Unschuldige sinnlos ermordet

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Oberbürgermeister Michael Dambacher erinnerte im ehemaligen Steinbruch bei Neunheim am Nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.
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Beim ehemaligen Neunheimer Steinbruch wird an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Was die Render sagten.

Ellwangen-Neunheim

Mitglieder des Ellwanger Friedensforums und Oberbürgermeister Michael Dambacher erinnerten am Donnerstag im Rahmen des Nationalen Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus. Als Gedenkort wurde der ehemalige Steinbruch bei Neunheim ausgewählt.    

Leider war eine Gestaltung des Nationalen Gedenktages durch eine Ellwanger Schule pandemiebedingt nicht möglich. Dennoch wollte man diesen Gedenktag nicht ausblenden und die Erinnerung an die damaligen schrecklichen Geschehnisse der Nazizeit wach halten unter Berücksichtigung des lokalen Bezugs.

„Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog erklärte vor 26 Jahren den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee 1945, zum Nationalen Gedenktag“, bemerkte Oberbürgermeister Michael Dambacher im Neunheimer Steinbruch im Beisein von Stadträten und Leiterinnen und Leitern verschiedener Ellwanger Schulen und bitterkaltem Wetter.

„Die systematische Ermordung der europäischen Juden hat unbeschreibliches Leid gebracht. Sie wurden als nicht würdig abgestempelt. Leider glaubten viele Menschen in Deutschland der Propaganda der Nazis“, erklärte Dambacher. Er blickte auf  Auschwitz und seine Massenvernichtungsmaschinerie. Angst, Schmerz und Tod waren dort allgegenwärtig. Der Oberbürgermeister wies auf die Gefahren hin, die es auch in der heutigen Zeit gebe. Erinnerungsarbeit zu leisten sei heute deshalb umso wichtiger. Die Zeit des Nationalsozialismus, ihre abscheulichen Verbrechen und das sinnlose Morden müsse immer wieder ins Bewusstsein gerufen und vergegenwärtigt  werden. „Dies sind wir den Opfern der NS-Zeit einfach schuldig“, so Dambacher.

Tatort Neunheimer Steinbruch

Peter Maile vom Ellwanger Friedensforum berichtete vom Hessentaler Todesmarsch, einem Todesmarsch von KZ-Häftlingen, der im Zuge der Evakuierung des Außenlagers Hessental, Schwäbisch-Hall im April 1945 stattfand. Der Marsch führte auch über Ellwangen und Neunheim, über Zöbingen, Nördlingen nach Dachau.

Zahlreiche Häftlinge wurden auf dem Weg dorthin von SS-Soldaten gequält, geschunden und zum Teil grausam ermordet und erschossen. In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1945 erreichte der Todeszug Neunheim. Im Steinbruch bei Neunheim wurden zwischen 27 und 30 misshandelte und getötete Gefangene begraben.

„Sie wiesen alle Schusswunden auf“, erklärte Peter Maile. Er betonte am Ende: „Der Sinn und Zweck des Gedenktages ist nicht nur das Gedenken alleine sondern auch die Mahnung daraus zu lernen, um einzustehen dafür, dass so etwas Schreckliches nie wieder passieren darf.“  

Stadtrat Rudi Wiedmann schilderte im Zusammenhang mit den Ausführungen von Peter Maile die Erlebnisse seiner Schwiegermutter, die den Durchzug des Hessentaler Todesmarsches in Neunheim als 13-jährige selbst mit ansehen musste. „Sie sah, wie beim Gasthaus Hasen vom Hunger ausgemergelte Häftlinge um Brot flehten und einige der Gefangenen von Soldaten zu Tode geprügelt wurden. Das muss für sie unglaublich schmerzhaft gewesen sein.“  

Mahnmal soll gebaut werden

OB Dambacher erwähnte zum Schluss, dass ein Mahnmal beim Steinbruch in Neunheim und ein in Form eines sich von oben nach unten verjüngenden Treppenschachts gebaut werden soll. „Dies soll die Ausweglosigkeit der Häftlinge symbolisieren und eine stetige Mahnung sein.“

Oberbürgermeister Michael Dambacher (rechts) erinnerte beim Nationalen Gedenktag im ehemaligen Neunheimer Steinbruch an die Opfer des Nationalsozialismus.

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