Kliniken: Bläse sieht auch Chancen

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Landrat spricht in Unterschneidheim über die Situation an den Kliniken Ostalb und die ärztliche Versorgung auf dem Land.

Unterschneidheim. Wie geht es in Sachen Kliniken weiter? Das war eine Frage, die die Unterschneidheimer brennend interessierte, als Landrat Dr. Joachim Bläse zum Tag der Städtebauförderung in die Gemeinde am Rande des Ostalbkreises gekommen war.

Das Thema sorge für viel Unruhe, so Bläse. „Wir haben erst vor wenigen Wochen im Bereich Schwäbischer Wald ein Modell entwickelt, das auch für andere Bereiche des Landkreises eine Option sein könnte.“ Ärzte und Kommunen hätten sich zusammengeschlossen, die Genossenschaft Medwald gegründet. Hier werde ein öffentliches Nahversorgungszentrum mit schlanker Verwaltungsstruktur und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten geschaffen.

Insgesamt sei es einfach so, dass im Kreis 30 Hausarztsitze unbesetzt seien. „An den Kliniken Ostalb fehlen uns derzeit 19 Ärzte. Um alle Betten betreiben zu können, bräuchten wir 89 Pflegekräfte mehr“, erläuterte der Landrat den Unterschneidheimer Bürgern. Durch den Personalmangel bei Ärzten und Pflegepersonal könnten derzeit 140 Klinikbetten nicht betrieben werden.

Personalmangel ist ein großes Problem

In manchen Häusern gebe es keinen Kardiologen. Konkret: Bei der St. Anna-Virngrundklinik gibt es keine kardiologische Hauptabteilung. Beim Stauferklinikum beschäftigen die Kliniken Ostalb kardiologische Honorarärzte, da dort aktuell zu wenig Kardiologen angestellt sind, um ein vollständiges Dienstsystem aufrecht zu erhalten. In acht Fachabteilungen können die Ruf- und Bereitschaftsdienste zur ärztlichen Patientenversorgung nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Dies wird derzeit durch Honorarärzte ausgeglichen. „Das betrifft auch die Unfallchirurgie: Wir haben nicht ausreichend Unfallchirurgen, um die Patientenversorgung an drei Standorten 24 Stunden, sieben Tage in der Woche sicherzustellen. Daher beschäftigen wir auch hier regelmäßig Honorarärzte“, schilderte Bläse die Situation.

Am schlimmsten sehe es bei der Versorgung der Frühchen aus. Hier gebe es nicht ausreichend Fachärztefür Neonatologie und Fachschwestern für Intensivmedizin. Bläse: Neonatologen und Intensivpflegefachkräfte für Kinder seien Spezialisten, die in Deutschland besonders knapp seien. „Da hab‘ ich doch lieber einen Standort, der funktioniert, als keinen, bei dem die Versorgung wirklich gut ist“, folgert Landrat Bläse. Er sei sich dessen bewusst, dass das Thema „total emotional“ werde.
Und: Lediglich 55 Prozent der Fälle, die derzeit in einer Klinik behandelt würden, seien echte Notfälle, der Rest der Fälle elektiv. Da wähle der Patient also ohnehin, in welches Krankenhaus er gehe.

Bläse: Erreichbarkeit ist wichtigster Faktor

Für ihn sei die Erreichbarkeit der wichtigste Faktor. Wegen der Wirtschaftlichkeit sollte es am besten einen Standort in der Mitte des Ostalbkreises geben. In drei Standorten alle Leistungen anzubieten, werde auf Dauer schwierig.
Eine Versorgungsstruktur über Rettungsnotärzte, die vor Ort kommen, müsse aber in jedem Fall gewährleistet sein. „Das geht gar nicht anders. Das ist gesetzliche Pflicht.“ Das Genossenschaftsmodell habe Potential. „Das ist eine Chance. Das spüre ich“, so der Landrat.

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