Tausende feiern den "guten Pater Philipp"

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Mehrere tausend Menschen kamen zur Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen auf den Marktplatz. Unter anderem waren Delegationen mit Bussen aus Eichstätt, Stuttgart und dem Raum Ravensburg gekommen.
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Die Seligsprechung P. Philipp Jeningens auf dem Marktplatz wird ein großes Fest des Glaubens und ein Impuls für mehr Menschlichkeit im gemeinsamen Alltag.

Ellwangen. Mehr als zwei Stunden lang dauert die Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen am Samstagvormittag auf dem Platz vor der Basilika. Und trotz Sonne und Hitze ist jede Minute ein besonderes Erlebnis für die 2000, 3000 oder gar 4000 Menschen.

Die Bürgergarde mit dem Spielmannszug spielt den "Weckruf" und marschiert auf den Marktplatz, da sind die meisten Plätze schon besetzt. Überall ist bestuhlt, bis an die Stiftsherrenhäuser sind Bierbänke aufgestellt.

Bischof Dr. Gebhard Fürst begrüßt, das sei ein glücklicher Tag für Ellwangen und die ganze Diözese, sagt er. "Ohne die lange Verehrungstradition wäre es nie zur Seligsprechung gekommen." Der Bischof dankt allen, die sich dafür eingesetzt haben.

Der päpstliche Nuntius, Erzbischof Dr. Nicola Eterovic hebt Pater Philipps asketische Lebensweise hervor, die verbunden war mit Humor und die auch für Papst Franziskus ein Vorbild sei. Die Seligsprechung möge Ansporn sein für die getauften Christgläubigen, wie Philipp zu Missionaren Jesu Christi zu werden.

Landrat Dr. Joachim Bläse sieht dieses große Fest als Zeichen für das Miteinander von kirchlicher und weltlicher Gemeinde und als Beweis, dass Kirche nicht Folklore sondern gelebte Tradition sei.

Oberbürgermeister Michael Dambacher meint: "Wer für zwischenmenschliche Werte einsteht, kommt an Pater Philipp nicht vorbei." Er sei eine Lichtgestalt, die uns heute demütig werden lasse und gleichzeitig Mut mache.

Die evangelische Pfarrerin Uta Knauss bekennt, sie habe zwar als Protestantin ihre Mühe mit der Heiligenverehrung, doch "dass wir Menschen Vorbilder herausragender Menschen brauchen", von Abraham bis Bonhöffer, das stehe außer Frage. Sie nennt es "eine Wolke von Zeuginnen und Zeugen", Menschen, an denen wir uns orientieren können.

Pfarrer Sven van Meegen verweist auf die offene Tür zwischen Stadtkirche und Basilika. P. Philipp sei Türöffner gewesen und das seien auch die vielen Ehrenamtlichen, die dieses Fest erst möglich machten.

Mit Bläsern, Pauken und Orgel, dirigiert von Regionalkantor Benedikt Nuding, beginnt der Gottesdienst. Der Einzug der vielen Ministranten und Zelebranten in einer Wolke aus Weihrauch ist festlich. Viele Priester begleiten die Würdenträger zum Altar: den Hauptzelebranten Kardinal Erzbischof Jean-Claude Hollerich, den Nuntius Eterovic und die Bischöfe Dr. Fürst, Dr. Bertram Meier (Augsburg), Dr. Gregor Maria Hanke (Eichstätt) und Joseph Metz-Noblat (Langres). Am Gottesdienst wirken auch der Provinzial der Jesuiten P. Bernhard Bürgler, Vizeprovenzial der Redemptoristen Dr. Martin Leitgöb, Pfarrer Sven van Meegen, Pfarrer Michael Windisch und Diakon Siegfried Herrmann mit.

Auf zwei Großbildwänden wird das Geschehen übertragen und im Internet live gesendet. Niemandem entgeht so die liturgische Eröffnung und das Kyrie, dem die eigentliche Seligsprechung folgt. Eine strenge Zeremonie: Bischof Fürst und der Postulator bitten den Kardinal um die Seligsprechung, Pfarrer Michael Windisch trägt die Kurzbiografie Jeningens vor. Der Kardinal verliest den Brief des Papstes. Johann Philipp Jeningen wird künftig selig genannt und am 8. Februar, seinem Todestag, kann er "an den Orten und in den Arten, die vom Recht festgesetzt sind, gefeiert werden."

Dann wird das große Porträt P. Philipps, gemalt von Gerhard Stock, an der Wand der Wolkensteinkapelle enthüllt und der Kardinal steigt mit Bischöfen und Priestern hinunter ans Jeningengrab. Als sie zurückkommen, wird der Gottesdienst weiter gefeiert und der Kardinal spricht in einer bemerkenswerten Predigt über die tiefe Gottesverbundenheit, wie sie Philipp Jeningen lebte. "Jeder von uns ist von Gott gewollt", sagt er, und: "Das Kreuz wird unverständlich, wenn wir nicht die Erfahrung machen, dass Gott uns liebt." Hollerich ruft dazu auf, die Liebe Gottes zu entdecken, den nächsten nicht zu schnell verwerfen und die Kleinkriege, auch innerhalb der Kirche doch einfach zu lassen. "Gottesliebe mit Menschenliebe verbinden" und sich einsetzen für eine bessere Welt sei die Botschaft an die junge Generation, die angesichts von Klimaveränderung, krieg und Pandemie um ihre Zukunft fürchte.

Nach Opfer und Gabenbereitung wird die Kommunion verteilt, überall auf dem Platz. Ministranten mit gelben Sonnenschirmen weisen den Weg. Am Ende gibt es einen riesigen Applaus für Benedikt Nuding und seine Musiker für die herrliche Musik und für alle Beteiligten für diesen erhebenden Gottesdienst.

Zum Mittagsläuten beginnt das Festmahl, rund um die Basilika bieten die örtlichen Metzger und Gastronomen ganz unterschiedliche Speisen an, gegen eine Gabe in ein Spendenkässle. Das kühle Pater Philipp-Bier der Rotochsenbrauerei wird verkostet und gerne ein zweites mal. Überall auf dem Platz stehen Gruppen zusammen, sprechen über das Erlebte und genießen gemeinsam die Gastlichkeit der Kirchengemeinde. Vor dem Alten Stift sitzen Politiker und Geistliche mitten unter den Menschen und jeder kann sehen, dass sich auch Bischöfe und Kardinäle das Rotochsenbier schmecken lassen.

Mehr dazu lesen Sie unter: Stimmungsvolle Lichterprozession

Die evangelische Pfarerin Uta Knauss und Pfarrer Sven van Meegen.
Die Pfarrer, der Kardinal und die Bischöfe kommen vom Jeningengrab zurück.
Je nach Schätzung waren 2000, 3000 oder 4000 Menschen auf dem Marktplatz.
Auf dem ganzen Stiftsplatz verteilten Pfarrer die Kommunion. Ministranten mit gelben Schirmen wiesen den Weg.
Die Gabenbereitung: (v.l.) Kardinal Hollerich, Nuntius Eterovic, Bischof Fürst und Bischof Hanke.
Bewirtung auf dem Marktplatz: Das Pater-Philipp-Bier der Rotochsenbrauerei kam gut an.
Viele gehen nach dem Gottesdienst an das Grab von Pater Philipp. Manche knien auf die neue Grabplatte, auf der steht: Seliggesprochen am 16. Juli 2022
Das Jeningen-Porträt von Gerhard Stock ziert die Außenwand der Wolkensteinkapelle.
Kardinal Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, war Hauptzelebrant und hielt eine beeindruckende Predigt.
Der päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nicola Eterovic, spricht zu den Gläubigen.

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