Ärger ums Auchtfeld - worum es geht

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In Wört schlagen derzeit die Wellen hoch. Der Grund sind zwei neue Baugebiete. Um was es den Anwohnern geht und was der Bürgermeister sagt.

Gegen die geplanten Baugebiete Auchtfeld III und Auchtfeld Ost in Wört protestieren die Anwohner.

Wört

Lautstarker Unmut entlud sich vergangene Woche in der Gemeinderatssitzung in Wört, der darin gipfelte, dass Bürgermeister Thomas Saur anwesende Zuhörer des Saales verweisen musste (wir berichteten). Grund: der Tagesordnungspunkt „Aufstellungsbeschluss für Auchtfeld III und Auchtfeld Ost“.

Das fürchten die Bürger

Anwohner werfen dem Bürgermeister mangelnde Transparenz vor, „Überrumpelung“ und ein völlig überdimensioniertes Vorhaben. Zudem bestehen die Befürchtungen, dass in dem als Mischgebiet ausgewiesenen Bereich „Auchtfeld Ost“ weniger ein medizinisches Versorgungszentrum und betreutes Wohnen im Mittelpunkt stehen sollen, sondern ein großer Einkaufsmarkt.

Die Bürger befürchten dabei neben erhöhtem Verkehrsaufkommen auch die Konkurrenz für den im Ortskern ansässigen Lebensmittelmarkt.

Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Thomas Saur erklärte im Gespräch, dass es um das Zukunftsprojekt für Wört gehe. „In Auchtfeld III können gut 50 Bauplätze entstehen. Das ist Raum für die nächste Generation.“ Natürlich würden dabei auch ein paar Mehrfamilienhäuser entstehen, „anders geht es heute nicht mehr. Aber das wird keine Trabantenstadt.“ Wört müsse sich weiterentwickeln. Im Flächennutzungsplan gebe es keinen Raum mehr für Wachstum. Der Bedarf und die Nachfrage durch die ansässigen Firmen und deren Arbeitnehmer sei aber nicht von der Hand zu weisen: „Wir haben mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Die Nachfrage ist da, Wört ist attraktiv.“

Gleichzeitig verfolge man weiter den Plan einer innerörtlichen Sanierung. Der Antrag auf Bewilligung eines Sanierungskonzepts sei aber abgelehnt worden. „Das ist nicht unüblich im ersten Anlauf. Wir werden nachbessern und einen neuen Antrag stellen“, versicherte Saur: „Gemeindeentwicklung ist ein Marathon. Man braucht einen langen Atem.“ Und man müsse mehrgleisig vorgehen. Genau das beabsichtige die Gemeinde mit den neuen Baugebieten.

Einzelhandel ist vorstellbar

Im Mischgebiet könne er sich sehr gut Einzelhandel vorstellen, erklärt Saur auf Nachfrage. „Bis zu 800 Quadratmeter Fläche wären im Mischgebiet zulässig.“ Diese Chance dürfe sich die Gemeinde einfach nicht verbauen. „Und wir wissen auch nicht, was in einigen Jahren ist. Was, wenn der Platz für den Laden im Ort nicht mehr reicht?“ Eins sei aber sicher, so Saur: „Wir wollen keine Konkurrenzsituation zu dem ansässigen Einzelhandel, der ist wichtig für die Nahversorgung am Ort.“

Mit der Anbindung über einen Kreisverkehr würde zudem die Verkehrssituation entschleunigt anstatt verstärkt. „Durchgangsverkehr wird es dort nicht geben, nur Anwohner. Das Mischgebiet sitzt ja vorne am Ortseingang. Und wir bekommen die Chance, den kerzengeraden Ortseingang durch den Kreisel zu entschärfen“, erklärt Saur.

Wir wollen keine Konkurrenz zu dem ansässigen Einzelhandel.“

Thomas Saur, Bürgermeister

Vorgehen im rechtlichen Rahmen

Den Vorwurf mangelnder Transparenz wies Saur klar von sich. „Wir bewegen uns innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Als Gemeinderat müssen wir uns zunächst nicht-öffentlich darüber im Klaren sein, was wir wollen, bevor wir den Aufstellungsbeschluss fassen.“

Und zudem das Vorkaufsrecht auf die Grundstücke sichern, die in Wört im Eigentum mehrerer verschiedener Besitzer sind. „Sonst ist wilder Spekulation Tür und Tor geöffnet.“

Das Verfahren sehe natürlich Bürgerbeteiligung vor, und die werde auch kommen, so Saur. „Dann können wir alles Für und Wider abwägen, Pläne ändern und diskutieren oder auch Klage einreichen.“ Stand jetzt werde diese Bürgerveranstaltung im Herbst abgehalten, sofern es die Corona-Situation erlaube. „Die muss dann natürlich so überzeugend sein, dass die Bürger mitgehen“, so Saur.

Er verstehe, dass die Anwohner natürlich weiterhin lieber die grüne Wiese als Aussicht hätten. Aber: „Die haben sie damals nicht mitgekauft. Jeder hat einmal einen Bauplatz von der Gemeinde bekommen, alle durften ihren eigenen Traum verwirklichen. Und der künftigen Generation dürfen wir das nicht verwehren.“ Das bestehende Feldgehölz und den Bach, der im Weiher vor dem Kindergarten mündet, wolle man nicht antasten. „Das liegt nicht im Bereich des Aufstellungsbeschlusses“, versichert Saur.

Ob er rückblickend ein anderes Vorgehen gewählt hätte? Dazu Saur klar: „Nein.“

Thomas Saur.

Rubriklistenbild: © rat

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