Wie Pater Philipp Jeningen bis heute Mut und Kraft gibt

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Philipp Jeningen
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Viele verehren den Volksmissionar, dessen Seligsprechung am 16. Juli gefeiert wird.

Ellwangen. In der Liebfrauenkapelle im Kreuzgang der Basilika, wo das Grab von P. Philipp Jeningen ist, liegt stets ein kleines Buch auf, wo Besucherinnen und Besucher anonym niederschreiben können, wofür sie Hilfe beim „guten Pater Philipp“ suchen. Von diesem Buch gibt es viele Bände, die ein anschaulicher Beleg für die Verehrung des Jesuiten sind. Vom Schüler, der um gute Noten bei der Klassenarbeit bittet, bis zum Unternehmer, der um die Zukunft seiner Firma fürchtet, findet man darin einen Spiegel des Lebens unserer Zeit mit allen seinen Nöten und Problemen.

Dass die Verehrung des Paters, der 1642 in Eichstätt geboren und am 8. Februar 1704 in Ellwangen gestorben ist, so andauernd sein würde, war damals nicht zu erwarten, obwohl Philipp Jeningen schon zu Lebzeiten durch Selbstlosigkeit und sein grenzenloses Vertrauen in die Kraft des Gebets viele Menschen beeindruckte. Bis zuletzt unterwegs im Virngrund, im Ries, auf dem Härtsfeld und weit darüber hinaus, grundsätzlich zu Fuß war er war „Missionär“ in den Dörfern. Nach den schlimmen Verwüstungen des 30-jährigen Krieges herrschten Not und Elend, er gab den Verängstigten, Verzweifelten und seelisch Verwahrlosten die Hoffnung und den Glauben an den fürsorgenden Gott zurück. 

Eigentlich war Jeningen 1680 als Beichtvater an die Wallfahrtsstätte auf dem Schönenberg bei Ellwangen geschickt worden, die immer größeren Zulauf hatte. Sein Lebenswunsch war das nicht. Die Jesuiten gingen damals nach Indien oder Amerika, in die heidnische Welt, wo noch viele Seelen zu retten waren. Seine Vorgesetzten hielten den jungen Pater aus Eichstätt, der zuvor als Lehrer in Mindelheim und Dillingen arbeitete, für gesundheitlich zu angeschlagen, um die Mission im fernen Osten zu bestehen. Also Ellwangen, die Fürstpropstei, die sich nur langsam vom Kriegselend zu erholen begann. Fürstpropst Johann Christoph Adelmann von Adelmannsfelden war gebildet, und gläubig, selbst Priester, den umtriebigen Jesuiten wusste er bald zu schätzen. Auch Ignatius Desiderius von Peutingen, Verwalter des Fürstpropsts, schenkte Jeningen bald sein Vertrauen.

Jeningen war gefestigt, die „Nähe zur Macht“ und der Einfluss auf die Mächtigen, den er bald gewann, konnte ihn nicht vom Weg der Askese abbringen. Die Sorge um die Hilfsbedürftigen, die Bekehrung der einfachen Menschen zum reinen Glauben, blieb sein Antrieb. Dem blieb er treu, egal ob er in den Hütten einkehrte oder in den Palästen.

Auf seine Bitten hin öffnete Adelmann die Staatskasse für den Bau der Schönenbergkirche. Auslöser war der Legende nach ein Gewitter im September 1681, ein Stadtbrand drohte, nach dem Beten zu Maria erlosch das Feuer. Von Peutingen schenkte, als er 1718 starb, sein gesamtes Vermögen den Jesuiten, um in Ellwangen eine Schule einzurichten, das Gymnasium, das heute Peutingens Namen trägt.

Aus den Tagebüchern und den vielen Briefwechseln, die Pater Philipp mit verschiedenen Personen hatte, ist sein Leben, Denken und Wirken ersichtlich. Er lebte die Frömmigkeit des Barock, glaubte an Himmel und Hölle und Wunder. In das Krankenkreuz, das er um den Hals trug und mit dem er die Menschen segnete, waren auf der Rückseite, kleine Reliquien eingelassen. Schon zu Lebzeiten riefen die Kinder ihn „den Heiligen“. Am 16. Juli wird er selig gesprochen.

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