen zur heutigen Landwirtschaft und dem gefühlten Konflikt zwischen Privatbürger und Landwirtschaft. „Das ist doch nur so, weil wenig Verständnis für die jeweils andere Seite zu spüren ist“, so Goldammers Meinung. Die Landwirtschaft mache mit Blühstreifen und Zwischensaaten viel für die Umwelt, was aber nicht die nötige Aufmerksamkeit findet.

„Wir können nicht nur schimpfen. Wir sind ein reiches Land und irgendjemand muss die Schritte gehen“, fordert Goldammer. Es bestehe viel Lernbedarf, wie mit der Natur umgegangen werden müsse. Dass eine blühende Fläche schön sei, sehe jeder. Aber wie wichtig im Winter die trockenen Stängel seien, sei vielen nicht bewusst. Sie seien dann, wenn ohnehin Mangel herrscht, eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und ein Winterquartier für Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingsraupen.

Er zählt weitere Wissenslücken auf: Mulchen tötet den größten Teil der tierischen Bewohner. Langsam finde ein Umdenken statt, Straßenmeistereien arbeiten weniger mit Mulchmähern. Und die beliebten Mähroboter in Privatgärten? Laut Goldammer eine große Gefahr für Insekten, Igel und kriechende Tiere.

Supermärkte verkauften gerne Blumenwiesenmischungen, in denen Arten sind, „die bei uns einfach nichts verloren haben. Da ist zum Beispiel oft Hirse drin. Weil man damit günstig zu Gewicht im Samentütchen kommt.“ Das sei nicht standortgerecht. „Zum Glück erfrieren die Pflanzen. Sonst hätten wir die nächsten Bioinvasoren, die sich bei uns breitmachen.“

Goldammer sagt: „Unser Biodiversitätspfad ist kein riesiges Projekt. Aber vielleicht kann er ja ein gewisses Zeichen setzen. Vielleicht können wir hier etwas tun, was nachahmenswert ist.“ Panja Tillmann-Mumm

Unser Biodiversitätspfad ist kein riesiges Projekt. Aber vielleicht kann er ja ein gewisses Zeichen setzen.“

Gerhard Goldammer, Gärtner

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