Bürgermeister sein trotz Corona-Quarantäne

+
Unterschneidheims Bürgermeister Johannes Joas ist nach seiner Corona-Infektion genesen, zurück im Rathaus und erzählt, wie Rathauschef-Sein in Quarantäne funktioniert.
  • schließen

Johannes Joas erzählt, wie er die Amtsgeschäfte trotz seiner Infektion und in der Isolation gestemmt hat und wo die Grenzen waren.

Unterschneidheim

Ein Bürgermeister in Quarantäne, infiziert mit Corona. Damit ist Johannes Joas nicht der Einzige. Sein Ellwanger Kollege, Oberbürgermeister Michael Dambacher, war Ende vergangenen Jahres schon betroffen. Der hatte nur leichte Symptome gehabt, viel über Videokonferenzen aufgefangen. Wie sah es bei Unterschneidheims Rathauschef während seiner Infektion in den vergangenen zwei Wochen aus?

„Wenn ich im Urlaub gewesen wäre, hätte man das besser vorbereiten können“, sagte der frisch genesene Verwaltungschef auf SchwäPo-Anfrage am Dienstag. „Aber es hat gut funktioniert.“

Flach gelegen war er drei, vier Tage. Praktischerweise übers Wochenende. Von Freitag vorletzte Woche an. Da habe er tatsächlich nichts arbeiten können. „Montag war ich im Groben wieder verfügbar.“

Am Mittwoch zuvor hatte er sich freiwillig vorsichtshalber ins Homeoffice geschickt, da noch mit Negativtest. Und bei Beginn der Symptome am Freitag dann zügig die Rathauskollegen informiert. Und seine Stellvertreter. Verwaltungsintern ist das Hauptamtsleiter Jan-Erik Bauer. „Falls am Wochenende dringend etwas angestanden wäre.“

Was externe Angelegenheiten betrifft und wenn eine dringende Unterschrift nötig wäre, hätte dies einer der stellvertretenden Bürgermeister, Hermann Geiger oder Ansgar Uhl, übernehmen müssen. Das sei aber nicht notwendig gewesen. „Die Woche über habe ich telefonisch einfach viel angewiesen und hole das mit der Unterschrift nach“, berichtet Joas. Das habe gut geklappt und sei unkomplizierter als Videokonferenzen. Ein paar Dinge seien liegengeblieben. Aber das lasse sich aufarbeiten.

Erst sei die Überlegung gewesen, einen „Aktenshuttle“ einzurichten. „Das hätte dann das technische Gebäudemanagement übernehmen können. Die haben Fahrzeuge. Sie hätten dann alle zwei Tage die Aktenkisten zu mir nach Hause bringen können.“ Das sei dann aber nicht nötig gewesen. Die Aktenarbeit per Fernzugriff habe gut funktioniert.

Was nicht geklappt habe, sei das Vorhaben, eine digitale Verwaltungsausschusssitzung abzuhalten. Verwaltungs- wie Gemeinderatsmitglieder seien seit Jahren mit I-Pads ausgestattet. Doch viele Funktionen seien aus datenschutzrechtlichen Gründen gesperrt. „Es geht nur das, was die Verwaltung an Rechten einräumt.“ Die Geräte seien eingerichtet worden, als Corona noch kein Thema war. „Damals hat man noch nicht daran gedacht, dass man mal digital tagen können sollte. Wir haben zwar die nötige Änderung der Hauptsatzung vorgenommen, die Voraussetzung für ein digitales Tagen ist, aber mit der technischen Umsetzung haben wir uns noch nicht befasst.“ 

Suche nach App-Lösung

Die I-Pads auf die Schnelle „digitalsitzungsfähig“ zu machen, sei nicht möglich gewesen. Daher sei es „ein Glück“ gewesen, dass er sich habe frei testen und die Sitzung mit den Haushaltsberatungen am Montagabend in Präsenz habe abhalten können.

Jetzt wolle man aber doch nach einer guten App-Lösung schauen. „Es wäre ja Quatsch, das nicht auszunutzen. Aus Verwaltungssicht ist das ja der profanste Teil, die Technik. Die muss einfach beherrschbar sein.“

Und sonst hat alles ohne Präsenz funktioniert? Nicht ganz. „Wir hatten ein Vorstellungsgespräch für die Stelle eines Schulsozialarbeiters. Das hatten wir erst überlegt, digital zu machen. Haben dann aber beschlossen, dass wir da jetzt nichts verzögern. Die Stellenbesetzung ist zu wichtig. Rektor Stefan Vollmer hat das alleine übernommen.“

Auch zwei weitere wichtige nichtöffentliche Termine habe er nicht wahrnehmen können, sagt Joas. Da habe ihn Ortsbaumeister Eugen Lechner vertreten. „Da wäre es mir schon wichtig gewesen, dabei zu sein.“

Montag war ich im Groben wieder verfügbar.“

Johannes Joas, Bürgermeister

Zurück zur Übersicht: Unterschneidheim

Mehr zum Thema

Kommentare