Mit „Schipp“, „Schell“ und Schlachtplatte

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Bei Günter Schürrlein (von links), Wolfgang Baumann, Christa Bach und Emma wird mit Leidenschaft und Spaß gekartelt.

Warum Schafkopf die Generationen in Unterschneidheim spielend verbindet und Johannes Halds Spezialkraut legendär ist

Unterschneidheim. Im Sekundentakt fliegen die Karten auf den Tisch. Und das Minenspiel der Vier ändert sich beinahe im selben Rhythmus: Günter Schürrlein (71), Wolfgang Baumann (46), Emma (12) und Christa Bach (69) karteln in der Turnhalle. Genauso wie 20 andere Unterschneidheimer. Mit einem Schafkopfturnier begann am Samstagabend die Kirchweih des SC Unterschneidheim und des Jugendträgervereins.

Es ist die dritte Kirchweih. Im letzten Jahr musste sie pandemiebedingt ausfallen. Die Turnhalle – herbtlich-hübsch geschmückt von der Vorsitzenden Daniela Baumann und ihren Helferinnen T – füllt sich zusehends. Aus der Küche duftet es verführerisch. Dort sorgen Martin Nagler und Christian Frick als Küchenchefs mit ihrem 23-köpfigen Team, dass der Laden läuft und kein hungriger Magen lange warten muss. Auf Reh- und Schweinebraten, Schlachtplatte, Bratwürste und Johannes' Spezialkraut.

„Wir wollten der Gesellschaft wieder was bieten. Das ist ja auch eine Aufgabe, die ein Verein hat: im Dorf ein bissle was loszumachen“, so der Vorsitzende Fabian Joas. „Nur schade, dass es mit dem Gottesdienst hier bei uns in der Halle diesmal nicht klappt.“ Am Tisch 1 bei Christa, Günter, Wolfgang und Emma verfliegt die Zeit generationenübergreifend. Fast 30 von 60 Partien sind gespielt: Solo oder im Rufspiel, mit den Trümpfen „Ober“, „Unter“, den Farben „Kreuz“, „Schipp“,,Schell“, als „Schneider“, wenn man 2 Punkte bekommt oder „Schwarz“, wenn man leer ausgeht. Als Nichtkartler versteht man nur Bahnhof beim Zusehen. Wie war das eben mit dem Spielzug? „Das ist eine längere Geschichte“, winkt Emma ab. Sie kennt sich aus, spielt gern mal mit Papa Martin, Mama Andrea und Opa Anton. Hält nun super mit. Die Augen aufs Blatt gerichtet. Ihr Schnitzel ist nur halb gegessen, die Pommes kalt. Keine Zeit. Dafür volle Konzentration. Warum sie mitspielt? „Weil Schafkopf total Spaß macht.“ „Das hält das Gehirn beieinander und ist abwechslungsreich“, findet Baumann. „Wenn man das fast 60 Jahre spielt, kann man nicht mehr aufhören“, sagt Schürrlein. Christa Bach erzählt: „Als ich damals vor 55 Jahren angefangen habe, bin ich fast wie eine Aussätzige behandelt worden. Eine Frau und Schafkopf... Heute ist das ganz normal.“

Während Emma rasch die nächste Runde ausgibt, rührt Johannes Hald in der Küche in seinem Krauttopf. Der Dritte in der Runde der SC-Vorsitzenden verschafft 60 Kilo Sauerkraut an diesem Wochenende. Und es geht weg wie warme Semmeln. „Johannes' Kraut ist legendär“, lächelt Joas. Sein Geheimnis? Es gibt kein Rezept. Rein kommt alles, was das Gefühl des Maschinenbauingenieurs so sagt: „Speckla, Zwiebla, Wacholderbeeren, Apfelmus, Weißwein...“ Das Wichtigste: Einen Tag vorkochen. Damit's so richtig schön durchgezogen ist.pe

Das 25-köpfige Küchenteam des SC Unterschneidheim versorgt die Kirchweih-Gäste mit Wild, Schlachtplatte und selbstgemachtem Salat.

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