Einmal in die Frankenmetropole und zurück

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Motorradserie Unterschneidheim Nürnberg Wöhrder See
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Landstraßen-Festival im Fränkischen. Ein Badesee mitten in der Großstadt und der Verzicht auf mehrere Abstecher.

Unterschneidheim. Es ist ein richtiges Landstraßen-Festival. Und damit ein Ausgleich zu der Tuckerei an den Rändern des Kochertals von neulich. Nicht, dass das nicht schön und spannend wäre. Aber wenn man mal einen Tag lang die meisten Kilometer im höchsten Gang fährt, und sich dabei die Autobahn weitgehend spart, ist das auch toll. Und es kommt eher ein Reisefeeling auf. Man hat nicht das Gefühl, diese Tour auch schnell nach Feierabend noch absolvieren zu können.

Es geht los in Unterschneidheim. Ein guter Ort ist der Parkplatz des Regionalmarktes Bengelmann. Von dort über Tannhausen und Eck am Berg nach Mönchsroth. Weil der Reporter nicht immer dieselben Straßen fahren will, düst er jetzt nach Wilburgstetten, um mal auf der B 25 nach Dinkelsbühl zu brettern. Im Städtle rechts in die Bechhofener Straße und auf der Staatsstraße 2220 ebendahin. In Bayern haben sie keine Landes-, sondern Staatsstraßen. Sind ja auch ein Freistaat.

Über ein paar kleiner klassifizierte, aber kaum minder ausgebaute Straßen nach Weidenbach. Dort will er einen Abstecher zum Schloss Sommersdorf machen, findet aber keinen Hinweis auf das alte Wasserschlössle. Und bald kommen noch andere Probleme. Der Reporter hat Merkendorf als Zwischenziel. Bei Willendorf ist er mit seiner Weisheit am Ende. Überall geht’s auf die B 13, eine breite, schnurgerade Bundesstraße, die er eigentlich vermeiden wollte. Rumkurven hilft nicht. Schließlich kapituliert er und nimmt die 13-er bis Merkendorf in Kauf. Das Städtle ist sehr hübsch, man tuckert auf Kopfsteinpflaster durch den Stadtkern. Außenrum wäre es bestimmt langweilig gewesen.

Jetzt geht’s wieder flott auf der 2220 nach Wolframs-Eschenbach. Da klingelt’s doch bei einem alten Germanisten! Es gilt tatsächlich als Heimatort des mittelalterlichen Dichters Wolfram von Eschenbach, der unter anderem den „Parzival“ geschrieben hat. Ein ausnehmend schöntes, pittoreskes Städtchen. Das wäre für sich mal einen Besuch wert. Der Reporter düst aber weiter nach Windsbach und von dort aus nach Heilsbronn. Er ist scharf auf ein paar schnelle Straßenkilometer bis nach Nürnberg. Viel Schwerverkehr auf der B 14 trübt dieses Vergnügen.

Die Hauptstadt Frankens, zweitgrößte Stadt Bayerns mit einer wirklich schönen, großen Altstadt mit der beeindruckenden Kaiserburg. Und wo will der SchwäPo-Reporter hin? Zum Wöhrder See, in der Oststadt gelegen. Dumm nur, dass er die Frankenmetropole im Südwesten entert. Dort kennt er sich ein bisschen aus, findet auf den Innenstadt-Gürtel und hadert dort mit den Staus.

Hat er nicht sich neulich abfällig über Motorrad-Navis geäußert? Geschenkt! An passender Stelle bei einem Autohaus hält er an, gibt „Wöhrder Talübergang“ ein bei „here we go“, drückt sich die Ohrhörer-Knubbel in die Gehörgänge und steckt das Smartphone in die Innentasche seiner Signalweste. Zehn Minuten später steht er auf einem Parkplatz in der Bartholomäusstraße.

In Nürnberg wird die Pegnitz zum Wöhrder See gestaut. Ursprünglicher Zweck war der Hochwasserschutz. Der westliche Teil liegt in einem Park, er wird als Freizeitsee genutzt. Bei der Bartholomäusstraße ist sogar ein schönes Stück Sandstrand aufgeschüttet. Dort gibt es ein Café und öffentliche Toiletten. Auf der anderen Seeseite, an der Norikerstraße, bietet ein Bootsverleih Ruderboote und Tretboote fast aller Farben und Formen an. Ganz im Westen des Sees, bevor er wieder zum Fluss wird, gewinnt man mit einem Wasserkraftwerk elektrischen Strom. Der östliche Teil des Sees ist übrigens dem Artenschutz vorbehalten.

Der Reporter isst einen mitgebrachten Apfel, gönnt sich Cappuccino und ein Eis, verzichtet aber aufs Schwimmen. Durch den Zeitverlust im Stadtverkehr ist es spät geworden. Kein Bock mehr auf Innenstadt-Ring. Und so nimmt er die B 8, Ausfallstraße in Richtung Süden, um vom Kreuz Nürnberg-Süd bis zur Abfahrt Schwabach-West auf der A 6 zu sausen.

Schwabach markiert das nordöstliche Ende der Bundesstraße 466, die über Nördlingen, Neresheim, Heidenheim und Geislingen zur A 8 am unteren Ende des Albaufstieges führt. Der Zweiradpilot verzichtet auf einen Abstecher zur Burg Abenberg, auch der große Brombachsee hat’s ihm nicht mehr angetan. Dafür die B 466 umso mehr.

Diese Bundesstraße ist ein sehr gelungener Kompromiss zwischen Fahrspaß und Vorwärtskommen. Weil parallel östlich im Abstand von 20 Kilometern die super ausgebaute B 2 von Nürnberg über Donauwörth nach Augsburg führt, hat man auf den 466-er kaum überregionalen Schwerverkehr. Und so jagt der Reporter seine alte BMW über Gunzenhausen und Gnotzheim (von links oben grüßt Schloss Spielberg) nach Oettingen, wo er endlich eine Tankstelle findet. Dann über Maihingen, Marktoffingen und Geislingen nach Unterschneidheim.

Am Parkplatz des Supermarktes stehen 213 Tageskilometer auf dem Zähler. Sicher hätten es wegen der einen oder anderen kleinen Rumkurverei ein paar weniger sein können. Der Spruch „weniger ist mehr“ gilt aber nicht auf dem Motorrad, und schon gar nicht an einem warmen und trockenen Sommertag.

Bronzeskulptur am Sandstrand des Wöhrder sees in der Nürnberger Oststadt

Nürnberg

Nürnberg, jetzt 520.000 Einwohner und in jüngster Zeit ständiger Sitz des Christkindles. Zweitgrößte Stadt Bayerns. Erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1050. Ihre erste Blüte erlebte Nürnberg (fränkische Aussprache: „Nämberch“) als eigenständige Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichsab 1219. Überregional bedeutsam sind auch Nürnbergs weihnachtlicher Christkindlesmarktsowie das Germanische Nationalmuseumund mehrere weitere Museen. Globale Wahrnehmung erreichte die Stadt im 20. Jahrhundert während der Zeit des Nationalsozialismus, als auf dem Reichsparteitagsgeländedie jährlichen Reichsparteitagestattfanden und die Nürnberger Gesetzeverabschiedet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt mit den Nürnberger Prozessenhingegen zum Schauplatz der ersten Urteile auf Grundlage des Völkerstrafrechtsund erwarb sich den Titel „Stadt der Menschenrechte“.

Weitere Informationen:

Schloss Sommersdorf: www.schloss-sommersdorf.de

Wolframs-Eschenbach: www.wolframs-eschenbach.de

Wöhrder See: www.nuernberg.de

Burg Abenberg: www.frankentourismus.de

In der Wegend von Weidenbach durchfährt der Motorrad-Reporter eine klassische Allee.
Durchs Torhaus fährt man ins Zentrum des Städtchens Merkendorf.
Aufgeschütteter Sandstrand am Wörder See in Nürnberg, im Bereich der Bartholomäusstraße. Dort sind auch ein Café und öffentliche Toiletten.

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