Sie dichtete überall: auch beim Melken

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Theresia Nagler in ihrem kleinen Museum in Unterschneidheim. Die Unterschneidheimer Mundartdichterin zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung viele gesammelte Gegenstände rund um das Thema „ Alte Volkskunst“.
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Die 90-jährige Theresia Nagler öffnet nun wieder ihr kleines Museum. Wie das Museum entstand und wie sie zur Schreibkunst kam.

Unterschneidheim

Gesammelte Interessen aus der religiösen und ehemaligen Volkskunst stehen bei Theresia Nagler hoch im Kurs. Mit den Aufhebungen der Corona-Regeln eröffnete die Mundartdichterin und Autorin wieder ihr kleines schmuckes Museum auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen. Das freudige Ereignis kam pünktlich zu ihrem 90. Geburtstag, den Theresia Nagler vor wenigen Tagen feiern konnte.

Eine Vielzahl von Ausstellungsschwerpunkten hat Theresia Nagler seit dem Jahre 1990 fast jährlich geleitet. Hierbei setzte die Schriftstellerin sehr unterschiedliche Merkmale ihrer Präsentationen ein. Sowohl das Motto „Einfach spitze“ wie die Themenbereiche „Landwirtschaft“ und das „Erzgebirge“ ergänzten ihre traditionellen und geliebten Weihnachtsausstellungen mit Erzählungen in dargebotener Kunst und Gegenständen aus den Burgenlegenden und der heimatlichen Küche.

Von der Turnhalle zum Museum

Der Beginn ihrer Ausstellungen fand zunächst in der Turnhalle in Unterschneidheim statt. Inzwischen dient ein ehemaliger Tierstall, der grundlegend renoviert wurde, als dauerhaftes Museum.

„Für mich ist die Präsentation der Sammlungen zuhause einfacher“, erzählt Theresia Nagler. „Denn die Ausstellungsgegenstände befinden sich direkt auf meinem Dachgeschoss“, erzählt sie.

Bei ihrer aktuellen Vorstellung von religiösen und volksnahen Schätzen erinnert sich Theresia Nagler gerne an ihre Jugend. „Viele kleine Handarbeiten habe ich während meiner Internatszeit in Schwäbisch Gmünd kennengelernt“ berichtet sie. Denn dort hat die Landfrau einige Monate ihrer Jugend gelebt.

Aufgewachsen ist Theresia Nagler in Unterschneidheim. Nach ihrer Heirat mit ihrem Ehemann Otto Nagler wurde sie eine Bäuerin mit Herz und Seele. Die Kontakte zu ihrem ehemaligen Internat in Schwäbisch Gmünd hat sie ständig gepflegt.

Während eines Treffens in der Gmünder Bildungsanstalt las Theresia Nagler eine ihrer ersten selbst verfassten Gedichte. Begeistert lobten frühere Mitschüler ihre feinsinnige Schreibkunst – und motivierten Theresia Nagler zu weiteren Schriften.

„Mein Ehemann war nicht gerade angetan von meinem Schreiben“, erinnert sich Theresia Nagler „Deshalb habe ich oft heimlich im Stall unter einer Kuh beim Melkvorgang gedichtet“, schildert sie heute lachend. „Sobald mein Mann kam, habe ich den Schreibstift versteckt“, erinnert sich die Bäuerin schelmisch.

Auch in den Nächten, als ihr Ehemann tief schlief, griff Theresia Nagler heimlich zu Bleistift und Papier. Es folgten erste Druckexemplare von Büchern, die Theresia Nagler in Zusammenarbeit mit einem kulturellen Verein veröffentlichte. Insgesamt vier Erscheinungen mit Gedichten die unter Titeln wie „Wenn i so die Welt betracht“ und „Gschrieba hab ich ällerhand“ kamen aus dem Verlag.

Stift und Papier

Geschrieben hat Theresia Nagler stets eigenständig mit Stift und Papier, denn eine Schreibmaschine hatte sie zuhause nicht. „Im Internat dachte ich, als tatkräftige Bäuerin brauche ich keine Tastaturen“, bedauert sie zuweilen.

Die Lesungen von Theresia Nagler erfreuten sich bald hoher Beliebtheit und so wurde die Autorin oft zu Präsentationen ihrer schwäbischen Reime in der Region verpflichtet. Die Schreibkunst und ihr Gespür für feinsinnige Anekdoten erreichten auch überregionale Medien. Und so wurde Theresia Nagler zeitweise ein gern gesehener Gast bei vielen Radio- und Fernsehsendern. Auch im Filmgeschäft wurde die muntere Autorin entdeckt und sie erhielt eine humorvolle Rolle bei den Dreharbeiten.

Liebe zur Landwirtschaft

In der Schriftkunst ihrer Mutter wurde ebenfalls eine Tochter von Theresia Nagler geprägt. Als eine von fünf Geschwistern arbeitet sie heute als Journalistin in einer schwäbischen Redaktion.

Die Liebe zu der Landwirtschaft hat die 90-Jährige bis heute gerne bei behalten. Die Pflege ihrer großen Gartenanlage rund um das Haus ist für die rüstige Seniorin eine fast täglich Verpflichtung. Eine Fürsorge für Igel gehört ebenfalls zu den erlernten landwirtschaftlichen Ermessungen der leidenschaftlichen Bäuerin. Denn mehr als zwölf kleine Igel werden von ihr in den Sommermonaten und im Winter gehegt und gepflegt.

Die Ausstellungsgegenstände befinden sich direkt auf meinem Dachgeschoss.“

Theresia Nagler

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