Was Bläse an Unterschneidheim beeindruckt

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Der Kinderchor des Liederkranzes begrüßte unter der Leitung von Yvonne und Hubert Haf Landrat Dr. Joachim Bläse mit einem fröhlichen Po-Wackel-Song in Unterschneidheim.
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Warum die Bürger des Sanierungsgebietes „Neue Mitte“ eine einmalige Chance haben, es für den Gemeinderat unangenehm wird, was der Landrat der Gemeinde empfiehlt.

Unterschneidheim. Mit lustigen Floh- und Powackelsongs hatte der Kinderchor des Liederkranzes Unterschneidheim unter Yvonne und Hubert Haf dem Chef des Landkreises einen fröhlichen Empfang bereitet, als dieser am Mittwochnachmittag zum Tag der Städtebauförderung in die Gemeinde gekommen war.

Die Verwaltung hatte die Veranstaltung als Spaziergang konzipiert, so dass Landrat Dr. Joachim Bläse an verschiedenen Stationen in Augenschein nehmen konnte, was sich in Sachen Entwicklung alles tut in Unterschneidheim. Was seit Bewilligung der Fördermittel des Landes 2018 im Sanierungsgebiet schon passiert ist: der „Platzwirt“ als private Maßnahme ist fertig, die neuen Räumlichkeiten der Vereine im Untergeschoss der Sporthalle ebenfalls, der Neubau der Bopfinger Bank gut vorangeschritten, der Rathausneubau sichtlich mitten im Werden, der Platz, an dem sich der alte Ratssaal befand, in einem guten Zwischenzustand und Franz-Bühler-Platz samt Sechtengasse und Bachlauf selbst ein Bereich mit viel Potential. 2,5 Millionen von möglichen sieben Millionen seien bereits geflossen, informierte Martina Uhl vom Bauamt.

Angesichts des Rathausneubaus sagte Bläse, diese Form der Städtebauförderung sei enorm wichtig für den ländlichen Raum: „Ohne schaffen wir solch‘ große Projekte nicht.“ Am Franz-Bühler-Platz stellte Jan Currle von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung Stuttgart die Überlegung in den Raum, wie es mit dem alten Ortskern Unterschneidheims weitergehen soll. Also alles zwischen Kirche und Schlössle. Das verbindende Element sei die Sechta. Hier sei einerseits der Hochwasserschutz wichtig, andererseits die Zugänglichkeit, um diesen Freizeitraum erlebbar zu machen. Bläse unterstützte kräftig: „Nutzen Sie das Grün. Machen Sie alles das, was Sie hier machen können. Hier ist das Geld gut angelegt. Das ist etwas, was Ihnen in Zukunft bleibt.“ Aufenthaltsqualität im Grün, am Wasser zu schaffen, habe enormen Wert, erst recht angesichts der klimatischen Veränderungen. 

Ein anderes Thema für Currle: „Wir haben jetzt eine einmalige Chance hier durch die Fördermittel, grade auch private Maßnahmen anzugehen.“ Wohnraum könne geschaffen werden. Diese Möglichkeiten gebe es nur jetzt. „Die gab es davor nicht und wird es danach nicht mehr geben.“ Die Bürger im Sanierungsgebiet müssten verstehen, welche Chance sie gerade hätten. Bläse bestätigte, an innerörtlicher Nachverdichtung führe kein Weg vorbei. „Wir können mit neuen Baugebieten nicht immer nur in die Fläche gehen.“ Das werde auch dem Gemeinderat unangenehme Entscheidungen abverlangen. 

Bei der Baustelle der Bopfinger Bank Sechta Ries erläuterte Franz Zekl, warum sich die Bank entschlossen hatte, in Unterschneidheim bewusst Wohnraum und Gewerbeflächen zu schaffen. „Das ist das, was die Gemeinde braucht.“ Außerdem dürfe die „alte Mitte“ nicht aufs Abstellgleis, müsse belebt werden.

Zumal es erst Bläses zweiter Besuch in Unterscheidheim war, gab‘s für ihn viel zu erfragen: Wie die Feuerwehr aufgestellt ist, es dort mit Nachwuchs aussieht, ob jeder Teilort einen eigenen Sportverein hat, wie das mit dem Schlössle ist, die Partnerschaft mit Volvic entstand (die Geschichte erzählte Unterschneidheims Ortsvorsteher Stefan Hönle), es um die Kindergartenplätze bestellt und die Verwaltung aufgestellt ist, wie es ihr mit der Besetzung der neuen Stellen erging.

Dass der öffentliche Nahverkehr ein heikles Thema ist, ist ihm bewusst: „Ich weiß schon, dass man selbst ein 1-Euro-Ticket machen könnte und das alles nichts nutzt, wenn kein Bus fährt. Wir sind beim ÖPNV im Umbruch.“ In Unterschneidheim gelte es die besondere Lage nah an Bayern zu berücksichtigen. Sein Plädoyer angesichts der großen Herausforderungen der Zeit: „Jeder einzelne zählt. Den muss man in die Gruppe bringen, in den Verein, die Vereine zusammen und dann haben Gemeinderat und Ort einen guten Rückhalt, egal was kommt. Die Krisen werden uns nicht ausgehen.“

Dazu zähle auch, dass jeder seinen Platz habe, egal ob jung, alt, zugezogen oder alteingesessen, unabhängig von Hautfarbe und Glauben. „Wir brauchen alle, damit‘s funktioniert.“

Eine klare Aussage gab‘s auf Nachfrage wegen des knackigen Tempo 30-Themas in der Ortsdurchfahrt Zöbingen. Gemeinderat und Ortschaftsrat hatte sich klar für ein Tempolimit für Lkw ausgesprochen, das Lärmgutachten aber ergeben, dass die Belastung für die Anwohner so hoch ist, dass “Tempo 30 für alle” locker drin ist. Der Wunsch von Ortschafts- und Gemeinderat war dennoch klar gewesen. Die Aussage des Landrats dazu sinngemäß: Ihr dürft Eure Meinung sagen, aber entscheiden wird das Regierungspräsidium.

Das Resümee des Landrats: „Ich bin mehr als positiv überrascht über die Dynamik, Zuversicht und Perspektive, die in Unterschneidheim da ist. Man spürt: Die haben einen Plan und den setzen sie auch um. Für uns im Kreis ist das ein wichtiges Signal, dass der ländliche Raum Zukunft hat.“

Der Kinderchor des Liederkranzes begrüßte unter der Leitung von Yvonne und Hubert Haf Landrat Dr. Joachim Bläse mit einem fröhlichen Po-Wackel-Song in Unterschneidheim.
Landrat Bläse (li)
„So einen Maibaum hab ich noch nie gesehen“, bewunderte Landrat Dr. Joachim Bläse Unterschneidheims Prachtexemplar.
„So ein tolles Restaurant würde ich mir bei mir zuhause in Lindach auch wünschen“, zeigte sich Joachim Bläse beeindruckt von Anja Eiberger-Fuchs‘ saniertem „Platzwirt“.

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