„Platzwirt“ in Unterschneidheim: Pfandsystem entlastet Mülleimer

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Erst die Currywurst, dann eine Ladung Pommes, am Schluss die Soße: Platzwirt-Chefin Anja Eiberger Fuchs befüllt die Mehrwegbehälter für ihre Kunden. Die finden das neue umweltfreundliche Pfandsystem super.
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Wie das Lokal „Platzwirt“ für Nachhaltigkeit sorgt, mit Mehrwegschalen Plastikmüll vermeidet und auf diese Weise Kunden begeistert.

Unterschneidheim

Kurz nach 12 Uhr. Mittagszeit. Ein Mann in Schaffhose biegt mit seinem Rad in die Badgasse. Auf den Gepäckträger geschnallt: eine dunkelgrüne „Bowl“. Darin: Jägerschnitzel mit Spätzle. Tagesessen vom „Platzwirt“. Vor knapp zwei Monaten hat Platzwirt-Chefin Anja Eiberger-Fuchs umgestellt: auf umweltfreundlich. Statt in Einwegverpackungen füllt sie ihren Kunden Gulasch, Geschnetzeltes, Bratwürste mit Kraut oder Salat nun in die grünen Mehrwegschalen.

Für die Tagesessen gibt’s einen Wochenplan – nach Wunsch per Mail, ansonsten auch auf der Homepage einsehbar. Wer öfter sein Essen in der Gaststätte holt, zahlt einmalig fünf Euro, bringt beim nächsten Mal seine Schale wieder mit, gibt sie ab und bekommt eine andere, in der bereits das Mittagessen dampft.

Das System funktioniert also im Tausch, wie bei einer Sprudelkiste. In der „Platzwirt“-Küche steht ausreichend Reserve. 1000 Stück hat die Familie angeschafft. „Wenn jemand am Sonntag sich ein Essen holt, bringt er das Geschirr ja nicht gleich am nächsten Tag zurück.“ 

To-Go-Geschäft nimmt zu

„Für uns war das ein längerer Prozess“, erzählt die Wirtin. Wer macht mit? Wie ist die Handhabung? „Das To Go-Geschäft nimmt jeden Tag mehr zu.“ Ab 11.30 Uhr ist Rushhour unter der Woche.

Doch auch am Wochenende steige die Nachfrage. Da holten sich Familien gern fünf, sechs Essen. „Die Schalen sind auslaufsicher. Da lässt sich auch Braten mit Soße transportieren.“ Und wenn was zuhause schon etwas abgekühlt ist: Deckel runter und ab in die Mikrowelle.

Die Rückmeldungen der Kunden seien absolut positiv: „Für viele ist es ja doch wichtig, nachhaltig unterwegs zu sein.“ Pfarrer Francesco Antonelli ist einer von ihnen und begeistert. Seine Tupperdosen können im Schrank bleiben. Jetzt geht’s deutlich einfacher: „Das ist genial. Kein Plastikmüll. Meine Mutter und ich genießen das richtig und es ist eine echte Entlastung.“

Zur Mittagszeit beliefert Anja Eiberger-Fuchs regelmäßig die Firma Leitz im Unterschneidheimer Industriegebiet. Bei 30 Essen kam bisher ganz schön was an Müll zusammen. Und eine treue Kundin ist auch Anneliese Schmid. „Die bringen mir das Essen ins Haus, stellen es mir direkt auf den Tisch“, erzählt die 93-Jährige dankbar. „Doa krigsch sovell Zeigs zamma, dess isch nemme normal“, kritisiert sie, was sich vor der Umstellung aufs Pfandsystem an Müll bei ihr ansammelte.

Hilfreich während Corona

„Wir sind wirklich froh, dass der „Platzwirt“ das jetzt so macht mit den Mehrwegschalen“, sagt auch Kreissparkassen-Kundenberaterin Ann-Kathrin Staiger. Durch Corona habe man bei vielen Anbietern die eigenen Gefäße nicht mehr mitbringen dürfen zum Befüllen. „Da musste man Einweg nehmen.“ Ein Mittagessen mit Kollegen fülle so schnell mal einen Gelben Sack. „Da überlegt man sich dann schon, ob man sich überhaupt etwas zu essen holt.“ „Es wäre schön, wenn das noch mehr anbieten würden“, stimmt Kollegin Manuela Maier zu.

Junge Leute nutzen Einweg

Ohne Einweg geht‘s bisher aber nicht. „Das nutzen besonders die jungen Leute“, weiß Eiberger-Fuchs. Auch jetzt drängen sich einige Schüler im Empfangsbereich des Gasthauses, um sich eine Portion Spätzle, Pommes oder Wedges zu kaufen. Zum Schülerpreis. Für die jungen Gäste hat die Wirtin immer ein Plätzchen in der Gaststube oder im Biergarten.

Und wie finden die nun das neue umweltfreundliche Pfandsystem? „Wenn wir in der Mittagspause hier etwas zu essen holen und dann das Geschirr in der Schule dabei haben müssen, ist das umständlich. Wenn ich es nur abholen und dann damit heimgehen würde, wäre das gut“, sagt Silas (16). „Das ist ja einfach umweltfreundlich und man verwendet nicht so viel Plastik“, ergänzt Annalie (15).

So funktioniert das Pfandsystem

  • Anja Eiberger-Fuchs hat sich genau überlegt, welches System sie nutzen will. Und sich für „rebowl“ entschieden. Dazu gibt’s die Recup-App, die verrät, wo die Schüssel in der Gegend außerdem genutzt oder abgegeben werden kann.
    Dann gibt's natürlich die fünf Euro Pfand zurück. Beispielsweise bei der Metzgerei Böhm in Aalen, Bopfingen oder Neresheim, beim Dirgenheimer „Kreuz“ und „Kreuz & quer“ in Bopfingen und im Landhotel Oßwald in Kirchheim.
Mit dem neuen Mehrweg-Pfandsystem des Platzwirts lässt es sich umweltfreundlich genießen.

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