Totschlag statt Mord? Fall des zu Tode misshandelten Jungen an diesem Montag vor Gericht

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Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunther Bühler entzündet in Aufhausen eine Kerze bei der Trauerfeier des Jungen.
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Der Mann, der beschuldigt wird, den 23 Monate alten Jungen im vergangenen Oktober getötet zu haben, sitzt am Montag vor dem Landgericht Ellwangen.

Ellwangen. Es herrschte Entsetzen, Betroffenheit, Ratlosigkeit, als im vergangenen Oktober die traurige Nachricht den Weg in die Öffentlichkeit fand: Ein 23 Monate alter Junge verstarb im Ostalb-Klinikum in Aalen, nachdem er offenbar schwer misshandelt wurde. Der Prozess startet an diesem Montag im Landgericht Ellwangen, es sind elf Verhandlungstage angesetzt. Die Anklage gegen den damals 32-jährigen Tatverdächtigen lautet Totschlag. Ursprünglich war er des Mordes angeklagt.

Wegen Totschlag vor Gericht

Der 33-jährige Lebensgefährte der Mutter wird im Oktober 2021 in U-Haft genommen - er gilt als tatverdächtig, dem Kleinkind die tödlichen Verletzungen, unter anderem durch einen heftigen Tritt in den Bauch, zugefügt zu haben. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Ellwangen lautet im Februar 2022 Mord und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Am ersten Verhandlungstag am kommenden Montag, 25. April, wird er des Totschlags beschuldigt. Wie Richter Heiko Baumeister berichtet, bestehe für die Schwurgerichtskammer aktuell kein Tatverdacht mit Hinblick auf Mordmerkmale. Je nach Schwere des Falles kann bei einer Verurteilung zum Totschlag eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

Als Mordmerkmale gelten zum Beispiel Habgier, Grausamkeit oder sonstige niedere Beweggründe. Laut Baumeister sei es nicht auszuschließen, dass während der Hauptverhandlung der Verdacht auf ein solches Mordmerkmal aufkommt.

Im vergangenen Februar lieferte die Staatsanwaltschaft tiefere Einblicke in die schrecklichen Geschehnisse. Der Angeschuldigte stehe im dringenden Verdacht, zwischen Anfang September 2021 und dem 21. Oktober 2021 in Bopfingen-Aufhausen einem knapp zweijährigen Jungen „eine Vielzahl multipler Verletzungen“ zugefügt zu haben, heißt es darin. Die Staatsanwaltschaft spricht hier von „stumpfer Gewalt gegen sämtliche Körperteile“ sowie von „Bisswunden“.

Die tödliche Verletzung stamme von einem starken Tritt gegen den Bauch des Kleinkinds. Dieser sei so heftig gewesen, dass eine Darmschlinge und die Bauchdecke des Kindes aufrissen. Das habe zu inneren Blutungen und letztendlich zum Tod des 23 Monate alten Jungen geführt. 

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