Wie die Umstellung von konventionell auf bio klappt

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Über 70 Interessierte besuchen während eines Infotags der Bio-Musterregion Hohenlohe den Lautenhof in Engelhardsweiler.

Die Bio-Musterregion Hohenlohe lädt zum Informationstag über die Bio-Schweinehaltung ein.

Ellwangen-Engelhardsweiler. So viel Besuch hatten die Brenners noch nie. Über 70 Gäste waren am Donnerstagnachmittag auf den Biolandbetrieb Lautenhof in Engelhardsweiler gekommen: Landwirtskollegen, Tierärzte, viele Mitarbeiter von Landwirtschaftsämtern oder auch Futtermittelfirmen. Zu großen Teilen aus dem Landkreis Schwäbisch Hall, aus Kupferzell und Crailsheim.

Eingeladen hatte die Bio-Musterregion Hohenlohe zu einem Informationstag über die Bio-Schweinehaltung. Im Schloss Kirchberg hörten die Interessierten Vorträge zu Themen wie: Funktioniert die Bioschweinehaltung? Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich umstellen möchte von konventionell auf bio? Welche Chancen bietet eine Umstellung?

Mit dem Bus ging es anschließend nach Engelhardsweiler. Dort zeigten Vater und Sohn – Alois und Andreas Brenner - , wie die Umstellung auf bio funktionieren kann. Sie selbst hatten diesen Schritt vor viereinhalb Jahren gemacht: die Ställe um- und neugebaut, zwei neue Abferkelabteile erreichtet. Eine Stange Geld hat es die Familie gekostet. Aber sie bereut nichts. „Es ist super. Top. Durchweg gut. Ich würde das sofort wieder machen“, ist Andreas Brenner (24) überzeugt. „Mir persönlich macht das Schaffen viel mehr Spaß.“ Warum? Es sei einfach etwas anderes, wenn die Tiere auf Stroh leben, wenn sie Auslauf hätten, wenn man im offenen Stall arbeiten könne. Die Arbeit sei abwechslungsreicher, die einzelnen Tätigkeiten weniger zeitintensiv, da sich die Stückzahl der Tiere reduziert habe. „Und wirtschaftlich stehen wir besser da.“ Außerdem gebe es ein gutes Gefühl, im Ackerbau ohne chemische Hilfsstoffe zu arbeiten.

Das ist auch einer der Hauptpunkte, warum sich Heiko Reinhardt, stellvertretender Landesvorsitzender von Bioland Baden-Württemberg und verantwortlich für das Projekt bei der Bio-Musterregion Hohenlohe, so hinter das Thema geklemmt hat: „Viele Landwirte, die konventionell Schweine halten, sind unheimlich frustriert.“ Die Preise für konventionell erzeugtes Schweinefleisch seien „historisch ruinös“, der Konkurrenzkampf mit den großen Betrieben in Norddeutschland für die kleinen und mittleren hiesigen Betriebe aussichtslos. Da sei der Gedanke ans Aufgeben naheliegend.

Genau dagegen will Reinhardt vorgehen. „Wir sind eine klassische, tolle Region für die Schweinezucht, haben die Kompetenz, viel Erfahrung.“ Und fruchtbaren Boden, wie Fritz Wolf von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ergänzt. Mit „bio“ lasse sich von der Schweinehaltung leben. Bei der konventionellen Form nicht, so wie sich der Markt entwickelt hat. Da sind sich die Fachleute beim Informationstag einig. Ziel der Bio-Musterregion Hohenlohe ist es, die Landwirtsfamilien zum Umdenken zu bewegen: Nicht mehr ans Aufgeben denken, sondern ans Neuorientieren auf „bio“. „Das kann die Lösung für die Familienbetriebe sein“, so Reinhardt. Die Preise seien stabil, ansteigend und auf zehn Jahre voraus gesichert.

„So wie es jetzt ist, geht's nicht weiter“, sagte Julian Heim (22) aus Schrozberg. Er hat seinen Bachelor in Landwirtschaft frisch in der Tasche. Und will den elterlichen Betrieb übernehmen. Aber umstellen. Auch wenn Papa Gerhard (58) noch zweifelt.
„Wir haben einen Mangel an Mastschweinen und -ferkeln“, berichtete Daniel Schloz von der rebio (Regionale Biolanderzeugergemeinschaft). „In Baden-Württemberg hätten wir das Potential, doch die Landwirte sind zögerlich. Sie haben Angst.“ Der komplette Ackerbau müsse umgestellt werden, Ställe um- oder neugebaut werden. „Dafür muss die Familie viel Geld in die Hand nehmen“, weiß Reinhardt. Es sei ein großer Schritt für einen Betrieb. Der Infotag brachte ihnen Klarheit, was auf sie zukäme, wie ein Umbau während des laufenden Betriebs möglich ist und wo sie Unterstützung bekämen. Panja Tillmann-Mumm

Die Ferkel bleiben länger bei den Muttersauen. Und haben im Stall Nester mit Fußboden- und Wandheizung.

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