Wie Corona soziale Dienste fordert

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Die Mitarbeiter von Rettungsdiensten führen ihre Einsätze im Schutzanzug aus.
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Das Corona-Virus stellt vor allem die Rettungsdienste vor eine große Herausforderung. Wie ambulante Pflegedienste und Fahrdienste damit umgehen.

Ellwangen/Aalen

Abstand halten und Körperkontakt vermeiden. Das sind in Zeiten von Corona nicht mehr wegzudenkende Alltagsregeln. Allerdings gibt es viele Berufe, bei denen gerade diese Verordnung nicht immer eingehalten werden kann. Wie etwa bei den verschiedenen Fahrdiensten wie Dialyse- und Arztfahrten, beim Rettungsdienst und dem Pflegedienst. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sozialen Dienste und Rettungsdienste kommen den Menschen von Berufs wegen besonders nahe. Wie verändert das Coronavirus ihren Arbeitsalltag?

Das sagt der Rettungsdienst: Rafael Pohlner ist stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes der Malteser in Nord- und Ostwürttemberg. Sein Arbeitsalltag hat sich stark verändert. Vor allem im Punkt Hygiene. "Unsere Schutzmaßnahmen sind verstärkt und an uns angepasst", sagt Pohlner. "Wir müssen jetzt wirklich immer davon ausgehen, dass jeder Patient mit dem Virus infiziert ist", sagt Pohlner.

Für den nötigen Schutz sorgen die FFP2 Schutzmasken. Müssen die Rettungsdienstler bei einem Einsatz von einer Infektion des Patienten ausgehen, dann ist ein vorbeugender Schutz zwingend notwendig: dazu zählt ein Mund- und Augenschutz, ein Schutzanzug sowie ein Haarschutz.

"Wenn wir schließlich am Einsatzort sind, geht der Notfallsanitäter zuerst rein. Dieser trägt einen kompletten Schutzanzug und prüft die Lage", erläutert Pohlner. In diesem Beruf ist das Risiko, sich selbst zu infizieren, sehr hoch. Darum müssen nach jedem Einsatz die Fahrzeuge gründlich gereinigt werden. Sie kommen in einen sogenannten Desinfektionsauftrag.

"Das heißt, die Einsatzfahrzeuge werden bis in die kleinste Ecke gereinigt", erklärt Pohlner. Und nach jedem Einsatz werden die Rettungsleute für den nächsten Einsatz geblockt. "Trotz der großen Herausforderung, mit der wir täglich zu kämpfen haben, sind wir mit Ausrüstung und Schutzmaßnahmen sehr zufrieden".

Das sagt der Pflegedienst: Bei Pflegedienstleiterin Corinna Schindler von den Maltesern hat sich ebenfalls einiges verändert. Täglich fahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Touren, um ältere und kranke Menschen zu pflegen oder ihnen bei Alltagsdingen zu helfen. "Wir haben auf einer Tour etwa 25 bis 35 Patienten, die wir versorgen müssen", erklärt Schindler.

Man muss davon ausgehen, dass jeder Patient infiziert ist.

Rafael Pohlner stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes der Malteser in Nord- und Ostwürttemberg

"In Einzelfällen kommt es vor, dass einer unserer Patienten mit dem Corona-Virus infiziert ist", sagt Schindler. "In solchen Fällen tragen wir bei der Versorgung von infizierten Patienten sogenannte Vollschutzkittel, die das Risiko einer Infektion verringern helfen sollen", erklärt Schindler.

Das sei zum einen für die Pfleger eine große Herausforderung, aber auch für die Patienten. "Denn der Anblick dieser Vollschutzkittel wirkt auf sie oft sehr befremdlich", sagt Schindler. Die komplette Schutzmontur sei aber auch für den Pfleger ziemlich belastend und erschwere die Arbeit. "Gerade im Sommer kann es unter dem Anzug ziemlich heiß werden."

Das sagt der Fahrdienst: Zum allgemeinen Fahrdienst gehören vor allem Dialyse- und Arztfahrten sowie die Schülerbeförderung und Werkstatttouren. "Seit Mitte März sind die Touren im Schulbeförderungs- und im Werkstattbereich ausgesetzt", sagt Thomas Rosenkranz-Stein, Ansprechpartner des Fahrdiensts beim DRK.

Vor allem die Fahrer trifft diese Krise hart. "Unsere Fahrer abreiten nur noch im geringfügigen Bereich", erklärt Rosenkranz-Stein. Seit knapp drei Wochen bieten sie in Ellwangen und Bopfingen eine spezielle Beförderung an, um Schüler und Kindergartenkinder zur Notbetreuung zu fahren. Ab Donnerstag, 14. Mai soll es auch mit den Werkstatttouren wieder losgehen. "Allerdings werden statt acht Fahrgäste lediglich vier Fahrgäste befördert."

"Für die Schülerbeförderungen erhielten wir teilweise eine finanzielle Unterstützung. Für die Werkstatttouren wurde bis dato keine Unterstützung geplant", berichtet Rosenkranz-Stein. "Man merkt, dass es so langsam wieder los geht", sagt er und in seiner Stimme schwingt Hoffnung mit.

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