Wie der Wald den Klimawandel aushält

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Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Der Staatsbetrieb Forst BW setzt in der zehnjährigen Forsteinrichtung auf mehr Mischwald und weniger Fichte.
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Mit der neuen zehnjährigen Forsteinrichtung werden Stellschrauben verändert. Im Forstbezirk Virngrund halten sich die Hitzeschäden noch in Grenzen.

Ellwangen. Seit dem 1. Juli läuft das neue Wirtschaftsjahr im Forst und gleichzeitig gelten die Vorgaben der zehnjährigen Forsteinrichtung. was es damit auf sich hat, erklärt der Vorstand von Forst BW, Felix Reining, in einem Waldabteil beim Griesweiher. Weiches Moos bedeckt den Boden, Fichten, um die 80 Jahre alt, weiter hinten sieht man eine Buche: „Die Kolleginnen und Kollegen schauen sich ein Jahr lang jeden einzelnen Bestand im Staatswald der jeweiligen Forstbezirke ganz genau an.“ Die Forsteinrichtung, die Waldinventur, also die Erfassung des Bestands, liefert die Daten, um für die nächsten zehn Jahre Ziele der Waldbewirtschaftung festzulegen. Ursprünglich sollte so Übernutzung vermieden werden. Heute plant man damit den Umbau des Waldes auf eine Struktur, die dem sich verändernden Klima besser Stand hält.

„Die Temperatur im Forstbezirk Virngrund ist jetzt schon um 1 bis 1,5 Grad gestiegen, wir haben mehr Trockenjahre und Extremwetterereignisse“, stellt Manuel Braunger fest, Leiter des Forstbezirks. Weil der Virngrund quasi der Kühlschrank in Baden-Württemberg ist und der Anteil der Fichte hier mit 40 Prozent besonders hoch, ist diese Baumart hier vom Klimawandel besonders betroffen. Wie zum Beweis steht eine vertrocknete Fichte da. Trockenperioden und Hitze machen die Baumart anfällig für Schädlinge wie den Borkenkäfer, der in kürzester Zeit ganze Baumgruppen abtöten kann. Die zweithäufigste Baumart ist die Rotbuche mit 21 Prozent.

Unter dem klimaresilienten Waldumbau stellen sich die Forstleute eine bessere Durchmischung von Laub und Nadelbäumen vor. Eichen, Buchen, Ahorn, Erlen und anderes Laubholz soll in die Fichtenkulturen einziehen, außerdem Douglasie, Tanne und Kiefer, wo sich die Standorte dafür eignen. Reining zeigt auf kleine Pflänzchen, die aus dem Moos aufgehen. Man sieht Eichen, Buchen, Ahorn. „Die Pflanzen sind da, wir müssen sie fördern und eventuell auslichten, damit sie aufwachsen können“, sagt Reining.

Dass die Situation im Virngrund noch verhältnismäßig gut ist, zeigen die Daten der Forsteinrichtung: in den vergangenen zehn Jahren ist der Holzvorrat um 10 Prozent gewachsen, von 303 Festmeter pro Hektar auf 333. Blickt man auf die Verteilung der Baumarten, sieht man, dass die Fichte 3 Prozent verliert, auch die Esche geht von 2 auf 1 Prozent zurück, eine Folge des Eschentriebsterbens. Zugewonnen hat der Anteil der Rotbuchen, Eichen, Roterlen, Weißtannen, Douglasien, Kiefern.

Helmut Weißhaar erklärt als erfahrener Forsteinrichter, wie die Erfassung der Daten konkret abläuft: Über den gesamten Forstbezirk ist ein Stichprobenraster gelegt, 1 Punkt pro 4 Hektar Fläche. Dort sind Marken im Boden versenkt, für Waldarbeiter und Förster unsichtbar. Nur die Einrichter kennen diese Marken und können nun ganz genau vermessen, wie sich der umstehende Wald verändert hat. Diese Werte werden auf mobilen Geräten in die bestehenden Karten eingetragen, auf denen bereits eine Vilefalt von Parametern vermerkt ist: Bodenverhältnisse, Nutzung, Ob es sich um Biotop oder FFH-Gebiet handelt, sogar Bodendenkmale sind verzeichnet.

„Das ist mehr Waldentwicklung als Waldumbau“, sagt Reining und die brauche ihre Zeit. Es gehe nicht nur um Pflanzen von anderen Baumarten. Ohnehin setzen die Fachleute stark auf Naturverjüngung, also Samen, die von Natur aus nachwachsen. Man überlässt auch einen steigenden Anteil der Flächen sich selbst, schafft sogenannte „Refugien“, die aus der Nutzung genommen sind. Rund 600 der insgesamt 18 151 Hektar Wald im Forstbezirk Virngrund sind jetzt ausgewiesene Refugien, Wälder die sich komplett selbst überlassen sind. Hinzu kommen Habitatbaumgruppen, Biotope, Naturschutzgebiete und FFH-Gebiete, auf denen die Holznutzung eingeschränkt ist. Auch ein Alt- und Totholzkonzept verfolgt der Staatsbetrieb, der dafür sein Holz FSC-zertifiziert vermarkten kann.

Mehr Baumarten, mehr Abwechslung, mehr Tierarten, aber weniger Holz zum Ernten: auf diesen Nenner könnte man den klimaresilienten Wald bringen, den die Forstleute anstreben. Mischwald wächst nicht so schnell wie es die Fichte in Monokultur die vergangenen 200 Jahre tat. Und noch eines ist nicht recht klar: ob und wie die Holzindustrie das Laubholz nutzen kann. Bislang wird Eiche und Buche noch allzu häufig als Brennholz genutzt, wodurch der gebundene Kohlenstoff schnell wieder zu CO2 wird. Fichte dagegen wird als Bauholz verwendet, das eingelagerte CO2 bleibt also dauerhaft gespeichert.

(v.l.) Manuel Braunger, Helmut Weißhaar, Felix Reining.
Manuel Braunger (l.) und Felix Reining
Fichte ist bevorzugtes Schnittholz der Sägeindustrie. Wie kann mehr Laubholz sinnvoll verwertet werden?

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