Wie Schrezheim zu Ellwangen kam

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Vor 50 Jahren wurde Ellwangen durch die Eingemeindung von Schrezheim, Rindelbach und Röhlingen zur Großen Kreisstadt.

Ellwangen-Schrezheim

Bezeichnenderweise war es häufig die Schule, an der sich die Diskussionen um Vor- und Nachteile einer Eingemeindung entzündete. In der Gemeinde Schrezheim war das Thema bereits geklärt. Bis 1966 gab es drei Dorfschulen: in Schrezheim, Rotenbach und Eggenrot. Vor dem Bau der neuen, gemeinsamen Schule im Hauptort gab es einen Streit, der bis vor das Verwaltungsgericht führte. Die Gemeinderäte aus Rotenbach fürchteten um die künftige Entwicklung ihrer Ortschaft, wenn die neue Schule in Schrezheim gebaut würde und drohten sogar mit einer Ausgemeindung nach Ellwangen. Durchsetzen konnten sie sich nicht, aber der Zusammenschluss mit Ellwangen kam schneller, als mancher gedacht hatte.

1970/71 trieb die Landesregierung die Gemeindereform voran. Die Steuerkraft kleiner Gemeinden wie Schrezheim mit wenig Einwohnern und großer Fläche schien viel zu gering, um die Daseinsfürsorge zu finanzieren. Kläranlagen, Trinkwasserversorgung, Schulen, Kindergärten, Mülldeponien waren nur ein Teil der Aufgaben.  Schrezheim hatte keine großen Gewerbesteuerzahler, Ellwangen und Röhlingen hatten den Zweckverband Industriegebiet Neunheim gebildet.  

Landrat Huber und der Verwaltungsrat Weber sagten in Bürgerversammlungen, die Anfang Juli 1971 in Schrezheim, Eggenrot und Rotenbach stattfanden, dies sei die letzte Möglichkeit für einen freiwilligen Zusammenschluss. Im kommenden Jahr werde ein solcher auf Druck der Landesregierung zwangsweise erfolgen. Für die Stadt Ellwangen sprachen unter anderem die Stadträte Merz, Dr. Walcher und Dr. Grupp.

Am 18. Juli dann die Abstimmung, zwei Wahlbezirke wurden gebildet, in Schrezheim und Eggenrot stehen die Urnen: 58,7 Prozent der abgegebenen Stimmen für die Eingemeindung. Die Wahlbeteiligung liegt bei 63,2 Prozent. Die Wahlbezirke unterscheiden sich beträchtlich, in Eggenrot sind 63,6 Prozent für den Zusammenschluss, in Schrezheim nur 56,7. Das Votum ist lediglich eine Empfehlung, die Entscheidung trifft der Gemeinderat am 8. September. In geheimer Abstimmung sind drei Gemeinderäte gegen, neun für die Eingemeindung. Die Frage ist entschieden.

Jagdgenossenschaft gegründet

Ende November, noch bevor die Eingemeindung formell vollzogen ist, gründet sich in Schrezheim noch eine Jagdgenossenschaft. Die Besitzer bejagbarer Grundstücke, die meisten sind aktive Landwirte, fürchten mit der Eingemeindung könnten die Jagdpachteinnahmen in der Stadtkasse aufgehen. Die Genossenschaft soll die Verwendung des Geldes für land- und forstwirtschaftliche Zwecke in Schrezheim auch nach der Eingemeindung sicherstellen. Aufgrund eines Formfehlers muss sich die Genossenschaft ein Jahr später noch einmal gründen, sie ist bis heute aktiv.

Bei der letzten Sitzung des Schrezheimer Gemeinderats im Dezember 1971 wählt man die vier Räte, die künftig im Gemeinderat Ellwangen vertreten sein werden: Franz Frank, Xaver Königer, Hans Salat und Franz Harst. Leopold Wentz, seit 1959 Bürgermeister in Schrezheim, zollt der Bürgerschaft größte Hochachtung für die Entscheidung zur Eingemeindung nach Ellwangen. Er selbst werde künftig als zweiter Beigeordneter des Oberbürgermeisters seinen persönlichen Beitrag zum Wohl der Großen Kreisstadt Ellwangen leisten. In seiner letzten Ansprache als Bürgermeister geht er auf die zahlreichen Investitionen und Leistungen der letzten Jahre ein.

Nach der Eingemeindung pflegt Schrezheim zunächst einen Bezirksbeirat, während Rindelbach und Röhlingen sich für eine Ortschaftsverfassung entscheiden. Der Bezirksbeirat hat weniger Entscheidungsbefugnis und keinen Ortsvorsteher. Schon bald wird der Wunsch geäußert, auch in Schrezheim einen Ortschaftsrat einzuführen, um besser vertreten zu sein. Es dauert aber noch bis zur Kommunalwahl 1979, bis der Ortschaftsrat gewählt wird. Xaver Königer wird erster Ortsvorsteher.

Mehr zum Thema Eingemeindung lesen Sie unter: Als Ellwangen große Kreisstadt wurde 

Die Gemeindereform ist ein Riesenthema in der Presse. Die Schwäbische Post berichtet groß über die Eingemeindungen nach Ellwangen.
Die Gemeindereform ist ein Riesenthema in der Presse. Die Schwäbische Post berichtet groß über die Eingemeindungen nach Ellwangen.
Das alte Rathaus in Schrezheim befand sich an der Bahnlinie beim Gasthaus "Lamm". Nach dem Bau der St.-Georg-Schule wurde das Rathaus ins alte Schulhaus verlegt.
Soll die Gemeinde Schrezheim zu Ellwangen eingemeindet werden? Die Bürgerinnen und Bürger stimmen am 18. Juli 1971 darüber ab. Das Votum ist in Schrezheim relativ knapp.

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