Wo stand in Rotenbach eine Burg?

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Eine Luftaufnahme von Rotenbach (im Vordergrund) und Ellwangen aus den 1960-er Jahren: Die Burg stand unten links. Um den ehemaligen Burgstall herum stehen heute Häuser und Scheunen.
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Im 13. Jahrhundert tauchen in Urkunden die Herren „von Rotenbach“ auf, die in Diensten des Klosters Ellwangen stehen. Von ihrer Burg ist heute nichts mehr zu sehen.

Ellwangen

Vor einige Jahren zogen die Rotenbacher bei ihrem Fasnachtsumzug den Nachbau einer Ritterburg durch das Dorf. Ein Turm aus Holz steht heute noch am Dorfplatz, auch das Wappen der Ritter von Rotenbach, rotes Hirschgeweih auf grünem Grund, ist zu sehen.

Die Rotenbacher Burg hat es wirklich gegeben, das beweisen historische Dokumente. Hubert Häfele hat die Geschichte der Ortschaft erforscht. Seine Chronik erschien 1983 in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Gesangvereins Frohsinn.

Den ältesten Nachweis der „Feste Rotenbach“ findet man in einer Urkunde vom 1. Mai 1335. Darin verpfändet der damalige Abt Kuno II. seine vier Burgen Ellwangen, Kochenburg, Tannenburg, und Rotenbach auf Lebenszeit an den Ritter Swigger von Gundelfingen.

Dass die Rotenbacher Burg nicht ganz unwichtig war, kann man auch daran erkennen, dass sie im ältesten Urbar (Güterverzeichnis) des Klosters Ellwangen von 1337 gleich auf der ersten Seite genannt wird.

Häfele schreibt 1983, man könne bescheidene Reste der Mauern noch sehen, hinter der Wirtschaft „zur Eintracht“. Heute ist die ehemalige Gaststätte das Domizil der freien Evangeliumsgemeinde Ellwangen.

In der Oberamtsbeschreibung von 1896 wird die Feste Rotenbach als Burgstall beschrieben, der 7,5 Meter hoch und 27 Meter lang gewesen sei. Der Standort war gut gewählt auf einer leichten Erhebung zwischen zwei Bächen: Der Rotenbach floss auf der einen Seite, der andere wurde aus zwei Bächen gespeist, die im Ortsteil „Henkel“ zusammenkommen. Beide Gewässer konnte man aufstauen, die Burg wurde so fast zu einer Wasserburg.

Man kann die einstige Burg gut orten, wenn man die heutige Bebauung aus der Luft betrachtet: Die Burgstraße und der Hohe Weg umschließen eine Fläche, in deren Mitte wohl einst die Rotenbacher Burg gestanden hat. Ursprünglich saß auf dieser Burg ein Adelsgeschlecht, die Herren von Rotenbach. Deren Spur verliert sich jedoch im 14. Jahrhundert, im 15. Jahrhundert wurde die Burg abgerissen.

Zur mittelalterlichen Burg gehörte ein Burghof, an den die Untertanen ihre Abgaben liefern mussten. Auch die Nachtweide, (auf mittelhochdeutsch Auchte) eine umhegte Wiese, wo bei Nacht Zug- und Reittiere weideten, gehörte zum Inventar. Das Wohngebiet Auchtfeld zeigt, wo die Nachtweide war.

Rotenbach hatte laut Urbar bereits im 14. Jahrhundert eine Mahlmühle, die von zwei Mühlweihern aus angetrieben werden konnte. Daneben gab es vier Huben (kleinere Höfe), eine Selde (Tagelöhnerhaus) und Gärten, worin „Peterlin und Mangold“ für den Ellwanger Abt angebaut wurden.

Schließlich gehörten sieben Weiher entlang der Bäche zur Feste Rotenbach. Diese gibt es teilweise noch heute, von anderen sind noch die Staudeiche erhalten. in den Weihern betrieb das Kloster eine rege Fischzucht. Aus dem Fischwasserbuch von 1428 kann man entnehmen, welches Wasser und welcher Weiher für welche Fischart besonders gut geeignet war.

Für Ackerbau waren die sandigen Böden bei Rotenbach eher nicht geeignet. Heide und Wiesen eigneten sich eher für Schafe und Ziegen. Noch heute kennen die Rotenbacher den Spruch ihrer Vorfahren: „Rodabach isch a armer Ort, außarom blos Dora (Dornen). Drenne hengt dr Bettelsack, dia Baura hen' koi Kora (Korn).“

Die Vest ist nun abgebrochen und es wurden Lehen daraus gemacht.“

Aus dem Zinsregister 1485

Wer waren die Herren von Rotenbach?

Degenhart und Berthold v. Rotenbach sind die ersten Vertreter dieser Adelsfamilie, die in einer Urkunde genannt werden, die zwischen 1109 und 1122 entstand. 1229 sind die Brüder Wernher und Ulrich erwähnt, wobei sich Ulrich später „v. Ellwangen“ nennt. 1381 ein Hans v. Rotenbach erwähnt. Dessen Sohn Henslin ist im Güterverzeichnis der Klosterkellerei 1407 erwähnt. Er besaß Harzrechte im Wald bei Leinenfirst. Daneben wird 1337 im Urbar ein „Rotenbach“ in Ellwangen erwähnt, der Zinsen von seiner Hofstatt zahlen muss. 1381 wird „der alt Rotenbach“ erwähnt. Hubert Häfele legt sich nicht fest, ob die Ellwanger Familie und die Ritter von Rotenbach aus einem Geschlecht sind.

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