Wenn beim Miststreuen die Augen leuchten

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Dieser Miststreuer fasste gerade einmal zwei Kubikmeter Mist. Die Mechanik der Auswurfwalzen und des Kratzbodens wurde über die Räder angetrieben.
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Wie ein alter McCormick-Miststreuer von Norrköping in Schweden zu Thomas Vatter nach Killingen kommt.

Ellwangen-Killingen

Wenn ein alter Miststreuer für leuchtende Augen sorgt, dann muss er schon etwas Besonderes sein. Thomas Vatter hat vier Jahre lang gesucht und fast 1000 Euro investiert, bis er seinen Miststreuer bei sich in der Halle 7/1 stehen hatte. Jetzt strahlt er und erzählt, wie die Maschine in seinen Besitz gekommen ist. Das Modell S200 von der Firma AB International Harvester CO wurde in Norrköping in Schweden hergestellt. Auf den ersten Blick sieht die Maschine ziemlich verrostet und recht unspektakulär aus. Doch wenn man erfährt, dass dieses Modell bereits zu Zeiten des zweiten Weltkrieges hergestellt wurde, damals noch für den Betrieb mit Pferden, dann staunt man doch.

"Der Einachser hatte vorne ein Tastrad und hier einen Sitz für den Fahrer. Hier konnte man zwei Lannen einhängen, zwischen denen das Zugpferd eingespannt war", beschreibt Thomas Vatter wie das Modell S 200 für Pferdegespann aussah. Sein Exemplar dürfte bereits für Traktoren gebaut worden sein, die Baureihe gab es bis 1955.

Damals waren in Deutschland Miststreuer noch nicht verbreitet. "Zu der Zeit brachte man hier in unserer Region den Mist noch mit einem einfachen Leiterwagen und der Mistgabel aus." In Schweden, wo das Werk stand, sind die Streuer dagegen leichter zu finden. Beim Feldtag in Nordhorn, ein Fest für Landtechnikfreunde oben im Emsland, lernte Vatter den Schweden Jan Arvidsson kennen. Der Landtechnikfan suchte ihm einen Miststreuer und versprach, ihn sogar nach Deutschland zu bringen. Dann kam Corona und alles verzögerte sich. Vor einigen Wochen, Vatter hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, kam endlich der Anruf, der McCormick stehe bereits bei einem Landmaschinenhändler in der Nähe von Bremen. Ein befreundeter LKW-Fahrer brachte die Maschine dann mit seinem Autotransporter nach Killingen, zwischen fabrikneuen Audi A7. Der Transport war nicht billig, schließlich kam der Miststreuer mit der Fähre über Kiel. "Das war kein Schnäppchen, aber die Maschine ist das Geld wert", sagt der Sammler.

Thomas Vatter ist auf einem Bauernhof groß geworden. Schon der Vater hatte ein Faible für alte Maschinen und das hat sich auf den Sohn übertragen. Es ist die robuste Technik, die ihn fasziniert: "An einem solchen Gerät konnte der Dorfschmied praktisch alles reparieren. Da brauchte man kein Ersatzteil beim Hersteller anfordern. Alles ist aus stabilem Material. Der Bretterboden, die Ketten, die Wellen, sogar die Reifen, das ist alles noch original."

Und genauso möchte Vatter diese Maschine auch erhalten. Mit Lack wird er ganz bestimmt nicht nachhelfen, mit Schmierfett und Öl schon. Landtechnikfreunde von seinem Schlag setzen auf die Patina, alles soll funktionieren, aber auf keinen Fall wie neu aussehen. Wenn er beim nächsten Landtechniktreffen, vielleicht in Tannhausen, in Röhlingen, oder irgendwo im Allgäu mit seinem alten Allgaier-Traktor und diesem Miststreuer vorfährt, wird der McCormick bestaunt werden, weil es diese Maschine in Süddeutschland nicht gab. Wenn Vatter dann sogar noch zweieinhalb Kubikmeter Pferdemist vor den Augen der Zuschauer ausbreitet, dürfte es viele leuchtende Augen geben. Gerhard Königer

  • Über das Landtechnikmuseum Halle 7/1
  • Besucher: Das private Museum Halle 7/1 in Killingen zeigt auf 700 Quadratmetern und drei Etagen Maschinen, Geräte, Traktoren, Heuernter und Ausstattung aus der Zeit von 1832 bis in die 70er Jahre. Wer die Sammlung von historischen Maschinen und Geräten in Killingen besuchen will, kann sich unter Tel. (07965) 802446 oder E-Mail vatter.thomas@freenet.de anmelden. Bilder von der Sammlung und Videos von den Maschinen im Einsatz sieht man unter www.vatter-killingen.de
Typenschild des Miststreuers, der in Schweden hergestellt wurde.
Auswurfwalzen des IHC-Miststreuers: Der Antrieb erfolgte über die Räder des Einachsers.
Thomas Vatter mit dem IHC-Miststreuer, den er aus Schweden einführen ließ. Die Sammlerszene ist längst international.

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