Der Kiebitz soll sich wieder vermehren

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Der Kiebitz soll sich in Unterschneidheim wohlfühlen.
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Die Gemeinde Unterschneidheim hat eine Grünfläche als Ökokonto ausgewiesen, Sie dient gefährdeten Vogelarten als Nahrungs- und Brutstätte.

Unterschneidheim

Auf der Gemarkung Zipplingen liegt eine rund 8,4 Hektar große Grünfläche, die der Gemeinde als sogenanntes Ökokonto dient. Auf dieser Fläche, die erst im Frühsommer gemäht wird, sollen sich dauerhaft Kiebitze ansiedeln. Darüber hat der Hobby-Ornithologe Stefan Gerner den Ortschaftsrat bei einem Ortstermin informiert.

Der Kiebitz ist in der Roten Liste der Brutvögel bundesweit in der Kategorie 2 (stark gefährdet) gelistet. In Baden-Württemberg wird er sogar in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) geführt. Bis Mitte der 1980er Jahre hatten Vogelkundler im Raum Ellwangen-Bopfingen rund 40 Brutplätze von Kiebitzen gezählt. Vor zehn Jahren waren es gerade noch vier Plätze. Im Bereich der Unterschneidheimer Sechta hielt sich vor zwei Jahren etwa ein Dutzend von 50 im Regierungsbezirk Stuttgart bekannten Kiebitz-Paaren auf.

Kiebitze brüten auf dem Boden

Als Gründe für den rund 85- bis 90-prozentigen Rückgang nennt der Hobby-Ornithologe Stefan Gerner die Flurbereinigungen, bei denen feuchte Gebiete mittels Dränagen trockengelegt wurden. Und die im Vergleich zu früher intensivierte Landwirtschaft mit Biogasanlagen und den frühen Grasschnitten sowie dem zunehmenden Anbau von Sommerfrüchten auf den Äckern. Kiebitze würden im Frühjahr und auf dem Boden brüten. Bei der praktizierten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung seien in den vergangenen Jahrzehnten die meisten Nester zerstört worden.

Dass sich etwa ein Viertel des aktuellen Bestands im Regierungsbezirk am württembergischen Riesrand aufhält, führt Gerner auf die Renaturierung der Sechta und deren Zuläufe zurück. Um die Population zu steigern, späht Gerner jedes Frühjahr die Brutplätze aus und markiert sie. Zudem schützt er die Nester mit speziellen Metallkörben vor den natürlichen Feinden, dem Fuchs und Greifvögeln. Die meisten Landwirte seien kooperativ und würden die markierten Stellen bei der Bewirtschaftung umfahren, lobt Gerner. Hierzu musste er jedoch im Vorfeld Aufklärungsarbeit leisten.

Grünfläche dient als Ökokonto

Die Gemeinde habe vor vier Jahren bei Sechtenhausen eine rund 8,4 Hektar große Grünfläche zum „Ökokonto“ deklariert, erklärt der Bürgermeister, Nikolaus Ebert. Über dieses Punktesystem würden die bei der Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten als Ausgleich in die Natur in eben diese zu investierenden Maßnahmen verrechnet. Dazu müsse das Areal ökologisch aufgewertet werden. Dies sei unter anderem durch das Ausbaggern von vier Mulden geschehen.

In diesen Mulden, in denen sich im Frühjahr Wasser ansammelt, finde der Kiebitz Nahrung, weiß Gerner. An die Landwirte, die die gemeindeeigenen Flächen bewirtschaften, sei die Verpachtung mit Vorgaben verknüpft worden, sagt Ebert. Sie dürften die Grünflächen nur zeitlich versetzt und erstmals Mitte Juni mähen. Im Gegenzug müssten sie eine geringere Pacht zahlen.

Deshalb hofft Gerner, dass die vom Aussterben bedrohte Vogelart zunehmend in diesem Bereich brütet. Dann sei die Gefahr gebannt, dass die Nester und die darin liegenden Eier durch landwirtschaftliche Maschinen zerstört werden.

Bei den meisten Landwirten habe ein Umdenken stattgefunden, urteilt der Ortsvorsteher, Anton Diebold. Es sei zwar noch Potenzial da. Insgesamt „sind wir auf einem guten Weg“, resümiert Diebold.

Ich hoffe, dass der Kiebitz zunehmend in diesem Bereich brütet.“

Stefan Gerner, Hobby-Ornithologe

Steckbrief: Der Kiebitz

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) stammt aus der Familie der Regenpfeifer, hat etwa die Größe von Tauben und an der Oberseite ein grünlich schimmerndes Federkleid. Den Namen trägt er aufgrund seiner gleich klingenden Lautäußerungen. Der Kiebitz bevorzugt offenes, flaches und feuchtes Dauergrünland sowie Überschwemmungsflächen. Insekten, deren Larven und Würmer bilden die Hauptnahrung. Zudem ernährt er sich von Samen, Getreidekörnern und Früchten von Wiesenpflanzen. Mit Gras ausgepolsterte Nester in Bodenmulden dienen der Brut von drei bis vier Eiern. Als Hauptbrutzeit gelten der April und der Mai.
Die Küken schlüpfen nach knapp 30 Tagen. Sie können mit etwa fünf bis sechs Wochen fliegen. Kiebitze überwintern im Mittelmeerraum und in Nordafrika (Quelle: NABU)

Hobby-Ornithologe Stefan Gerner (rechts) beging mit dem Ortschaftsrat das Unterschneidheimer „Ökokonto“.

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