Erzieherinnen sind die Leidtragenden

+
Bürgermeister Johannes Joas (links) und Pfarrer Francesco Antonelli freuen sich mit Kindergartenleiterin Andrea Frankenreiter, dass mit der Aufstockung des Personalschlüssels sich die Situation im Kindergarten entspannen soll.
  • schließen

Warum die Erzieherinnen in St.Maria seit fünf Jahren auf Entlastung hoffen, Pfarrer Antonelli ums Durchhalten bittet und sich nun endlich etwas tut

Unterschneidheim

Seit Jahren arbeiten sie am Limit. Die Erzieherinnen in St. Maria müssen entlastet werden. Da sind sich Kirchengemeinderat und kommunaler Gemeinderat einig. Ein einstimmiges „Ja“ gab's von beiden Seiten für eine Personalerhöhung um eine 88-Prozent-Stelle. Pfarrer Francesco Antonelli sagte: „Es gibt einfach keine Alternative zur Erhöhung.“

Er könne die Erzieherinnen nur bitten, weiterhin zu überbrücken, bis Entlastung komme. „Ich habe volles Verständnis für ihre Situation, weil sie alles geben.“ Für den Haushalt bedeutet dies Mehrkosten zwischen 42800 und 49000 Euro. Doch: „Der Bedarf ist einfach da und die Familien sind auf die Betreuung angewiesen“, pflichtet Bürgermeister Johannes Joas Pfarrer Antonelli bei.

Die Kirche ist freie Trägerin, die Kommune aber zuständig. Im nächsten Schritt geht das Anliegen nach Stuttgart. Der dortige Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) ist nun am Zug. Er muss die veraltete Betriebserlaubnis des Kindergartens von 2004 prüfen und anpassen.  Erst dann kann mehr Personal eingestellt werden.

„Aus Sicht der Erzieherinnen bestand die Problematik auch schon vor Corona“, weiß Antonelli. Er habe deshalb damals schon mit der Kommune gesprochen, eine Veränderung angeregt. „Im Prinzip wissen wir seit fünf Jahren, dass man etwas machen müsste.“ Auch der Wechsel auf dem Posten des Verwaltungschefs habe die Sache verzögert. „Alles, was durch mehrere Gremien muss, ist ein langwieriger Prozess“, sagt Unterschneidheims Pfarrer. Corona habe dann noch ein Übriges getan. Weniger Sitzungen hätten stattgefunden. Beim Kirchengemeinderat online die Meinung von 16 Ratsmitgliedern abzuklären sei auch nicht so einfach, manche ältere Mitglieder mit der Technik nicht vertraut.

Die Leidtragenden seien die Erzieherinnen gewesen. „Sie sind an der Front.“ Falle nur eine aus, werde es schon schwierig. Der große Knackpunkt sei einfach auch: „Wir kriegen kein Personal mehr. Wenn ich vor zehn Jahren eine Erzieherinnenstelle ausgeschrieben habe, dann hatte ich zehn bis 15 Bewerbungen auf dem Tisch. Heute muss ich froh sein, wenn es eine ist.“ Jetzt sei klar: „Wir wollen aufstocken.“ Dass sich jemand bewirbt, können Pfarrer, Eltern, Kinder und Gemeinde nur hoffen. Was diese Problematik zusätzlich erschwert, ist – wie könnte es auch anders sein – die Bürokratie: Unterschneidheim liegt unweit der bayrischen Grenze.

Bürokratie bremst auch hier

Wäre also interessant für eventuelle Bewerber oder Bewerberinnen aus dem Nachbarbundesland. Doch: „Wir dürfen nur bayrische Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen einstellen, die die staatliche Anerkennung haben. In Bayern ist diese nicht nötig. Wie soll man so etwas Eltern vermitteln?“ Da würde es vielleicht einen geeigneten Kandidaten, eine geeignete Kandidatin geben, die eine gute Ausbildung hat, sich für die Stelle interessiert, die die ersehnte Entlastung bringen könnte – und dann scheitert es daran, dass das Länder- und nicht Bundesgesetz ist. „Das hat auch mich als Pfarrer betroffen.“ Er habe zuvor in der Diözese Fulda, also in Hessen, gearbeitet. Als er dann in die Diözese Rottenburg-Stuttgart gewechselt sei, habe er noch Zusatzkurse und eine Nachprüfung machen müssen. „Das ist einfach lachhaft. Das ist es, was die Dinge mühsam macht.“

Im vergangenen Jahr habe er einen Flyer bekommen. Von einer Organisation, die Erzieherinnen aus Spanien an deutsche Einrichtungen vermittelt. „So weit sind wir schon“, bedauert Francesco Antonelli. Den Flyer hat er entsorgt. „Ich finde so etwas nicht richtig. Im Kindergarten haben unsere Kinder wesentliche Kontakte zu anderen Menschen, sie werden erzieherisch begleitet. Das ist so ein wichtiger Job.“ Diese Stellen müssten gut besetzt sein und nicht mit einer Notlösung. „Da müssen wir das Beste geben.“

Die Stelle ausschreiben kann Antonelli erst, wenn der KVJS sein Okay gegeben hat. Er hoffe, dass dieses bis Ostern eintreffe. Spätestens bis zum Beginn des neuen Kindergartenjahres im September soll die neue Stelle besetzt sein. „Ich hoffe allerdings, dass wir es schneller schaffen. Wenn sich niemand bewirbt, kriegen wir allerdings ein Problem.“ Jetzt sei es aber erst mal sehr positiv und wichtig, dass es endlich vorwärts gehe.

Das ist es, was die Dinge mühsam macht.“

Francesco Antonelli, Pfarrer

Zurück zur Übersicht: Unterschneidheim

Mehr zum Thema

Kommentare