Vandalismus am Bucher Stausee: kein Kavaliersdelikt

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Leer gelaufen: Das Vorbecken des Bucher Stausees.
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Wie die Behörden das Ablassen des Vorbeckens am Bucher Stausee durch Unbekannte am Wochenende einordnen.

Rainau-Buch

Der See ist leer.“ Mit diesen Worten hatte Seewärter Alwin Egenmeier am Montagfrüh das Wasserwirtschaftsamt alarmiert. Aufmerksam geworden war er, weil das Hauptbecken des Bucher Stausees voller Vögel war. Da konnte etwas nicht stimmen. Bei seiner Kontrolle stellte er fest, dass unbekannte Vandalen vermutlich am Wochenende das Vorbecken – gut 80000 Kubikmeter Wasser - aus dem Biotop neben dem Bucher Stausee abgelassen hatten .

„Die Schieber sind von Unbekannten geöffnet worden und der komplette Inhalt ist abgeflossen“, sagt Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Was das für die Kleinstlebewesen bedeute, sei noch nicht abzusehen. „Auf Dauer zerstört ist der Bereich nicht“, so Hauptkommissar Achim Taglang vom Bereich Umwelt und Gewerbe beim Polizeipräsidium Aalen. Der Fischbestand sei nicht verloren, da er in den See abgeschwemmt worden sei.

„Wir haben uns das heute angesehen“, sagt er am Dienstagvormittag. Das Wasser sei schon wieder ein gutes Stück angestiegen. „Wir waren selbst überrascht, wie zügig die Jagst das Becken wieder füllt.“ Der materielle Schaden sei wohl relativ gering. Doch es werde nun wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz Paragraph 44 ermittelt. „Wir haben dort streng geschützte europäische Wildvogelarten. Die sind durch den Eingriff während ihrer Überwinterungs- und Wanderungszeit erheblich gestört worden.“

Josef Gentner, technischer Betriebsleiter beim Wasserverband Obere Jagst, ist „völlig überrascht“. Er arbeite seit 45 Jahren in diesem Bereich. So etwas sei aber noch nie vorgekommen. „Wir sind ratlos. Sehen einfach keinen Grund, warum jemand so etwas macht, wer da ein Interesse daran haben könnte.“ Unter Dummer-Jungen-Streich, kann er den Eingriff der Vandalen nicht abtun. „Das war eine mutwillige Aktion.“ Der Grundablass werde über zwei Schieber reguliert. Diese seien über die Steuerungsanlage ganz geöffnet worden. „Da kommt man nicht so einfach hin. Das ist über ein abgeschlossenes Geländer gesichert und die Bedieneinheiten für die Steuerung sind auch nicht so einfach zu finden.“ Da habe sich schon jemand angestrengt.

Nachdem sich der Seewärter bei ihnen am Montagfrüh im Wasserwirtschaftsamt gemeldet habe, seien sie sofort zum Vorbecken und hätten die Schieber wieder geschlossen, damit die Biotopfläche nicht lange trocken liegt. „Das war nicht einfach und musste aufwändig gereinigt werden, weil eine Menge Äste und anderes Material den Bereich der Schieber versperrten. Aber es ist immerhin gelungen.“ An dem ganzen Schlamm, der in den Stausee geflossen sei, lasse sich allerdings nichts mehr ändern. „Wir haben keine Möglichkeit, da technisch etwas zu verbessern. Das ist jetzt so.“ Er rechne mit keiner großen Beeinträchtigung, könne sie aber auch nicht ganz ausschließen. „Jede Art von Schlamm, die in ein Gewässer einfließt, ist negativ. Wenn wir – weil wir unsere Anlagen auf Schäden prüfen – so etwas machen müssen (dies kam seit zehn Jahren nicht mehr vor), dann lassen wir sehr langsam und vorsichtig ab, damit möglichst nur ein klein wenig Schlamm mitkommt“, erklärt Gentner.

„Es ist kein Schaden entstanden“, sagt Voin Stojanovic, Vorsitzender des Angelsportvereins Aalen. „Um diese Jahreszeit sind nur vereinzelt Fische drin und es sind auch keine Amphibien betroffen.“ Es habe ja nun schon Nachtfrost gegeben und auch an der Wasseroberfläche liege die Temperatur bei ungefähr null Grad. Da fahre auch das Leben im Biotop gegen null. „Amphibien haben sich da schon vergraben, Unken, Lurche und ähnliches haben sich schon verkrochen.“ Daher seien sie in ihren Winterquartieren geschützt gewesen.

"Das war eine mutwillige Aktion."

Josef Gentner , Technischer Betriebsleiter Wasserverband
Die Jagst füllt das Becken nach dem Schließen der Schieber wieder. Die geschützten Vögel wurden dennoch empfindlich gestört, viele Fische sind verendet.
Leer gelaufen: Das Vorbecken vom Wehr aus gesehen. Normalerweise finden hier zahlreiche geschützte Arten ein Refugium.
Um das Wehr zu öffnen, bedarf es einer gehörigen Kraftanstrengung.

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